Das Regiedebüt von Nicholas Treeshin erinnert ein wenig an „Wolfen“ von 1981, in dem sich Wölfe sinnbildlich gegen die Vertreibung aus ihren letzten Lebensräumen zur Wehr setzten, was einer gelungenen Parabel aus Sicht der Ureinwohner gleich kam.
Auch „Thunderbird“ bindet indigene Mythologie ein, allerdings schießt er am Ende deutlich über das Ziel hinaus.
In einem Küstenort im Norden der USA sind seit geraumer Zeit einige Frauen verschwunden. Als eine halbnackte Leiche entdeckt wird, ermittelt Det. Ivy Seymour (Natalie Brown) in dem Fall. Schon bald begegnet sie dem einheimischen Fischer Will (Colten Wilke), der seine Schwester vermisst. Kurzum recherchieren sie gemeinsam und stoßen auf beharrliches Schweigen seitens der hiesigen Ureinwohner…
Treeshin, der auch das Drehbuch verfasste, steigt mit zwei parallel ablaufenden Handlungssträngen ein, die rasch zueinander finden. Der wortkarge Will stellt sich sogleich als Mysterium heraus, da er von unerklärlichen Visionen heimgesucht wird, welche im Zusammenhang mit einem Kindheitserlebnis stehen. Da er auf einem Boot lebt und nach einiger Zeit mal wieder den Ort betritt, wird man Stück für Stück mit Wills nebulöser Vergangenheit konfrontiert, was ebenfalls mit den Indigenen zu tun hat.
Die gemeinsame Ermittlungsarbeit erweist sich vereinzelt sogar als recht amüsant, als mit Spaceman ein Zeuge aufgesucht wird, der jenseits von Gut und Böse in seiner eigenen Seifenblase lebt. Die Kulissen punkten durchweg, die versierte Kamera und der ausgezeichnet abgestimmte Score können ebenfalls überzeugen. Allerdings lässt sich die Erzählung phasenweise deutlich zuviel Zeit, denn erst zur Halbzeit wird der Stoff ein wenig griffiger.
Im Kontext mit den Taten eines vermeintlichen Serienkillers halten sich Gewalteinlagen gemäß einer FSK16 merklich zurück. Vielmehr wird mit Andeutungen gespielt, anderes kristallisiert sich mittels Gesprächen heraus, explizit ist hier trotz Benutzung eines Fischerhakens nichts.
Ein weiteres Debüt ist das des Hauptdarstellers Colten Wilke, der sich wacker schlägt und auch mal mit Körpereinsatz dabei ist. Deutlich routinierter performt Natalie Brown als leicht desillusionierte Ermittlerin, während die übrigen Mimen solide Kost liefern.
Leider verzettelt sich die Geschichte am Ende maßlos, sie zielt zudem auf die Interpretationsfreudigkeit des Zuschauers ab, der sich in der Regel nicht sonderlich gut mit diversen Mythologien indigener Gruppen auskennen dürfte. Andere Schlussfolgerungen sind natürlich ebenfalls möglich und so ergibt sich ein etwas konfus wirkendes Gesamtbild.
Handwerklich ist wenig auszusetzen, doch das Ende dämpft den bis dato überwiegend positiven Eindruck.
5,5 von 10