Review

Ohne Schatten kein Licht


„Luz: Flower of Evil“ (nicht zu verwechseln mit dem „Luz“ von vor kurzem aus deutschen Landen) handelt von einem Vater/Prediger und seinen drei „Töchtern“, die zusammen in einer alten Holzhütte in nahezu mittelalterlichen Verhältnissen leben - und „Glaube“, die Suche nach dem Teufel/Gott, männliche Gewalt, Unterdrückung, Lügen und sogar Missbrauch bestimmen den Alltag. Mittendrin ein angeketteter blonder Junge, nebelumwobene Ziegenböcke und... ein Kassettenrekorder?!
 
Wenn so viele Anführungszeichen den ersten Absatz meiner Kritik zieren, weiß man, dass es sich um einen recht metaphorischen und mysteriösen Horror-Slowburner handeln muss. „Luz: Flower of Evil“ schließt sich dem ruralen, abergläubischen, fast sektenähnlichen Horror-Subgenre an, wie zuletzt etwa „The Other Lamb“ oder „Hagazussa“. Ein schleichender, gemäldehafter Folk-Furchterreger. Eher thematisch als storytechnisch. Leise Sohlen, fiese Highlights, knallige Farben. Zwischen Himmel und Hölle. Traumgleich, in seinen besten Momenten traumhaft. Maskuline Unterdrückung, der Konter der Natur. Zerstörung von Unschuld und Logik. Terrence Malick trifft auf Roman Polanski. Ein südamerikanischer Brocken, bei dem es schwer ist wegzugucken oder zu glauben, dass es sich hier um ein Regiedebüt handelt. Entschleunigt und aufgeblasen. Aber mein Interesse hat er nie verloren. Nicht im Ansatz. Aufopferungsvolle Damen, der Teufel in Kindergestalt, der ewige Kampf. In uns und um uns herum. Kahle Bäume, strahlende Sterne und blühende Hoffnung. „Luz: Flower of Evil“ ist eher Kunstwerk als Horrorfilm. Und das geht klar. Sehr sogar. 

Fazit: die helle Cousine von „The VVitch“ und auch ein wenig „The Village“. Einer der hübscheren Horrorfilme aller Zeiten. Verführerisch schön. Besonders wertvoll. Audiovisuell ein Rausch und eine Entführung in eine längst vergangene Epoche. Oder so ähnlich. Zeitlos. „Luz: Flower of Evil“ ist famos-verstörender, zutiefst feministischer und kirchenkritischer Arthouse-Horror. 

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