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Ich halte nicht besonders viel von der deutschen Filmindustrie. Natürlich gibt es auch gute deutsche Filme, es gibt sogar richtig genial. Ich denke da an den äußerst unbekannten Close von 2004, Das Experiment von Oliver Hirschbiegel und für mich als Fan von Stoner-Movies ist Lammbock natürlich auch genial. Das sind auch Filme, denen man ihre deutsche Herrkunft nicht so stark anmerkt. Die meisten Filme aus unserem Land finde ich allerdings nicht so dolle, halt typisch deutsch und das mag ich nicht. Ich kann dem deutschen Stil Filme zu machen nicht so viel abgewinnen. Die Deutschen können vielleicht gutes Bier brauen, doch ich bin der Meinung die Deutschen sollten das Filme machen doch lieber den Franzosen, Italienern und Amerikanern überlassen.

Nach diesem kurzen Abschnitt über meine Einstellung gegenüber deutschen Filmen kommen wir jetzt zu dem hier, Abwärts. Ich habe mir diesen deutschen Thriller mal angesehen. Die Story hörte sich nämlich wirklich spannend an. 4 Leute bleiben freitags abends im Fahrstuhl stecken, es kommt zu Auseinandersetzungen, vor Montag ist keine Hilfe zu erwarten und dann reißt ein Kabinenkabel. Ich las die Inhaltsangabe auf der Rückseite der DVD von Laser Paradise und das hörte sich sehr spannend an. Natürlich wird auf DVD Rückseiten immer alles beschönigt was man nur schön reden kann, aber da war ich dann doch neugierig. Da die DVD dann auch sehr billig war hab ich sie einfach gekauft und mir jetzt mal angesehen. Ich dachte mir, vielleicht ist der ja doch einbisschen spannend oder vielleicht sogar sehr spannend.

Es dauert nicht lange, dann befinden sich unsere 4 auch schon im Lift und es geht los. Der Fahrstuhl bleibt stecken und hoffentlich wirds jetzt spannend. Jörg, Pit, Marion und Gössmann  versuchen mit allen Mitteln Hilfe zu bekommen. Danach hatte ich das Gefühl man versucht hier erst mal die Zeit zu schänden. Es wird viel viel geredet, es wird Gameboy gespielt usw. Es zieht sich zwar nicht extrem in die Länge, aber einbisschen. Mir kam es vor als wäre da die ein oder andere Szene nur dazu da um hinterher auf Spielfilmlänge zu kommen.

Der ganze Film spielt sich nur im Lift und im Fahrstuhlschacht ab, das war ja zu erwarten. Einerseits ist das natürlich nicht besonders abwechslungsreich, andererseits hätte man hier eine schöne Atmosphäre aufbauen können. Wie gesagt, hätte man, hat man aber nicht. Abwärts ist leider kein atmosphärischer Film geworden, zumindest bin ich der Meinung. Mit der Spannung funktioniert auch nicht so einwandfrei. Gelegentlich kommt sie ja doch mal auf. Zum Beispiel als Jörg und Pit auf dem Fahrstuhldach stehen und die andere Kabine angefahren kommt. Da konnte ich zum ersten Mal Spannung feststellen. Bis dahin hat es allerdings auch eine halbe Stunde gedauert. Danach gibts noch so den ein oder anderen Spannungsmoment. Als das Kabinenkabel reißt und der Fahrstuhl fast komplett in die Tiefe stürzt, das ist auch spannend. Über die gesamte Laufzeit kommt aber einbisschen zu selten Spannung auf. Teilweise ist Abwärts einbisschen zäh. Im Großen und Ganzen kann man den Film aber noch angucken. Es wird dann doch einbisschen zu viel geredet. Das ist ja nicht unbedingt immer schlecht. Es gibt auch sehr spannende Thriller mit viel Dialog. Da ist zum Beispiel der grandiose Bei Anruf Mord von Hitchcock. Bei Abwärts hätten weniger Gespräche allerdings nicht geschadet. Einwenig mehr Action oder Tempo hätten ihm vielleicht auch gut getan. Gelegentlich gibt ja schon mal eine temporeiche Sequenz, zum Beispiel die Szene wo Jörg am Kabinenkabel hochsteigt. Der Großteil ist aber lahm und unspektakulär geworden. Gegen Ende gibts mehrere Szenen mit Action, bis dahin vergeht aber viel Zeit, in der ich mir mehr spannende Sachen gewünscht hätte. Gegen Ende ist Abwärts schon ziemlich spannend, in den ersten zwei Dritteln aber nicht.

Gefallen haben mir die Kamerafahrten im Fahrstuhlschacht. Es sind nur eine handvoll, aber die fand ich gut. Die Szene am Ende, als der Lift abstürzt ist auch ziemlich geil gemacht. Dann kracht es ordentlich und optisch sieht das Ganze auch gut aus. Außerdem finde ich, das Abwärts eigentlich ganz gut durchdacht ist. Es gibt so Kleinigkeiten, an die ich als Storywriter zum Beispiel nicht gedacht hätte. Es wird bedacht, dass man vielleicht auch mal pinkeln muss wenn man im Fahrstuhl feststeckt usw. Solche kleineren Dinge machen Abwärts zu einem realistischen Film.
Das sind so Kleinigkeiten die ich gut fand, die machen Abwärts aber auch nicht sehr viel besser. Für mich ist der höchstens Durchschnitt.

Zum Schluss möchte ich noch ein Wörtchen zu Hannes Jaenicke verlieren. Er spielt Pit und wenn ich ehrliich bin finde ich seine Leistung nicht besonders gut. Irgendwie ist er unsympatisch wie er da so vor sich hinspielt. Seine Leistung ist aus meiner Sicht viel zu emotionslos und unglaubwürdig und außerdem ist er wie gesagt hier unsympatisch. Ich kann schon gut verstehen wenn sich Jörg, der von Götz George gespielt wird, mit ihm streitet. Hannes Jaenicke ist eine Fehlbesetzung. Da hätte es viel bessere Leute für die Rolle des Pit gegeben. Pit passt einfach nicht zu ihm. An den anderen Darstellern hab ich nichts auszusetzen. Sie spielen nicht überragend aber ok.

Fazit: Mittelmäßiger Thriller aus deutschem Lande. Die Story hat sich sehr spannend angehört, da hab ich eigentlich mehr erwartet, auch wenn ich deutsche Filme nicht besonders mag. Naja, ab und zu kommt sie doch auf, die Spannung. Man kann sich den Film wohl noch angucken, er ist aber nicht gut.

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