In den derzeitigen politischen Krisenmonaten von HK die einzig (größer?) im Kino angelaufene einheimische Produktion; ein Mitte Oktober 2019 gestarteter Crime von Andrew Fung, der theoretisch auch die gleiche Zielgruppe wie die verstummten The Attorney und Atonement anspricht, aber noch den zusätzlichen Vorteil des kurz zuvor breiter aufgestellten Kinostarts in der Volksrepublik China und somit gewisse finanzielle Sicherheiten hat. Sicherheiten, die einzig und allein durch die hiesige Anwesenheit von Louis Koo begründet sind, einem der derzeit nicht nur fleißigsten und beständigsten, sondern auch (schon seit länger) populärsten Schauspieler, welcher eben auch auf dem Festland gefragt (oder so clever für die Beteiligung an entsprechenden Filmen) ist, dass er allein 2019 drei Einträge im 100 Mio. USD Club vorweisen kann. Der neuen Hausmarke für einheimische Blockbuster; welche diese hiesige Produktion selber zwar nicht vorweisen kann, man aber auch keine Fortsetzung wie die anderen Einträge Line Walker 2 - Invisible Spy, The White Storm 2 - Drug Lords, P Storm und auch etwas spezieller im Gestus und intimer im Inhalt ist:
Polizist Larry Lam [ Louis Cheung ] wird von seinem Vorgesetzten Yip Sau-Ching [ Philip Keung ] mit an einen Tatort berufen, wo der Juwelenräuber Homer Tsui [ Deep Ng ] mit Drogen vollgestopft und ermordet aufgefunden wird. Einziger 'Zeuge' ist ein knallbunter Papagei; Lam, der sowieso besser mit Tieren als mit Menschen zurechtkommt und auch privat eine Art Asyl für Hunde und Katzen betreibt - weswegen er beim Kredithai Crab [ Evergreen Mak ] in Schulden steht - nimmt den Vogel unter die Fittiche und gerät nicht nur deswegen mehr als gewünscht in die Ermittlungen. Zwar steht die Fahndung vor allem nach Bean Wong [ Louis Koo ], den Anführer der Räuberbande, zu dem der Tote mitsamt noch bspw. Clark Auyeung [ Sam Lee ] gehörte, geraten aber auch Personen unter Verdacht, die beim blutigen Überfall der Gauner als unschuldige Zivilisten oder Anwesende in Mitleidenschaft gezogen wurden und sich nun womöglich nach Rache sehnen: Der Wachmann Tony Ho [ Andy On ], dessen Freundin und Angestellte Sandy Yeung [ Fiona Sit ] schwer verletzt wurde. Der ehemalige Triade und nunmehrige Fleischer Bull Yiu [ Patrick Tam ], dessen Mutter einen tödlichen Schock erlitt. Und auch Inspector Yip selber, dessen Informant bei dem Überfall ums Leben kam und dessen Karriere durch den Raubzug einen Makel erlitt. Währenddessen macht sich auch Bean Wong auf die Suche nach der verloren gegangenen Beute und quartiert sich vorübergehend bei der stark seheingeschränkten Joy [ Jessica Hester ] ein.
