Muaharhar, mit spitzer Zunge könnte ich ja jetzt glatt behaupten, dass sich ein würdiger Nachfolger Demofilo Fidanis angefunden hat, der sein „Erbe“ bewahrt.
Der gute Fred Olen Ray, dem ich am liebsten Berufsverbot erteilen würde (wenn ich denn könnte...) hat sich mit seiner Klitsche Royal Oaks tatsächlich ein einziges Mal an einem Western versucht und die Hauptrolle nun ausgerechnet auch noch mit Michael Dudikoff („American Ninja“, „Avenging Force“) besetzt, dessen Milchbubigesicht man wirklich nicht als kernigen, schweigsamen Revolverhelden verkaufen kann. Aber Fred ist so was bekanntlich scheißegal.
Und so schickt er den damals schon sich auf dem absteigenden Ast befindlichen Ex-Actionhelden, der in diesem Jahr sagenhafte sechs Filme zu einem Release führte, in die Westernstadt Kingston. Dort ist die lokale Gangstergröße schlecht auf ihn zu sprechen, weil Dudi seinen Zögling beim Auspeitschen einer Frau unterbrach und abknallte. Django; ick hör` die trapsen. Aber die zerschundenen Patschehändchen kommen erst später.
Westernfledderei ist also angesagt und bis zum „High Noon“ kann zumindest der Genreerfahrene eifrig Wiedersehen mit bekannten Ideen feiern, die trotz authentischer Sets und Kostümierung sterbenslangweilig kopiert wurden.
„The Shooter“ ist erstaunlich solide umgesetzt, bringt nur das klitzekleine Problem mit sich, dass er den Zuschauer mit seiner Dialoglastigkeit in den Schlaf labert.
Frei nach einer wohl abzuhakenden Liste reitet Dudikoff alias Michael Atherton, der als armer Farmer viel glaubwürdiger gewesen wäre, erst in die Stadt, zeigt im Saloon was für ein harter Bursche er ist, besucht die holde Maid, die ausgerechnet eine Hure ist, lässt sich nach ein paar Regeln der Kunst durchfoltern, aufpäppeln und schließlich das Schlussduell servieren. Immerhin ist er doch ein gestandener Kriegsveteran, als solcher noch berühmtberüchtigt und viel zu ehern, um Kopfgeld zu kassieren oder sich von den Stadtväter zum guten Zweck als rechtes Mittel gegen die peinigenden Lokalbanditen einsetzen zu lassen.
Korrupte Sheriffs, persönliche Abrechnungen, Whiskey saufen und Kartenspiel – alles ist drin. Und doch kommt „The Shooter“ kaum über das niedrige Durchschnittsniveau aller verbrecherischer Zelluloidverschwendungen Fred Olen Rays hinaus. Denn dafür wird hier einfach zu belanglos in aller Ausführlichkeit lamentiert bis die Schwarte kracht. Schusswechsel sind eine Seltenheit, wenn dann aber wenigstens solide umgesetzt und Überraschungen hier ohnehin fehl am Platze.
Fazit:
Es läuft zwar auf den üblichen Schmu von Fred Olen Ray heraus, doch hinter der deutlichen Langatmigkeit versteckt sich zumindest ein professionell aussehender Western ohne zu viele Zugeständnisse. Ob das angesichts der Ideenansammlung ohne Spannungsbogen echte Duelle und markige Typen reicht, sei mal dahingestellt, Ich fand „The Shooter“ sterbenslangweilig.