Review

Und noch so ein schön kontroverses Stück Kriegskino, dass die einen abfeiern können, während der Rest drauf spucken wird.

Diesmal sind die kernigen US-Truppen im fernen Nigeria unterwegs, wo die Rebellen in Bälde die Regierung stürzen (oder umgekehrt, das nimmt sich da ja nicht viel…). Bruce Willis als harter Staffelführer eines Marine-Staffel kommen bei einer Rettungsaktion zugunsten einer Ärztin (Monica Bellucci lässt die Bluse endlich mal zu) moralische Bedenken und führt eine Flüchtlingsgruppe von 70 Personen mit seinen Männern auf eigene Faust durch von feindlichen Rebellen durchdrungenes Gebiet.

Das geht natürlich nicht so ohne weiteres und neben dem üblichen Verräter hat man, oh Wunder, auch noch den Sohn eines hochrangigen Regierungsmitglieds unter den Leuten. Wenn da die Motivation nicht Beine bekommt…

Ich will „Tränen der Sonne“ mal zugute halten, dass er nicht ausschließlich auf plumpe Brutalitäten und Ballereien im dichten Dschungeldickicht setzt, die kommen hier reichlich spät, so dass der Film die nötige Spannung aufbauen kann.
Auch dass die Verfolger einen augenrollenden Psychopathenbimbo an der Spitze haben, will ich noch akzeptieren.
Aber spätestens bei der Message wird’s salzig: zwar kann man gepflegt als Feel-Good-Kino werten, wenn bei den harten Hunden des US-Militärs sich unter der harten Schale doch noch ein menschlicher Kern befindet, der Befehlsverweigerung und menschliches Mitgefühl möglich macht – das hätten wir doch gerne öfters – aber: wie verlogen hätten sie es denn gern?

Angesichts der allseits herrschenden Genozid-Massaker auf dem afrikanischen Kontinent und dem damit verbundenen hübschen Raushalten der Erste-Welt-Länder aus so unprofitablen Konflikten, lügt man sich gepflegt in die Tasche, wenn man so etwas auch noch abfeiert, denn das US-Militär dürfte auch diesen Kriegsfilm gesponsort haben.
Insofern kommen die natürlich recht gut weg – von Realismus weit und breit keine Spur.

Im martialischen Schlußgefecht müssen dann nach langer Komplettzusammenhaltung der Gruppe gleich noch die Hälfte der Heroen ins Gras beißen, die wilden Rebellen ballern was das Zeug hält, auch noch in Sichtweite der nächsten Grenze und die Fliegerjungs mit den Luft-Luft-Raketen bekommen natürlich genau im richtigen Moment den Wiedereinmischungs- Schießbefehl, weil man beim Grenzübertritt Probleme hat.

Mensch, ist doch nur ein Film?
Ist es nicht! – Ich honoriere gern das Bemühen dieses Stücks Kinopropaganda, die Afrika-Massaker zwischendurch mal ins Gedächtnis der Öffentlichkeit zu rufen, aber der Ablauf straft die Realität Hohn und Lügen.
Ich will auch zugeben, das hie und da ordentlich über Sinn und Zweck, Befehl und Notwendigkeit, Menschlichkeit und Rettung der eigenen Haut philosophiert wird – aber man sollte nicht einen Moment drin bohren, dann sinkt die Konstruktion augenblicklich in sich zusammen. (4/10)

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