Eine gute erotische Geschichte kann man ruhig auch zweimal erzählen. Also nahm sich Erwin C. Dietrich zwölf Jahre nach seinem ersten großen Erfolg noch einmal der Erzählung an, die angeblich von Guy de Maupassant stammt: Les Cousines de la colonelle, par Madame la Vicomtesse de Coeur-Brulant. Und diese Neuverfilmung macht durchaus Sinn, konnte er diesmal doch auf richtig populäres Personal zurückgreifen, welches mit seinen Reizen alles andere als geizt.
Karine Gambier ist die verwitwete Frau Oberst & ihre Nichten werden von Pascale Vital (als Florentine) & Brigitte Lahaie (als Julia) gespielt. In (zeigefreudigen) Nebenrollen: Nadine Pascal, France Lomay, Cathy Stewart & Eric Falk (als Erik, der Stallknecht). Der Eric bringt die komplexe Handlung auf seine gewohnt unverblümte Art auf den Punkt. Es ist "ein Reigen der Lust, einfach schöne Weiber, eine nach der anderen aneinandergereiht". Bei der Brigitte kommt er aus dem Schwärmen gar nicht mehr raus. Aber auch Herr Dietrich war von ihr so angetan, dass er ihr den üblichen (französischen) Porno-Tarif zahlte, obwohl sie nur soft ranmusste. So war er, der Onkel Erwin.
Die neuen Nichten beginnen auf altbewährte Weise mit hübschen Naturaufnahmen. Ein stattlicher Schwan zieht in einem kleinen, idyllischen See, welcher von üppiger Vegetation umgeben ist, seine morgendlichen Kreise. Die Sonne scheint, die Vögel zwitschern & die Brigitte zieht sich aus. Ah, ich liebe den Anblick von prallen Brüsten am Morgen. Peter Baumgartners Kamera schweift über den nahen Wald & schweift wieder zurück zu Brigitte; ihr prächtiger Busen ist den ollen Bäumen doch vorzuziehen. Für den ersten Close-Up-Muschi-Shot des Films (für die Statistiker unter uns: nach exakt 6 Minuten & 39 Sekunden) sorgt allerdings Nadine Pascal. Weitere werden folgen, nicht nur von der Nadine.
Die Story: Da die Nichten ihre Finger nicht voneinander lassen können & wieder mal rumlesbeln, bestimmt Frau Oberst, dass sie sich (je) einen Mann suchen sollen, wobei sie sich nicht zu schade ist, das vorhandene Material zu testen, ob es denn auch den Ansprüchen der Nichten genügt. Wer kauft schon gerne die Katze im Sack? Die Witwe hat es aber auch echt nötig, die geht schon mal ins Maisfeld, um einen Kolben zu schälen & zu lecken. Am Schluss hat jeder Topf seinen Deckel gefunden & der Schwan schwimmt immer noch herum. Oops, jetzt habe ich das Ende gespoilert, sorry. Es gab schon mal lustigere & bessere Dialoge in Dietrich-Filmen, aber einer ist unbedingt erwähnenswert.
Er: "Ihre Brüste sind meine Zufluchtsstätte, Ihr tiefer dunkler Schoß ist mein Verlies, mein Hades."
Sie: "Aber Sie kennen meinen Schoß doch gar nicht."
Auch wenn die Dialoge nicht so gelungen sind, so erweist sich Onkel Erwin als Meister im Inszenieren derselben. Zum Beispiel fängt er ein Gespräch so ein, dass immer die Person im Bild ist, die gerade nicht spricht. So müssen die Ladies nur rumsitzen & interessiert gucken & das Geschwätz konnte bequem hinterher eingefügt werden. Brigittes Möpse werden auch im Film gepriesen: "Es war immer mein Traum, solche Brüste zu haben wie Du", meint Florentine & beginnt die üppigen Hügel zu erkunden. Erkunden darf die Brigitte auch Eric, der darf sie sogar besteigen. Seine folgende GV-Simulation erinnert an einen überdrehten Duracell-Hasen, der kurz davor ist zu explodieren. Die Rückkehr der Nichten ist weder auf- noch besonders erregend, aber der Folm ist zumindest sehr schön anzuschauen & geizt nicht mit Schauwerten. Etwas mehr Story & ein bisschen mehr Humor hätten jedoch nicht geschadet.