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Lange Zeit wurde der deutsche Animationsfilm als Nischenprodukt belächelt und offenbarte gegenüber Vorreitern wie Pixar unübersehbare optische Schwächen. Doch die deutsch-belgische Koproduktion unter der Regie von Regina Welker und Nina Wels weist nur wenige animationstechnische Defizite auf, eher stolpert sie ein wenig über die episodenhafte Erzählweise.

Die Tiere des Waldes rufen eine Konferenz ein, denn der Bach ist ausgetrocknet und die Wasservorräte gehen zur Neige. Als der Rabe Korp vom magischen Wasserstein berichtet, begeben sich Außenseiter Prinzessin Latte Igel und Eichhörnchen Tjum auf eine beschwerliche Reise…

Kaum zu glauben, dass das finnische Kinderbuch bereits 1958 erschien, denn Themen wie Trockenheit und Trinkwasserknappheit sind aktueller denn je und untermauern, wie derartige Probleme nur gemeinsam angegangen werden können. Ausschlaggebend sind natürlich die beiden stets belächelten Außenseiter, die sich trotz wiederkehrender Streitigkeiten zusammenraufen. Gefahren lauern in Form von Wölfen, Luchs und Bären an nahezu jeder Ecke, wodurch erst gar keine Durchhänger zu verzeichnen sind.

Geht es doch mal für einen Moment etwas ruhiger zu, empfiehlt es sich, auf Details im Hintergrund zu achten. Ein wahrlich stiller Höhepunkt ergibt sich etwa, als Latte seinem Kumpel etwas beichtet, während im Hintergrund eine Schnecke vorbei kriecht und den Inhalt des Gesprächs mit entsprechender Mimik quittiert. Überhaupt geht es in der Geschichte vergleichsweise ruhig zu. Beileibe nicht so schrill und laut, wie man es in den letzten Jahren bereits zu häufig erleben musste.

Generell ist an der Animation wenig auszusetzen. Speziell die Landschaften sind recht detailliert ausgearbeitet, aber auch einige Nebenfiguren weisen kleine Gimmicks auf, wie eine Kröte mit einer kreisenden Pupille. Leichte Mankos sind beim Element Wasser auszumachen, obgleich die Wasserballettszene einer Bärentanzgruppe zu den animationstechnischen Höhepunkten zählt. Die Synchro ist ebenfalls gelungen: Luisa Wietzorek verleiht dem Igelmädchen eine leicht schnippische Note, um im nächsten Moment wieder das Herz am rechten Fleck zu offenbaren. Stark ist wie gewohnt Regina Lemnitz, die als Kröte ein wunderbares Verwirrspiel anzettelt, aber auch Henning Baum hängt sich als Bärenkönig angemessen rein. Ähnlich ergeht es dem aufwendig produzierten Score, gespielt vom Leipziger Symphonieorchester, wobei dem Ganzen die markante, wiederkehrende Note fehlt.

Obgleich man es mit der literarischen Vorlage nicht ganz genau genommen hat und aus dem Igelburschen eine junge Dame machte, bereitet das Abenteuer durchaus Freude und gibt jungen Betrachtern Werte wie Zusammenhalt, Freundschaft, Mut und Gemeinschaftssinn an die Hand. Zuweilen recht drollig umgesetzt, erzählerisch ab und an ein wenig holprig, unterm Strich aber sehenswert.
7 von 10

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