Frisch verwitwet ist Detective Muldoon (Andrea Riseborough) mit ihrem kleinen Sohn umgezogen, als sie zu einem merkwürdigen Kriminalfall beordert wird: Eine ältere Frau wurde verbrannt in ihrem Wagen in einem Wald aufgefunden. Unterstützt vom erfahrenen Kollegen Goodman (Demián Bichir) findet Muldoon bald heraus, daß die Tote als Sterbehelferin gearbeitet und zuletzt einem älteren Ehepaar in deren Haus behilflich gewesen war: Faith Matheson (Lin Shaye) litt an schwerer Demenz, die ihr treusorgender Ehemann William beenden wollte. Im Gegensatz zu Detective Goodman, der jenes Haus wohlweislich nie betreten hatte, ermittelt die ahnungslose Muldoon just dort und trifft auch sogleich auf die verwirrte Faith Matheson sowie die mumifizierte Leiche ihres Gatten im Wohnzimmer. Im Zuge weiterer Recherchen stellt sich heraus, daß mehrere unter seltsamen Umständen ums Leben gekommene Personen alle in jenem Haus gewohnt oder dort Zugang hatten: Neben einem asiatischen Immobilienmakler und dessen hochschwangerer Frau, den Spencers, unter anderem auch ein seinerzeit ermittelnder Detective aus Muldoons Dienststelle, der sich selbst das halbe Gesicht weggeschossen hatte. Dessen Befragung bringt Muldoon, die sich zunehmend öfter von Gespensterfratzen, die nur sie sieht, bedrängt fühlt, auf die richtige Spur: Ein Fluch lastet auf dem Haus...
Mit einigen Reminiszenzen an das japanische Original hat Regisseur Nicolas Pesce hier die soundsovielte Verfilmung des fernöstlichen Klassikers abgedreht, der - so heißt es - in der Zeit des US-Remakes von 2004 spielen soll und - aufgepasst! - nicht als Sequel oder Prequel, sondern als Reboot gehandelt wird. Was immer man von solcherlei Kategorisierung halten mag, es geht beim 2020er Grudge wie üblich um den altbekannten Fluch japanischer Herkunft, der erneut in den Staaten zuschlägt.
Zeitlich 2006 angesiedelt wird das Vorleben (und Ableben) der Protagonisten in zwischendurch eingeschobenen langen Rückblenden aus den Jahren 2004 und 2005 gezeigt, und wer sich durch die häufigen Verschiebungen der Zeitebenen vielleicht etwas verwirrt fühlt, dem werden öfters - eigentlich öfters als notwendig - Erklärungen geliefert, wieso jetzt dies und das so ist, wie es ist. Prinzipiell aber kann man sich an dem Grundsatz orientieren, daß der rachsüchtige Geist unbesiegbar ist und jeden verfolgt, der mit dem Haus näher zu tun hat.
Vielleicht sollte man diesen Reboot, der bei den bisherigen Kritiken nach meinem Empfinden zu schlecht wegkommt, einfach als einen weiteren Japan-Horror-Streifen betrachten, ohne allzuviele Vergleiche mit den Vorgängern zu ziehen. Denn als solcher funktioniert der 2020er Grudge eigentlich recht passabel: Die tadellose Bildführung in Verbindung mit moderner Tricktechnik sind ebensowenig zu beanstanden wie die fast schon unauffällig agierenden Darsteller, zu denen der Zuschauer stets eine gewisse Distanz wahren und sich somit mehr auf die (un-?)erwartet auftauchenden Geister konzentrieren kann. Daß letztere meist in Form von Jump Scares in Erscheinung treten ist zwar nicht sonderlich spektakulär (und nützt sich mit fortschreitender Filmdauer auch irgendwann ab), aber Innovationen sind bei einer weiteren Neuauflage, die mit vielen Anklängen an bisherige Versionen (blubbernde dunkle Badewanne, Hausnummer 4, dunkelhaarige Geisterkinder, nasser Händedruck, fehlender Unterkiefer etc.) durchaus vorgibt, sich an diese zu halten, auch nicht zu erwarten.
So bleibt also ein Mystery-Streifen bekannten Zuschnitts, in dem man zwar Alleinstellungsmerkmale wie das charakteristische Knacken der hervorragenden 2004er und 2006er Verfilmungen vergeblich sucht, welcher aber immerhin leidlich zu unterhalten weiß: 5,6 Punkte.