Die dreiköpfige Familie Monroe ist am Rückweg vom Thanksgiving Day bei den Schwiegereltern, als die kleine Peri mal aufs Klo muß. Vater Ray (Sam Worthington), ein ehemaliger Alkoholiker, hält daher an einer kleinen Tanke unterwegs. Doch beim Warten auf Mama Joanne (Lily Rabe), die etwas auf der Toilette vergessen hatte, geschieht ein Unglück: die beim Parkplatz spielende Peri gerät zu nahe an den Rand einer ungesicherten Baugrube und stürzt, ohne daß es Ray verhindern kann, mehrere Meter tief nach unten. Ray - und die kurz danach auftauchende Joanne - sind völlig perplex, wie so etwas geschehen konnte. Peri jedoch scheint gottseidank keine gröberen Verletzungen davongetragen zu haben, nur ihr Arm tut ihr weh, wie sie sagt. Einige Meilen entfernt hatte Ray zuvor ein Hinweisschild für ein Krankenhaus gesehen, und dorthin fahren die drei nun eilends. Ray drängt bei der Aufnahme auf eine schnelle Behandlung seiner Tochter, muß sich jedoch fügen und warten, denn der Wartebereich ist ziemlich voll. Als sich dann endlich ein Doktor der Kleinen annimmt, scheint alles glimpflich abgelaufen zu sein, nur ein paar CT-Aufnahmen - zur Sicherheit - stehen noch aus. Da nur ein Erwachsener die kleine Patientin begleiten darf, gehen Mutter und Tochter, während Ray im Wartesaal Platz nimmt.
Der gestresste Familienvater schläft irgendwann ein, und als er wieder aufwacht, sind mehrere Stunden vergangen - doch Frau und Kind sind immer noch nicht da. Als er sich bei der Information erkundigt, stellt er mit Schrecken fest, daß es gar keine Aufnahmeakte seiner Tochter gibt. Das Personal hatte inzwischen auch Schichtwechsel, der behandelnde Arzt ist längst zuhause und niemand scheint Joanne und Peri gesehen zu haben. Ray gerät langsam aber sicher in Panik: was verschweigt man ihm hier, wo ist seine Familie, was geht in diesem ominösen Krankenhaus vor?
Was sich zunächst nach einem Routine-Drama anhört, entwickelt sich nach einer guten halben Stunde Laufzeit dann zum Thriller: Regisseur Brad Anderson (The Machinist) läßt seinen höchst beunruhigten Hauptdarsteller an Gott und der Welt zweifeln und alle Hebel in Bewegung setzen, seine Frau und Tochter doch noch wiederzufinden. Dabei bedient er sich in seinem wohlweislich Fractured betitelten Film des Tricks, das Geschehen fast ausschließlich aus Rays Perspektive zu zeigen, was das Publikum lange Zeit mitfiebern läßt, welche schmutzigen Geheimnisse dieses Krankenhaus bzw. dessen nur wenigen zugänglicher Keller zu verbergen hat. Leider kann die Auflösung mit der zuvor aufgebauten Spannung keineswegs mithalten und fällt somit ziemlich enttäuschend aus.
Zu den Pluspunkten von Fractured gehört Worthingtons Performance: man nimmt dem Avatar-Star den besorgten Vater jederzeit ab, besonders, da seine Filmrolle einen gebrochenen Helden darstellt, hatte Ray doch Jahre zuvor durch Fahrlässigkeit einen tödlichen Unfall verursacht und ist seitdem gezwungenermaßen trocken. Wie aus den Dialogen zu Beginn herauszuhören ist, führt er eine alles andere als harmonische Ehe mit seiner Frau, scheint sich jedoch Mühe zu geben, ein guter Familienvater zu sein. Und dann stürzt die Kleine in seiner(!) Anwesenheit in eine Grube, er kann es nicht verhindern, obwohl er sie fast noch festhalten hätte können, wobei er, fast gleichzeitig mit Peri, selbst in die Grube stürzt. Soviel Pech zieht die Sympathien des Publikums unweigerlich auf sich, erst recht die später immer verzweifelter werdenden Versuche, das Rätsel um den Verbleib seiner Familie lösen zu können (mittels der Polizei oder auch mit Gewalt).
Freilich vermag der geübte Krimi-Seher schon recht bald vorauszuahnen, was hinter der ganzen Sache steckt (ein paar dezente Hinweise darauf tauchen schon recht früh auf), und so ist das im Vergleich zur vorherigen Exposition zu schnell und auch zu kurz geratene Finale mit der Auflösung dann eine Enttäuschung. Dazu kommt jener - bei Filmen dieser Art häufig zu konstatierende - Aspekt, daß wer die Lösung einmal kennt, diesen Film kein zweites Mal sehen will. 5 Punkte.