Review

Emmerich = Emmentaler 


Die Hauptfigur von Roland Emmerichs Pazifik-Kracher, wenn man bei einem solch riesigen, unübersichtlichen Ensemble davon sprechen kann, heißt Dick Best. Muss man da wirklich noch mehr sagen?! Der deutsche Star-Regisseur versucht sich nach der miserablen Vorstellung mit dem „ID4“-Sequel wieder zu fangen und haut ein cheesiges 150 Mio. Dollar-WWII-Kriegsspektakel raus, das sich zwar nie auch nur eine Sekunde echt anfühlt, jedoch durchaus seine unterhaltsamen, fast schon trashigen Momente hat. Wenn auch nicht immer in dem Sinne, wie es eigentlich gedacht war...

„Midway“ (2019) ist Hochglanz-Hollywood-Quark der brachialsten Sorte. Und manchmal leider noch nichtmal das. Auch wenn das deutsche „Spielbergchen“ aufs Ganze geht und einige seiner letzten Reinfälle übertrifft, würde ich niemals auf den Gedanken kommen, diesen „Peal Harbour“ in light und künstlich als guten Film jemandem weiterzuempfehlen. Höchstens er steht total auf das Genre und kann Emmerichs artifizielle Art ertragen. In jedem Bild spürt man das Licht der Studiolampen, in jedem Satz fühlt man das Overacting, in jeder Einstellung spürt man, dass es hier nur um Unterhaltung ging, nie um eine Verbeugung vor den Opfern des Krieges auf beiden Seiten. Da kann der Film das am Ende noch so sehr behaupten und auf die Heldendrüse drücken. Und das ist eben ein Beigeschmack, der jeden Spaß und jeden Gänsehaut-Sturzflug überlagert und böse hängen bleibt. „Midway“ ist kein Film, für den sich der einstige Katastrophenkönig schämen muss - aber stolz sein kann er darauf noch viel weniger. Da helfen auch keine kleinen, humoristischen Verbeugungen vor John Ford oder Ed Skreins Karrierehoch. Letzteres heißt übrigens genauso wenig wie die leichte Steigerung für Emmerich - denn das lohnt sich, trotz aller Ballermänner und (sichtbar computergenerierten) Bombastbilder, nicht für einen Kinobesuch. Tut mir leid. Problem: zuhause wird er jedoch noch weniger wirken...

Fazit: eher Videospiel als Film, eher „Battleship“ als „Dunkirk“, eher Guilty Pleasure als Goldstandard, eher Käse als Qualität, eher Pixel als Power, eher Pathos als wahre Gefühle, eher Mittelmaß als der alte „Midway“ mit Charlton Heston, eher Emmerich als Ford. Ein für ihn typisch krachender Kriegsblender, mit allen Stärken und (noch mehr) Schwächen. Dagegen wirkt „Pearl Harbour“ fast wie ein Meisterwerk... 

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