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Mit „The Shooter“ durfte sich B-Actionstar Michael Dudikoff mal nicht in einem Militäractioner für Royal Oaks versuchen, sondern gar in einem Western die Hauptrolle übernehmen.
Michael Atherton (Michael Dudikoff) ist auch der Prototyp des schweigsamen Fremden, der in das kleine Kaff einreitet und für Ordnung sorgt. So trifft er bereits beim Erreichen des nächsten Örtchens auf drei Schmierlappen, die gerade die Prostituierte Wendy (Valerie Wildman) quälen, und macht kurzen Prozess mit dem Pack. Die Vorbilder sind dabei allgegenwärtig, denn Fred Olen Ray kopiert hier brav das Schaffen von Leuten wie Clint Eastwood, Walter Hill und vor allem Sergio Leone, nur eben auf B-Niveau.
Besagte drei üblen Burschen waren Handlanger des Ranchers Jerry Krants (William Smith), einer sogar sein Sohn. Der will die Macht in der Stadt an sich reißen und nun Rache an Michael üben. Doch der ist kriegserfahren und nimmt den Kampf auf...

Kurz vor Entstehen von „The Shooter“ hatte das Genre mit „Last Man Standing“, Walter Hills an „Für eine Handvoll Dollar“ angelehnter Neowestern, etwas frischen Wind erhalten und dies merkt man „The Shooter“ auch an. Die Geschichte greift altbekannte Motive auf, ist aber leider deutlich simpler gehalten und nicht so episch wie diese. Einige Momente sind sogar fast eins zu eins nachgestellt, gerade die Szene in welcher Michael von den fiesen Schergen zusammengemöbelt wird, weist arge Ähnlichkeit zu „Last Man Standing“ auf.
Leider ist das Treiben reichlich unspannend, da kaum etwas passiert, die paar Wendungen in der Geschichte sieht man schon meilenweit kommen. Michael, der Held des Films, entpuppt sich bald auch als doch nicht so schweigsamer Fremder und labert endlos mit Wendy, was so eine Art kitschige, absolut uninteressante Lovestory darstellt. Ansonsten intrigieren die Fieslinge noch etwas, doch Langweile macht sich schnell breit, da in „The Shooter“ kaum etwas passiert.
Auch auf Action sollte man nicht wirklich hoffen, denn wenn „The Shooter“ weder Flair noch Spannung der großen Vorbilder bietet, dann hätte hier ja eine Chance bestanden. Nur zwei große Ballereien und das finale Duell bieten etwas Action, der sonstige Schusswaffengebrauch ist kaum der Rede wert. Die beiden großen Shoot-Outs sind noch ganz nett geraten, aber lassen eine packende Inszenierung vermissen, sodass „The Shooter“ weiter Potential verschenkt.

Auch sonst ist Fred Olen Rays Regieleistung bieder und lahm, wenngleich er einem immerhin die Stock Footage Orgien erspart, die man sonst von ihm kennt. Aber im Gegensatz zu seinen Militäractionern gab es hier wohl auch nicht soviel Archivmaterial, auf das er zurückgreifen konnte. Royal Oaks hat sogar eine halbwegs angemessen ausschauende Westernstadt für den Film zusammengezimmert oder gemietet, doch echtes Westernflair will angesichts der uninspirierten Regie nicht aufkommen.
Michael Dudikoff versucht als Revolverheld auch mal richtig zu schauspielern – schwerer Fehler. Den coolen Helden anderer Filme mag man ihm noch abkaufen, aber hier overactet er gerade in den dramatischen Szenen, sodass er unglaubwürdig wirkt. Wenig besser auch nur der Rest, Randy Travis als Erzfeind agiert auf Autopilot, Valerie Wildman ist als Love Interest bestenfalls mittelmäßig und die anderen Darsteller vergisst man auch schnell.

Als Royal Oaks Western ist „The Shooter“ echt eine Kuriosität, leider aber genauso kreuzlangweilig wie die Standardwerke des Studios. Die beiden größeren Ballereien des Films sind noch ganz ansehnlich, man hat sogar Geld in die Ausstattung gesteckt, die Geschichte aber ist sterbenslangweilig und es fehlt jegliches Flair.

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