Review
von Leimbacher-Mario
El Epilog
„Breaking Bad“ hat in seinen fünf Staffeln eigentlich alles richtig gemacht, was man als Serie richtig machen kann. Vince Gilligan hat mit Walter Whites Aufstieg zu einem legendären Drogenbaron das goldene Zeitalter der Serien eingeläutet, nicht viel weniger als einen heißen Anwärter auf die beste Serie aller Zeiten geschaffen. Nur eine Sache hat den Schöpfer und einige Fans wohl nie ganz zufriedengestellt: der „Abgang“ Jessie Pinkmans. Nun bekommt er mit „El Camino“ von Netflix die Chance, auch dieser beliebten Figur ihren würdigen Abschied zu ermöglichen. Doch bei vielen Fans schwang natürlich auch ein Stück Skepsis und Angst mit, ob nicht doch eher monetäre Gründe hinter dem späten Revival stecken könnten, ob das Magnus Opus gar Schaden nehmen könnte. Doch da kann ich direkt mal Entwarnung geben: „El Camino“ ist ganz sicher kein Cashgrab, das spürt man in jeder Sekunde, jedem Detail, jeder Entscheidung. Für Fans der Kultserie ist „El Camino“ sogar eher ein kleiner feuchter Traum, der das Niveau der Serie nahezu hält und sich anfühlt wie eine gelungene Doppelfolge. Was will man denn mehr?!
Wir folgen einem vom halben Land gejagten Jessie Pinkman nach seiner Flucht im titelgebenden Auto und wie er versucht, die USA zu verlassen. Auf dem Weg treffen wir etliche alte Bekannte aus der Serie und Rückblenden zu blinden Stellen aus fünf Jahren „Breaking Bad“ geben ebenfalls ein paar neue Einblicke in das Seelenleben einer Figur, die eine enorme Entwicklung durchlaufen durfte/musste und die man über die Jahre doch sehr ins Herz geschlossen hat, der man einen Neuanfang gönnen würde... „El Camino“ bringt das „Breaking Bad“-Feeling zurück, das Wiedersehen mit Skinny Pete und Co. kann man als Anhänger nur feiern und Aaron Paul zeigt seit Jahren endlich mal wieder, was er drauf hat als Schauspieler, wieviel ihm und allen Beteiligten an dem Charakter liegt. Selbst wenn sein runderes Gesicht und beinahe Doppelkinn nicht wirklich zur Situation bzw. dem Punkt der Geschichte passen. Doch das sind Kleinigkeiten, genauso wie der sehr aufgesetzt wirkende Gastauftritt von Walter White, die ich noch nichtmal Haare in der Suppe nennen würde. Klar ist das Tempo etwas schleppend und die Highlights der Serie werden nicht mehr erreicht, nichtmal ansatzweise. Doch für ein emotionales „Mach’s gut!“ reicht das hier aber mal ganz locker. Außerdem sieht das Ganze besser aus denn je, Szenen wie der westernartige Shootout sind groß und die Vibes changieren irgendwo zwischen Heist-, Road- und Gangster-Movie zu einem gewohnt legendären Eintopf aus Lachen, Staunen, Bangen und Jubeln. Vielleicht nicht der ganz große Wurf, aber ein wundervolles Outro. Das hätte viel, viel schiefer gehen können. Und ich bin dankbar für diese verzögerte Zugabe.
Fazit: ein ziemlich würdiger Nachschlag! Viel mehr kann man kaum verlangen. Nicht spektakulär gut, aber für Fans eine feines Add-On und endlich der Abgang, den Jessie verdient hat. Nicht auf dem Niveau der Höhepunkte der originalen Serie, aber besser als das Meiste bei „Better Call Saul“. Yeah Bitch!