Schwedische Krimis und Thriller - da werden die meisten an die Kommissare Wallander oder Beck denken, die uns via TV in den letzten Jahren verstärkt beglückt haben. Die inzwischen drei Filme um den von Jakob Eklund gespielten (Ex-)-Polizisten Falk stehen für eine andere Art von Schwedenkrimi: keine psychologisch vertieften Schlachtplatten a la Mankell, und auch nicht die etwas betuliche Sozialkritik der Wallöö/Sjöwall-Verfilmungen, vielmehr gradlinige Thriller, mit einem klassischen Helden und klarer Betonung auf Spannung und gut dosierter, nicht übertriebener Action.
Im zweiten Film sehen wir Falk noch immer in den Problemen, in die er sich durch seinen Alleingang im ersten Teil gebracht hat. Auf einer Beerdigung trifft er einen alten Freund, einen Textilfabrikanten, die sich durch den Kontakt mit dem dubiosen deutschen Sicherheitsbeauftragten Nikolaus (C.M. Orth) in Probleme gebracht haben. Der hätte gern das Honorar für einen überaus blutigen "Job", den er für den Fabrikanten im Osten erledigt hat. Als der sich weigert, greift Nikolaus zu immer brutaleren Methoden, die darin gipfeln, dass er die Frau des Fabrikanten erst entführt und dann mit einer Zeitbombe um den Hals wieder frei lässt. Falk kämpft zusammen mit einer privaten Schutztruppe gegen die Schurken und um das Leben der Frau.
Wer heute in einem vergleichsweise kleinen Filmland wie Schweden oder Deutschland Action-Thriller drehen will, hat natürlich ein grundlegendes Problem: Mit den Budgets und dementsprechend den Action-Szenen der Hollywood-Konkurrenz kann man einfach nicht mithalten. Dennoch, wie man hier sieht, es geht: Während wir uns in Deutschland mit zähen Produkten wie "Die Sieger" oder "Lautlos" quälen müssen, haben die Schweden eine überraschend gute Formel gefunden. Die Action ist hier kurz, schnell und realistisch, so wie man sich Schusswechsel zwischen gut trainierten Killer- / Spezialkommandos tatsächlich vorstellen kann. Dabei geht es durchaus etwas härter zur Sache, dennoch gibt es keinen unnötig hohen Body-Count.
Der Schwerpunkt liegt jedoch ganz klar auf der Story, die schnörkellos und gradlinig auf maximalen Spannungsaufbau getrimmt ist (auch wenn am Anfang erst mal einige Fragezeichen stehen können, wenn man den Vorgängerfilm nicht kennt). Große Überraschungen sucht man vergebens, die Konstellation ist von Anfang an klar, aber es kommt dennoch keine Langeweile auf. Die Sache mit der Zeitbombe um den Hals führt dann zu dem erwarteten Finale, das dennoch recht geschickt mit den Erwartungen des Zuschauers spielt.
Wer auch im Spannungskino nach so etwas wie einer Botschaft sucht, wird hier (und noch stärker im Nachfolgefilm "Third Wave") ebenfalls fündig, denn es geht um das Vordringen der organisierten Kriminaliät und das Versagen der eigentlich zur Bekämpfung berufenen staatlichen Organe (Polizei). Dass uns statt dessen mutige Privatleute beschützen können, wie es hier suggeriert wird, bezweifle ich zwar, aber es tut der Qualität des Films keinen Abbruch.
An den Hauptdarsteller muss man sich zugegebenermaßen erst einmal gewöhnen. Eklund ist sicher nicht der beste Schauspieler der Welt, und die von ihm gespielte Figur bedient auch reichlich Klischees (Typ einsamer wortkarger Ex-Elitekämpfer mit Vergangenheits-Trauma). Immerhin, an den nur angedeuteten privaten Problemen der Hauptfigur nimmt man durchaus Anteil. Auch die Nebenfiguren, insbesondere die übrigen Guten, sind so gezeichnet, dass sie nicht zur Schablone verkommen und Sympathie wecken. So erleben wir bei den anfänglich so cool auftretenden Bodyguards ganz unterschiedliche Reaktionen auf den unerwartet harten Kampf.
Fazit: Wer im heutigen Hollywood-Kino den klassischen Action-Thriller mit einem Hauch von Tiefgang und solider Spannungsdramaturgie vermisst, wird hier (und ebenso in den beiden übrigen Teilen) fündig. 8/10 Punkten.