Eingenommen hat man von den Zuschauern etwa 37 Mio. USD, ein Bruchteil davon mit etwa 800.000 USD aus HK, was im Grunde auch der Normalfall an Ertrag dort und deswegen die Blickrichtung der Produzenten in das wesentlich ergiebiger aufgestellte China aus rein finanziellen Gründen durchaus verständlich ist. Der Zuspruch dort war angesichts der Herkunft, des Genres, des Startzeitpunktes und auch der Besetzung mit grundsätzlich Leuten aus der ehemaligen Kronkolonie erfreulich hoch; die Mitfinanzierung eines der wenigen traditionell angelegten Werke, die im Grunde überschaubar und bald wahrscheinlich noch an einer Hand abzuzählen sind.Regisseur und Autor Andrew Fung, der hiermit sein viertes autarkes Geschöpf und seine erste Arbeit im Milieu von Cops and Robbers ablegt – die bislang beste Erzählung gelang ihm mit dem Debüt The Bounty (2012), der vielleicht ein wenig mit Motiven davon spielt, aber eine Dramödie, also ein humoristisch angelegtes 'Drama' und auch wesentlich kleiner und außerhalb angelegt als diese großteils urbane Geschichte hier ist – , macht dabei keine Vorworte und auch keine Widerrede; wird schon mit dem Auffinden des Toten begonnen und mit der ersten Schrecksekunde, da der tatsächliche oder vermeintliche Täter noch anwesend und zur Bedrohung des Finders auch handgreiflich ist. Die Polizeiarbeit hier genauso wie man sie kennt und doch ein wenig anders, gerät zumindest bei einem der Mitarbeiter und auch der eigentlichen Identifikationsfigur des Publikums ein möglicher Zeuge der Angelegenheit direkt ins Visier: ein Papagei, was von den Anderen natürlich negiert und ignoriert wird, aber hier der fliegende MacGuffin quasi und der Aufhänger der folgenden Problematik ist.
Dabei werden Mittel und Wege des Actionthrillers nicht gescheut, gerade die Rückblende des Überfalls auf den Juwelier zwischen der Nathan Road und der Jordan Road ist erstaunlich ausgiebig und aufwändig gehalten, mit Radau schon im Geschäft selber, aber auch einem gewalttätigen Ausbruch gegenüber und trotz der Gegenwehr der Polizei, in der die Maschinengewehre sprechen und Tote und Verletzte zu zählen sind. Später explodiert ein Geschäft auf vollbesetzter Straße in Cheung Sha Wan, der erste Passant ist grad aus dem Laden raus und nur wenige Meter weiter und nur unwesentlich von der flammenden Detonationswelle weg. Mittig erfolgt eine Schießerei in verwilderten Außenbezirken, eine gescheiterte Observierung und Festnahme zwischen abbruchreifen Baracken und dem Fluss, der dann per Boot als Fluchtweg dient, während das blutige Ende auf einem verwaisten Friedhof ebenfalls vor den Toren der Zivilisation stattfindet; wichtiger als all dies (wie dem nächsten Toten in Sai Kung und einer Messerattacke in Tai Po) und die Einsätze des Action Director Jack Wong ist die Behandlung der Geschichte insgesamt, die in einem Teil der Prämisse leicht absurd ist, dies aber nicht auf die leichte Schulter, aber auch nicht bierernst, sondern in einem äußerst schwierigen und äußerst geschickt gehandhabten Mittelweg mit vielen Zwischentönen geschultert nimmt.
Überhaupt ist man (ohne Eile, sondern mit Weile) ständig in Bewegung und hat man permanent etwas zu entdecken, eine verzwickte Ermittlung, die zudem den Alltag gleich mehrerer Personen abbildet und auch einen Blick auf die Leute in HK insgesamt wirft, und all dies im Nebenher und nicht losgelöst von dem Rätsel um den wahren Übeltäter und den Kampf zwischen Gut und Böse in Augenschein nimmt: Welches hier verschiedene Facetten aufweist und nicht einfach Weiß und nicht simpel Schwarz ist. "The robbers are playing detectives" und umgekehrt.Erinnern tut das an Früheres, Unschuldiges von Johnnie To oder auch etwas an den ebenso letztjährigen Invincible Dragon, wobei der Eine so etwas schon länger nicht mehr dreht und das andere spezielle Beispiel in seinem doch letztlichen Scheitern und den vielen Misstönen aufzeigt, wie schwierig diese Handhabe fern von Adorationshaltung, aber dennoch mit viel Persönlichkeit und Menschlichkeit und (trotz einiger Füllszenen und etwas Gestolpere bei der Auflösung) so gelungen die hiesige Angelegenheit ist.