Review

Das Filmarchiv des siebten Kreises präsentiert:


Eine Mischung aus „House of the Devil“, „The Forest“ und dem Video aus „The Ring“?! „Antrum“ ist das neueste „Gerücht“ in der Welt des Horrorgenres und soll (marketingtechnisch mutig, herausfordernd, lächerlich oder genial?!) der „tödlichste Film aller Zeiten“ sein. Und zwar wortwörtlich. Ein lange verschollener Found Film, dessen Meta-Idee konsequent und fabelhaft durchgezogen wird. Zuerst ein zehnminütiges Intro, das warnt und neugierig macht, über Risiken, bisherige Historie (inklusive Kinobrand) und Nebenwirkungen aufklärt. Dann der „Hauptfilm“ im authentischen 70s-Look (über eine junge Frau und einen kleinen Jungen, die in einem verfluchten Wald ein Loch graben), der an sich schon schön retro und bizarr und verstörend genug wäre, inklusive etlicher satanistischer Kratzer, Zwischenschnitte und Zeichen in (!) das Filmmaterial reingeritzt. Und dann noch die Zugabe, das Outro, mit der finalen Erläuterung, was das Ganze sollte, und Vorbereitung darauf, dass es nun wohl bald vorbei sein könnte mit dem Zuschauer. Ihr wisst also Bescheid - sollten bald keine Reviews mehr von mir kommen... ;)

Natürlich stellt sich „Antrum“ mit seinem Untertitel und seinem Gimmick und seiner Ansage bei vielen deutlich selbst ein Bein. Klar tötet „Antrum“ den Zuschauer nicht, klar ist er eigentlich einfach nur eine speziellere Mockumentary, klar ist er erst vor zwei Jahren gedreht, klar ist er zudem noch bei weitem nicht für jedermann, weit weg von Mainstream. Und dennoch: die Zeichen des behandelten Dämons gibt es wirklich, wenn man an sie glaubt bzw. sich zu weit öffnet oder in etwas verrennt, dann kann das durchaus Folgen nach sich ziehen. Von gesteigerter Angst bis zu Wahnvorstellungen. Und genau da schlägt „Antrum“ die Brücke zum Inhalt seines „verfluchten Hauptfilms“ - denn auch hier geht es um Wahn, Glauben, Angst, Vorstellung, Schein und Sein von diabolischen Ausmaßen, sowohl in menschlicher wie spiritueller Form. Deswegen funktioniert „Antrum“ für mich auf mehreren Ebenen, deswegen ist „Antrum“ für mich durchaus gruselig und kreativ genug, deswegen kann ich den Backlash nicht ganz nachvollziehen. Da hat man im Found Footage-/Mockumentary-Bereich schon unfassbar viel Schlechteres und Belangloseres gesehen. Der raue Look der späten 70er zwischen Kettensägenmassaker und „The Wicker Man“ wird fabelhaft getroffen, die Soundkulisse ist sehr beunruhigend, ebenso die vielen satanistischen Symbole und Sprichwörter, die ich ganz ehrlich nie laut aufsagen würde. Und von der teuflischen Gestalt, die einen eine lange Zeit durch den Bildschirm einfach nur stur anstarrt, will ich gar nicht erst reden. Da hatte ich Gänsehaut, das schließt glatt an uralte Wegweiser wie „Häxan“ an. Daher hat „Antrum“ insgesamt bei mir einen feinen Nerv getroffen und ist durchaus spaßig mit einem zwinkernden, leichtgläubigen Auge. 

Fazit: grenzgeniale Idee, teuflisch authentische Umsetzung, ein spaßiges Retroteil, ein Gourmethappen und Gimmickevent für Horrorfans jeglicher Coleur. Clever, witzig, creepy. Wundert mich, warum der keine Wellen schlägt. Habt ihr etwa Angst? Oder kriegt man damit heute (außer mir scheinbar?!) keinen mehr hinter'm Ofen hergelockt?! 

Details
Ähnliche Filme