Review
von Leimbacher-Mario
Verstoßen und abgefuckt
Genauso wie „He Never Died“ vor ein paar Jahren erzählt auch „She Never Died“ von einem unsterblichen Menschen, der eher schlecht als recht mit dem Bösen der Welt aufräumt. Dieses Mal ist es eine extrem frustrierte und fast depressive, physisch dafür umso stärkere Afroamerikanerin, der selbst Kopfschüsse und Knochenbrüche kaum etwas ausmachen - wenn sie denn die fleißig Knochenmark ihrer „Opfer“ schlürft...
Ist es jetzt ein Spin-Off? Eine Fortsetzung? Eine Parallelhandlung? Eine Hommage? Oder gar eine weibliche Kopie? Wer weiß. Fest steht für mich nur, dass „She Never Died“ qualitativ deutlich unter seinem „Bruder“ (oder „Vater“?) anzusiedeln ist, vieles recht simpel wiederholt und viel weniger eigenen Charakter hat. Und natürlich keinen Henry Rollins... Dennoch hat auch „She Never Died“ ein paar Pluspunkte im manchmal immerhin hochgekrempelten Ärmel. Zimperlich geht’s auch hier nicht zur Sache. Es werden Augen rausgerissen und Knochen gebrochen. Die übergeordnete Mythologie fesselt mich noch immer, selbst wenn auch hier alles fast schon frustrierend vage bleibt. Der weibliche Blickwinkel hat Berechtigung und dient nicht nur dem Zeitgeist. Plus Olunike Adeliyi hat durchaus Kraft und Ausdruck in ihrem Blick, ihrer Faust, ihrer Seele. Sie ist Kern und Halterung eines ansonsten eher stagnierenden Auswurfs mit wenig eigenen Ideen, kaum Style und sichtbar überschaubarem Budget. Leider nur Berieselung. Wenn überhaupt. Tolle Bausubstanz - magere Holzhütte obendrauf.
Fazit: ereignislose Erweiterung, die bestimmt nicht unsterblich wird, unter Fans des „Bruderfilms“ aber ordentlich ankommen kann. Brutal. Anders. Eine fast/im besten Fall kultige Antiheldenstory. Obwohl das Konzept von „He Never Died“ ziemlich frech einfach nochmal benutzt wird. Dennoch wäre ein echtes Crossover natürlich interessant.