Mit den meisten seiner Adaptionen zeigte sich Horrormeister Stephen King eher unzufrieden, bei „Cujo“, den Regisseur Lewis Teague 1983 umsetzte, war das jedoch anders, zumal der Stoff mit ausgezeichnetem Timing die Bedrohung durch den tollwütigen Bernhardiner spürbar werden ließ. Mag sein, dass sich der spanische Regisseur José Luis Montesinos von der Prämisse inspiriert fühlte, an die Intensität des Vorbildes kommt er jedoch nicht heran.
Seit einem noch nicht allzu lange zurückliegenden Autounfall, bei dem ihre Schwester Vera starb, ist Elena (Paula del Rio) querschnittsgelähmt und an den Rollstuhl gefesselt. Ihr Vater Miguel (Miguel Ángel Jenner) hat das alte Landhaus behindertengerecht umbauen lassen, zudem soll ihr der trainierte Schäferhund Athos in Alltagsdingen behilflich sein. In einer Abstellkammer wird der Hund jedoch von einer Fledermaus gebissen und bevor Miguel den Hund zum Tierarzt bringen kann, erleidet er im Hof einen tödlichen Herzinfarkt…
Der zuweilen ungleiche Zweikampf zwischen Mensch und Tier bildet oftmals das Finale eines klassisch angelegten Tierhorrorstreifens, - hier setzt das Finale bereits mit dem Ableben des Vaters ein. Dabei ist es anfangs nicht leicht, eine Bindung zur Hauptfigur aufzubauen, die ihrem Vater gegenüber undankbar und selbstgerecht auftritt, sich der Resignation hingibt und ausschließlich Verbitterung ausstrahlt. So mischen zunächst Schuldgefühle mit, als die junge Frau auf sich allein gestellt ist, um in irgendeiner Form Hilfe für Miguel zu holen, während es ein wenig befremdlich anmutet, dass Elena nicht ein entsprechendes Handy ständig griffbereit hat.
Die ausgezeichnete Kamera schafft es jederzeit, die arg begrenzte Mobilität der Protagonistin zu verdeutlichen. Sobald ein vermeintlicher Hilfsgegenstand auf dem Boden landet, ist er schier unerreichbar, zumal ein Korsett nur eingeschränkte Bewegungen eines Armes zulässt. Elenas einzige Waffe ist eine Hundepfeife, ferner hilft ein ausziehbarer Spiegel, die Umgebung zu sondieren, während der aggressive Hund es sogar schafft, von draußen in die obere Etage zu gelangen und somit kaum einer Barriere ausgesetzt scheint.
Um Elenas Figurenzeichnung etwas komplexer zu gestalten, wird ein Mystery-Element in Form der erscheinenden Schwester bemüht, was die Beziehung und den Background im Verlauf ein wenig näher beleuchtet. Allerdings wird dadurch die Bedrohung vernachlässigt, im Mittelteil scheint der Hund für einige Zeit ganz abgetaucht zu sein, um erst im Finale ein wenig mehr aufzudrehen.
Das Tier agiert bei den Attacken recht überzeugend, die Zuhilfenahme von CGI fällt fast gar nicht auf, wobei auch hier die versierte Kameraarbeit und der effektive Schnitt genutzt werden, um die Bedrohung möglichst unmittelbar erscheinen zu lassen. Auch der zurückhaltend eingesetzte Score trägt dazu bei, in den entscheidenden Momenten verstärkt auf das titelgebende Knurren zu achten, zumal auch noch ein Frettchen mit Halsglöckchen mitmischt.
Dank der souveränen darstellerischen Leistung von Paula del Rio, die eine breite Palette an Emotionen abzurufen weiß, funktioniert das Mitfiebern über weite Teile und obgleich es ein paar der Attacken und Gegenwehrmaßnahmen mehr hätten sein dürfen, unterhält der Stoff über die Laufzeit von 87 Minuten durchaus. Ein Faible für Tierhorror natürlich vorausgesetzt.
6,5 von 10