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In einer heruntergekommenen US-Vorstadt hat Ermittler Godfrey (Peter MacNeill) von der Mordkommission einen Haufen ungelöster Fälle auf dem Schreibtisch: Mordopfer, denen zum Teil die Finger fehlen. Der betuliche Beamte ermittelt allein und lebt allein, sein Chef will ihn loswerden und da bald die Pensionierung ansteht, gibt es für Godfrey, der in seiner Freizeit Miniaturen bemalt, eigentlich nicht mehr viel zu tun. Eines Tages jedoch wird er im Zuge von Ermittlungen auf eine junge Afroamerikanerin aufmerksam, die aus einer verlassenen Halle kommt, in deren Räumen sich finstere Gesellen herumtreiben. Als er sie zum zweiten Mal sieht, bemerkt Godfrey, daß ihre Kopfwunde erstaunlich schnell verheilt, ja sogar verschwunden ist. Es gelingt ihm, die wortkarge Lacey (Olunike Adeliyi), die auf der Straße lebt, in einer Bruchbude unterzubringen, um an Informationen heranzukommen, da er mittlerweile davon überzeugt ist, daß sie mit den Morden zu tun hat. Tatsächlich ist die ebenso ruhige wie toughe Lacey eine Art unsterbliches Supergirl, das vorwiegend Männer zur Strecke bringt, die sich an Frauen vergehen, dabei jedoch selbst mit ihren inneren Dämonen zu kämpfen hat. Ein abgehobenes Geschwisterpaar, das mit Snuff-Filmen und Menschenhandel Geld verdient, ist als nächstes dran...

She Never Died ist nicht nur thematisch ein merkwürdiger Zwitter aus Thriller und Fantasy-Horror, sondern durch seinen sperrigen Aufbau, der jede weitere Erklärung schuldig bleibt, auch dem geneigten Zuseher eher schwer zugänglich. Kaum hat man den Alltag des resignierten Ermittlers kennengelernt, landet man unversehens in einer Kammer der ehemaligen Fabrikshalle, in der gerade ein Gangster einen anderen Gangster vor laufender Kamera zu einem russisch Roulette animiert: Erschießt er einen angebundenen Hund, darf er das an dessen Halsband befestigte Röllchen Dollarscheine behalten, zwischendurch aber muß er den Trommelrevolver an die eigene Schläfe halten - eine fiese Idee, aber bei weitem nicht die Einzige, die man zu sehen bekommt. In diese Szenerie platzt dann Lacey und erledigt den Gangster per Griff in die Augen, bevor sie seine Finger mitnimmt. Denn Lacey ernährt sich auch von Menschenfleisch, und Finger lassen sich, wie sie später ungerührt anmerkt, am leichtesten transportieren. Die auf Band aufgenommene Szene bringt sie allerdings ins Fadenkreuz der Snuff-Filmer, dessen Boss ("der Mann mit den Ringen") sich davon ein Mega-Geschäft erwartet...

Während Lacey, die tagsüber oft in einem Imbiß hockt, langsam Vertrauen zu Godfrey fasst, der auf eigene Faust handelt und ihr telefonisch Anweisungen gibt, erfährt man über die betont zurückhaltende Hauptakteurin und wie sie zu ihren Fähigkeiten kam, leider beinahe überhaupt nichts - ab und zu hat sie Visionen und sieht in einiger Entfernung einen Mann, aber das wars auch schon. Wer den drei Jahre zuvor herausgekommenen ersten Teil He never died von Regisseur Audrey Cummings gesehen hat, kann sich einige Zusammenhänge dieses nun mit einer weiblichen Hauptrolle ausgestatteten Prequels zusammenreimen, was aber keine Ausrede dafür sein soll, daß dieser Film mit seiner Prämisse einer nahezu unverwundbaren Obdachlosen einfach nicht funktioniert.

So wartet man dann auf weitere Pulp Fiction-artige Szenen (die aber nicht kommen bzw. bestenfalls angedeutet werden) und muß sich stattdessen mit dem wenig ergiebigen Subplot eines geretteten minderjährigen Straßenmädchens begnügen, die der abweisenden Lacey gegenüber freundschaftliche Gefühle entwickelt.
Einige über den gesamten Film verstreute Metzelszenen sind größtenteils handgemacht und authentisch, Spannung stellt sich bei der Low-Budget-Produktion jedoch keine ein und die Motivation, den Film bis zum Ende anzuschauen, gründet in der merkwürdigen Faszination der in jeder Hinsicht ungewöhnlichen Hauptdarstellerin. Mit seinem halb offenen Ende sicher nicht für ein Mainstream-Publikum gemacht, vermag dieser seltsame Streifen aber zumindest auf seine Weise zu unterhalten. 5 Punkte.

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