iHaveCNit: Corpus Christi (2020)
04.09.2020
Bei der letzten Oscarverleihung war „Parasite“ zwar der alles überstrahlende Sieger gewesen, aber es ist natürlich immer interessant sich anzusehen, welche Filme denn sonst noch neben „Parasite“ in der Kategorie „Bester internationaler Film“ nominiert waren. Ich hatte ehrlich gesagt den polnischen Beitrag „Corpus Christi“ nicht auf dem Schirm, aber nach dem Trailer hatte ich dann doch richtig Lust auf den Film bekommen. Und der Film hat sich definitiv gelohnt.
Der zwanzigjährige Daniel sitzt aktuell in einer Jugendstrafanstalt. Durch die Arbeit als Messdiener für den im Knast praktizierenden Pater Tomasz hat Daniel eine Passion für die Arbeit als Priester entwickelt, doch mit seinen Vorstrafen wird er nie für die entsprechenden Seminare zugelassen. Aufgrund guter Führung wird er auf Bewährung freigelassen und soll zur Resozialisierung in einem Sägewerk am anderen Ende des Landes arbeiten. Dort angekommen macht er sich erst einmal ins Nachbardorf, tritt mit dem dortigen Priester in Kontakt und gibt sich selbst als Pater Tomasz aus. Aufgrund krankheitsbedingten Ausfalls des dortigen Würdenträgers übernimmt er fortan dessen Aufgaben. Mit seinen unkonventionellen, frischen Methoden findet er sehr schnell Anschluss im Dorf, doch kann seine Fassade lange aufrecht gehalten werden ?
Das interessante an „Corpus Christi“ ist, dass der Film auf einer wahren Geschichte beruht und in seiner Gesamtheit sehr authentisch und bodenständig rüberkommt. Einen großen Anteil an der Strahlkraft und dem Sog, den dieser Film entwickelt liegt an dem großartigen Bartosz Bielenia in der Hauptrolle des Daniels bzw. Pater Tomasz, hinter dessen markanten, durchdringenden Augen ein einnehmendes, freundliches, aber auch geheimnisvoll gefährliches Wesen liegen kann. Der Film und auch seine Rolle zeigt eigentlich, dass genau diejenigen am besten über Sünden, Vergebung, Menschlichkeit und Humanität reden können, die selbst ganz am Boden angekommen sind und selbst Sünden begangen und Absolution geleistet haben. Es ist ganz unterhaltsam mitanzusehen, wie sich Daniel schrittweise mit seiner Rolle engagiert, die junge Marta kennen- und liebenlernt, sich eine interessante Auseinandersetzung mit dem Bürgermeister liefert und auch dem Dorf bei einem lange schwelenden Konflikt hilft. Klar kann damit der Handlungsverlauf etwas vorhersehbar erscheinen, aber das Ende hinterlässt noch einen richtigen Tiefschlag.
„Corpus Christi“ - My First Look – 9/10 Punkte.