Drogengangster Jesse Pinkman (Aaron Paul) ist auf der Flucht - warum, weiß man nicht so genau, aber er muß sich verstecken. Am besten sehr weit weg, Alaska lautete ein Tip, denn nicht nur die Polizei, sondern auch andere Gangster sind hier in New Mexico hinter ihm her. Bei zwei Spießgesellen kann er auch nicht lange bleiben, denn sein Fluchtfahrzeug, den titelgebenden El Camino, den er an einen Schrotthändler loswerden will, ist mit einem Sender ausgestattet und so muß Pinkman auch noch den fahrbaren Untersatz wechseln. Doch bevor er an einen Grenzübertritt denken kann, muß er noch eine andere Sache erledigen: Ein Haufen Geld in einem Versteck einer polizeilich versiegelten Wohnung will noch abgeholt werden. Sich dort Eintritt zu verschaffen, fällt nicht weiter schwer, auch das Versteck ist bald ausgemacht, doch dummerweise kommen gerade in diesem Moment zwei Polizisten, die das demolierte Apartment noch einmal nach ebenjenem Geld durchsuchen wollen. Daß die beiden Uniformierten gar keine Polizisten sind, merkt Pinkmann schnell, da er aber als Einziger das Versteck kennt, schließt er mit ihnen einen wackeligen Deal: Er zeigt ihnen wo die Beute ist und sie teilen diese durch drei. Das funktioniert sogar erstaunlicherweise, doch ob Pinkmans Anteil für einen neuen, gefälschten Pass reicht, den er sich bei einem als Staubsaugervertreter getarnten Typen besorgen will, ist keineswegs sicher...
Das Problem bei Sequels & Prequels abgeschlossener Erfolgsserien (hier: Breaking Bad) liegt meist darin, daß die wichtigsten Dinge schon besprochen und abgedreht wurden, und es schon erheblicher Ideen und Anstrengungen bedarf, ein halbwegs vernünftiges Drehbuch auf die Beine zu stellen, das Fans der Serie zu begeistern vermag. Noch viel schwieriger ist es jedoch, nicht mit der eigentlichen Serie vertraute Zuseher für die Thematik zu begeistern. El Camino nimmt von den Figuren wie der Handlung her zu 100% Bezug auf Breaking Bad, setzt grundlegende Kenntnisse voraus und gewährt erst nach und nach in einigen Rückblenden Einblicke in Pinkmans Werdegang und Motivation. Für Regisseur und Breaking Bad-Erfinder Vince Gilligan ein einigermaßen gangbarer Weg, die an sich abgeschlossene Serie mittels dieser Story um eine "Hauptfigur aus der 2. Reihe" doch noch etwas weiterzuerzählen, ohne sich allzusehr dem in solchen Fällen stets präsenten Vorwurf, eine erfolgreiche Serie Jahre nach deren Ende kommerziell noch weiter auszuschlachten zu wollen, auszusetzen. Dennoch fanden die Dreharbeiten, so wird kolportiert, unter strengster Geheimhaltung statt.
Für Außenstehende erinnert das Geschehen manchmal entfernt an eine Episode aus Tarantinos Pulp fiction (ein Gangster, der vor der Konsequenz seiner eigenen Taten fliehen muß), freilich ohne dessen Klasse auch nur annähernd zu erreichen - immerhin gibt es ein Wiedersehen mit Robert Forster (Jackie Brown), der hier in seiner letzten Rolle kurz vor seinem Tod den gewandten Staubsaugervertreter gibt.
Pinkman, so verrät ein Blick in dessen Vergangenheit, war dereinst in einem Käfig eingesperrt, mußte gezwungenermaßen als Drogenkoch arbeiten und bekam im Zuge dessen Wind von einem neuen Geldversteck, das Todd Alquist (Jesse Plemons) in seiner Wohnung suchte, nachdem seine Putzfrau das alte Versteck zufällig entdeckt hatte - ein Umstand, der die Frau das Leben kostete. Pinkman, der bei der Beseitigung der Leiche half, wußte also, daß sich irgendwo in der Wohnung des mittlerweile umgekommenen Todd sehr viele Scheinchen befinden...
Die über 2 Stunden Laufzeit sind allerdings insgesamt einfach zu lang, zumal die Geschehnisse eher gemächlich vonstatten gehen und einige Rückblenden zwar auf die Serie Bezug nehmen, den ohnehin nicht sonderlich eigenständigen Plot von El Camino aber nicht wirklich weiterbringen. Dazu kommt, daß Aaron Pauls Filmcharakter weder besonders witzig oder trickreich, auch nicht bedauernswert oder sonst in irgendeiner Weise beeindruckend rüberkommt, was Anknüpfungspunkte in Punkto Sympathie mit diesem Durchschnittsgangster zusätzlich erschwert.
Für Nichtkenner des Breaking Bad-Universums bleibt dieser Streifen daher eine zwiespältige Angelegenheit: Ein beliebiger Gangsterfilm um Drogen (-Gelder), der in Punkto Kameraarbeit und Location zwar nichts zu wünschen übrig läßt, ansonsten aber auch keinerlei bleibenden Eindruck hinterläßt. Wie der Subtitel Ein Breaking Bad Film schon verrät: just for fans. 5 Punkte.