Eine fünfköpfige Truppe von Freizeit-Rambos auf zwei Motocross-Maschinen und einem Buggy hopst lustig über diverse Hügel in einem von nicht allzuhoher Vegetation bedeckten, sandigen Gebirge. Zweck der Mission dieser "special forces": einen der ihren befreien, der von einer anderen Gruppe, den "black masks", gefangen gehalten wird. Damit man sie auch gut auseinanderhalten kann, haben Erstere helle Tarnanzüge, Letztere tragen jedoch nur helle Tarnhosen und schwarze Oberbekleidung inklusive schwarzer Sturmhauben. Der Gefangene, den es zu befreien gilt, ist ein Asiate und sitzt halbwegs gemütlich in einer Art Hundezwinger, und die Folter besteht eigentlich mehr darin, daß der Anführer der Bösen, ein bärtiger Mann mit Netzstrumpfhose vor dem Gesicht, ihn pausenlos mit stockdämlichen Sätzen zutextet. Aber die Kameraden sind ja schon auf der Suche nach ihm und fahren als Erstes mal fröhlich in eine Ansammlung von Zelten (genannt "Dorf") hinein, wo sie gleich mal ein paar von den "Terroristen" (also die mit schwarzem Oberkörper) ausschalten, was erwartungsgemäß wie in einem Computerspiel funktioniert: jeder Schuß ein Treffer, stets headshots, und natürlich null eigene Verluste. Da freut sich auch der General im Hauptquartier, in das sie dann alsbald zurückkehren. Aber noch ist der Kamerad nicht befreit, und nach einem Telefonat mit Mr. President himself (hoho!) wird mit tollen Drohnenaufnahmen von der Terroristen Hauptquartier der nächste Einsatz festgelegt: Dort wimmelt es nämlich gerade von Leuten. Die wollen doch nicht etwa abhauen? Das geht jetzt aber gar nicht, also müssen die Fünf gleich wieder los...
Der zweite Teil der Rogue-Warfare-Trilogie erklärt mit dem deutschen Subtitel Kein Mann bleibt zurück dankenswerterweise gleich den kompletten Plot, denn tatsächlich dreht es sich nur darum, den Gefangenen zu befreien und den bösen Terroristen auf die Finger zu klopfen. In endlosen Passagen von sich wiederholenden Bildern von Sandhügeln "kämpfen" die multinationalen "special forces" (ein pockennarbiger Amerikaner, ein afroamerikanischer Brite, ein Franzose, ein rotbärtiger - vermutlicher - Ire und eine blonde Russin, Letztere wie aus einem Porno gecastet) gegen die gesichtslosen Terroristen, die zu keiner Zeit mehr als Kanonenfutter darstellen und wie die Fliegen umfallen. Deren Anführer freilich wird nie erwischt, darf aber immer wieder völlig belangloses (und daher extrem nerviges) Zeug daherreden, und wenn er damit nicht gerade den Gefangenen quält, dann tauscht er sich mit seinem Assistenten aus, der ausnahmsweise völlig in Weiss gekleidet ohne Maske auftritt und mindestens genauso dämlich antwortet.
Wäre das Ganze als Trash-Komödie auf besserem Amateur-Niveau vermarktet worden, wären vielleicht Gnadenpunkte drin, so aber muß man immer wieder ernüchtert feststellen, daß sich sämtliche Beteiligten ganz furchtbar ernst nehmen, obwohl in diesem Film, angefangen von den Phantasie-Uniformen (ohne Dienstgrade, nur der mit "Commander" angesprochene General [sic!] hat drei dunkle Sternchen am Revers) über die Ausrüstung (die Terroristen haben zwei Lastwagen offenbar westlicher Herkunft, auf denen an der Windschutzscheibe einmal "Ellen" und einmal "Stewart" zu lesen ist - hm?) bis hin zur Kampf-Choreographie (die "special forces" gehen ohne jede Deckung, ohne sich abzusprechen zum Teil mit gezückten Waffen hintereinander marschierend aufs Geratewohl los) absolut überhaupt nichts stimmt.
Das gilt selbstredend auch für die Bösen, denn diese IS-Karikatur hat keinerlei Fahnen, Abzeichen oder Graffitis, und deren Anführer nimmt das Wort "Allah" (oder irgendein Synonym) erst gar nicht in den Mund, sondern spricht bestenfalls vom "Westen". Wieso er den Gefangenen so ausgiebig volllabert, wird zu keinem Zeitpunkt klar. Aber immerhin zeigt er ihm dann irgendwann den Inhalt eines Köfferchens: er hat doch tatsächlich Sarin! Für diejenigen Zuleser, die bisher genauso wie ich vermuteten, daß es sich dabei um eine hochgiftige bräunliche Flüssigkeit handelt, möchte ich an dieser Stelle ein Geheimnis lüften: wie einwandfrei im grellen Sonnenlicht zu sehen, besteht Sarin in Wirklichkeit nämlich aus festen hellblauen Kristallen, die wie zerkleinerte blaue Toiletten-Spülsteine aussehen! Aber damit sich keiner täuscht, die Wirksamkeit wird sofort bewiesen, denn der Anführer verfüttert sogleich ein Stückchen davon an einen seiner Schergen (ja, nicht etwa an den Gefangenen, nein nein, an einen der schwarz Maskierten) und der Typ fällt prompt tot um! Tja, Rogue Warfare 2, da fällt dir nichts mehr ein...
Abgesehen von wenigen solchen äh, Highlights (?) schleppt sich der Film repetitiv und träge vor sich hin und da das Drehbuch ohnehin keinerlei Aussage machen will oder kann, muß 2 Minuten vor Schluß noch eine Texttafel herhalten ("Das Team wird zurückkehren") um diejenigen wenigen Zuseher, die bis dahin durchgehalten haben, auf einen 3. Teil hinzuweisen.
Fazit für diesen 2. Teil: selten war die Bezeichnung "gequirlte Scheiße" so angemessen wie hier: 1 Punkt.