Es muss sich um eine wahre Herzenssache handeln, wenn sich ein Filmemacher satte zehn Jahre bis zur endgültigen Fertigstellung durchkämpft. Thomas Clay benötigte allein drei Jahre für die Postproduktion und betätigte sich letztlich sogar als Komponist. Schade allerdings, dass der Stoff nur schwerlich einem Genre zuzuordnen ist, was eventuell einige potenzielle Zuschauer abschrecken könnte.
1657 in der Grafschaft Shropshire, nahe Wales, zum Ende der Herrschaft Cromwells: Auf einer einsam gelegenen Farm leben der streng gläubige Sir John (Charles Dance) und seine Frau Fanny (Maxine Peake) mit ihrem Sohn Arthur (Zak Adams). Eines Tages entdecken sie in der Scheune das junge Paar Thomas (Freddie Fox) und Rebecca (Tanya Reynolds), die vorgeben, bis aufs Hemd ausgeraubt worden zu sein. Als der örtliche Constable mit zwei Begleitern auf der Suche nach jenem Paar vorbeischaut, spitzt sich die Lage zu…
Andere Zeiten, andere Sitten und das Wort Erlösung im Titel deutet bereits ein wenig darauf hin, wie signifikant das Thema Religion in Verbindung mit Gehorsamkeit und Unterwerfung steht, welche Fanny im Zuge ihrer unglücklichen Ehe mit dem deutlich älteren Sir John erlebt.
Paradoxerweise ist der Frau das Lesen der Bibel nicht erlaubt, Rohrschläge sind indes regelmäßig an der Tagesordnung und auf dem Weg zur Kirche nutzt der Herr das Pferd, während Frau und Kind nebenher latschen müssen. Schon aufgrund dieser Umstände, für die sich die Erzählung anfangs recht viel Zeit lässt, entfaltet sich eine latent beklemmende Stimmung, die mit Erscheinen des Paares zunimmt.
Oftmals wechselt der Ton binnen weniger Szenen. Phasenweise wähnt man sich im Bereich von Home Invasion, andere Momente erinnern an klassische Western, während die wesentlichen Themen dem Dramenbereich zuzuordnen sind. Ein wenig Horror ist ebenfalls auszumachen, was letztlich für die FSK18 verantwortlich ist und sich vermehrt gegen Finale einstellt.
Eine stimmige Atmosphäre ist rasch etabliert, wozu die ordentliche Ausstattung der spartanisch eingerichteten Farm ebenso beiträgt, wie der ständige Nebel und die Dominanz der rostbraunen Töne. Die Kamera arbeitet mit einigen recht ausgeklügelten Takes, etwa, als der Gang einer Gans von einer Figur zur nächsten führt. Der aufwendig arrangierte Score passt leider nicht immer zu dieser Stimmung, besonders anfangs und gegen Ende ist er reichlich drüber, was man von den durchweg überzeugenden Mimen nicht behaupten kann.
Speziell die ausdrucksstarke Maxine Peake überzeugt in der Rolle der Titelgebenden und ist in vielen Momenten sogar besser als Routinier Charles Dance, dem die Rolle des Puritaners wie auf den Leib geschrieben scheint.
Nicht zuletzt aufgrund der gut geschliffenen Dialoge, die zuweilen religiös-philosophische Themen streifen, ergibt sich anspruchsvoller Stoff über ein leises Aufbegehren in einer durch und durch üblen Zeit. Mitunter erscheint Fanny ein wenig zu passiv, was etwaige Entwicklungen nicht gänzlich glaubhaft erscheinen lassen, doch am Ende lässt sich definitiv erkennen, wie viel Herzblut hinter dem Projekt steht, welches aufgeschlossene Zuschauer durchaus einer Sichtung unterziehen können.
7 von 10