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Um einen mächtigen Paten (Gary Oldman als Ezekiel Mannings) endlich festzunageln, hat die New Yorker Staatsanwaltschaft einen Kronzeugen aufgetrieben, der über einen beobachteten Mord aussagen will. Per Liveschalte aus London soll Nick Murch (Amit Shah) berichten, doch Mannings hat über seine Tochter bereits etwas in die Wege geleitet, damit es gar nicht erst soweit kommt: Eine nur als (titelgebender) "Kurier" bezeichnete Motorradfahrerin ist bereits auf dem Weg zum Hochsicherheitsraum der Londoner Polizei, wo sie ein (erwartetes) Paket abgibt. Darin befindet sich (unerwartet) Giftgas, das zwar die Beamten tötet, den Zeugen jedoch nicht - den nimmt die geheimnisvolle Frau im schwarzen Overall erstmal mit und rettet ihm damit das Leben. Weiter als bis in die Tiefgarage kommen die beiden jedoch nicht, denn korrupte Polizisten haben die aktuelle Lage weitergemeldet und so sehen sich die Flüchtenden erstaunlich rasch einer Handvoll schwerbewaffneter Killer gegenüber...

Tiefgaragen-Action mit Verstecken und Herumballern ist nun nicht wirklich etwas Neues, und da mit der titelgebenden Heldin auch von vornherein feststeht, wer am Ende Sieger bleibt, kann die britische Produktion The Courier noch nicht einmal eine besondere Spannung aufbauen, zumal es der Geschichte auch komplett an überraschenden Wendungen oder gar besonderen Ideen fehlt. Ein Gangster nach dem anderen wird von der Kurier-Frau (Olga Kurylenko) erledigt, der es ohne Probleme gelingt, den hasenfüßigen Kronzeugen zu beschützen - derweil wird der das Hit-Kommando per Kameras beobachtende und leitende korrupte Officer immer nervöser, hat er doch nur knapp eine Stunde Zeit, die beiden beseitigen zu lassen - dann kommen die Kollegen, die das Ganze offiziell untersuchen, wie ihm sein Vorgesetzter mitteilt. Tja, wer wird wohl das Rennen machen?

Während die Action-Sequenzen im Großen und Ganzen in Ordnung gehen (mal abgesehen von der in derartigen Filmen häufig zu beobachtenden Tendenz, daß die Salven der Schurken selten treffen, während den Guten ihre gewagten Manöver - hier u.a. ein unbemerkter Sprung aus dem fahrenden Auto - meist gelingen) enttäuschte jedoch das erwartete (und auch am Cover hervorgehobene) Motorrad-Spektakel, das schlichtweg nicht stattfand - die Kurier-Frau wird nur zu Filmbeginn im Londoner Stadtverkehr mal etwas länger gezeigt, in der Tiefgarage dagegen (wo der Hauptteil des Streifens spielt) darf sie nur am Ende ein kurzes zweirädriges Kunststück darbieten, ansonsten wird zu Fuß oder im Auto geflüchtet und gefightet. Überhaupt bemüht sich der Film nach Kräften, seine Hauptdarstellerin als geheimnisvolle, schwarzlederne Kampf-Emanze zu featuren - das allerdings gelingt keineswegs, denn Ex-Bond-Girl Kurylenko ist durchaus verwundbar und schreit und keucht in der deutschen Synchro auch ausreichend oft, um nicht mit (einer Art) Supergirl verwechselt zu werden. Über den persönlichen Hintergrund ihres Filmcharakters erfährt man dagegen wieder einmal nahezu gar nichts - sie war in irgendeiner Eliteeinheit (spannend...), den Rest hat man, kaum erwähnt, auch gleich wieder vergessen.

Bezüglich Gary Oldman (als Pate mit Augenklappe) gilt dasselbe wie für die meisten seiner neueren Produktionen (Killers Anonymous, The Ship etc.): Er verleiht dem Film mit seinem bekannten Namen eine gewisse Aufmerksamkeit, die dieser gar nicht verdient hat. Sein Part ist ebenso kurz wie gemütlich: Ein paar Telefonate, ansonsten Whisky-trinken im bequemen Sessel seines Anwesens. Oldman soll später geäußert haben, die Rolle wäre eine der körperlich fordernsten seiner Karriere gewesen - womit er wenigstens einen gewissen Humor beweist.

Unterm Strich bleibt ein mittelprächtiger Action-Streifen ohne Überraschung, den man zwar problemlos konsumieren kann, der jedoch keinerlei bleibende Eindrücke hinterläßt. 5,4 Punkte.

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