Review
von Leimbacher-Mario
Wurst of both Worlds
2020 hätte das Jahr des Fluchs, des „Grudge“ sein können - wenn die Netflixserie (die ich allerdings mochte) nicht derart kompliziert bis verwirrend und diese weitere Hollywoodversion nicht dermaßen belanglos bis schlecht gewesen wäre... Was ist das bitte für ein bitterer und tiefer Fall von Newcomer Nicolas Pesce, der mit „The Eyes of My Mother“ und „Piercing“ zum Teil Stylishes, zum Teil sogar Sensationelles geschaffen hatte. Sein Debüt in der Traumfabrik geht mit „The Grudge“ trotz starker Besetzung allerdings dermaßen in die Hose, dass man kaum glauben mag, dass wirklich er hier die Zügel in der Hand hatte... Erzählt wird in dem japanoinspirierten Grusler von dem allseits bekannten Fluch - der durch eine Frau in die Staaten gebracht wurde und dort nun ebenfalls in ein Haus eingezogen ist, das über jeden die Hölle einbrechen lässt, der auch nur einen Fuß in es gesetzt hat...
„The Grudge“ (2020) hat etwas von einem Episodenhorror, was in der Reihe natürlich nicht neu ist und eigentlich ganz gut passt, man fast schon charakteristisch bezeichnen kann. Mehrere Schicksale und eigentlich glückliche Familien - alle brutal zerstört durch den Fluch der auf dem Haus lastet. Der Zufall des Todes und des Bösen. Dazu mit Gesichtern und Namen wie Gilpin, Riseborough oder Cho fein besetzt, mit Pesce ein Mann am Steuer, der Style und Schock eigentlich im Blut zu haben schien. Und dennoch ist das Endprodukt eine Schande. Ich kann es nicht anders beschreiben. Verstörend langweilig und nichtssagend. Ein absoluter Studio- und Komiteefilm anstatt des endgültigen Durchbruchs einer neuen Stimme im Horrorgenre. Dutzende ätzende Jumpscares und durch den sprunghaften Erzählstil kaum Konzentration auf und Identifikation mit den vielen Figuren. Nichts, absolut gar nichts bleibt im Gedächtnis. Bei härteren Szenen wird weggeschnitten. Nichts wird sich getraut, nichts wird erklärt oder weiter ausgebaut. Kaum Mystery, kaum Worldbuilding, kaum... Film?! „The Grudge“ ist ein Flickenteppich, ein Clusterfuck. Eine Collage der filmischen Alpträume - allerdings aus den völlig falschen Gründen. Da drehen sowohl langjährige Fans der Reihe als auch Mainstreamhorrorgucker genervt ab. Fast auf „Bye Bye Man“-Niveau. Keine Empfehlung von ganzem Herzen. Der Score und Lin Shaye hatten (trotz Overacting) ihre Momente. Der Rest muss bitte schnell unter den Teppich gekehrt werden. Pesce zu Liebe. Ärgerlich. Selbst für nur 99 Cent.
Fazit: weder Sushi noch Burger, weder Ami noch Japaner, weder spannend noch atmosphärisch, weder neu noch kreativ. Und vor allem weder was Pesce angedeutet hat noch was er zu leisten im Stande ist. „The Grudge“ (2020) ist auf einer schmerzhaft niedrigen, völlig unnötigen und aus all den falschen Gründen erschreckenden Stufe mit „Rings“ und kann mir gestohlen bleiben. Nichtmal ein biederes Best Of. Dagegen wirken die anderen westlichen „Flüche“ (u.a. mit „Buffy“) von damals noch richtig gut!