Ein interessantes Relikt aus den 70ern, daß sich auf deutschen Bildschirmen immer noch gut macht, ist immer einen Blick wert.
"Achterbahn" ist einer der Filme, mit denen man im Fernsehen großgeworden ist (aus einer Zeit, als es nur sechs Programme gab). Deswegen bin ich auch vorbelastet und liebe den Film um so mehr, weil es ein Unikat ist, ein seltener Bastard zwischen Katastrophenfilm und ernsthaftem Thriller.
Angekündigt als Katastrophenfilm, da er für das neue Tonverfahren Sensurround Parade lief, entpuppt sich "Achterbahn" bald als ordentlich spannender Kriminalthriller, der auf die Kraft seiner Bilder verläßt, anstatt eine superkomplizierte Story zu konstruieren.
Nun, Sensurround ist nach ein paar Testläufen auf Rente geschickt worden, ehe der Durchbruch kam (Erdbeben und Kampfstern Galactica sind ein paar Beispiele), THX sollte der wirksame Trend werden. Zumindest jedoch für diesen Film kommt das Verfahren gut rüber, sofern man das über die kleine Mattscheibe noch feststellen kann.
Tatsächlich sind die Achterbahnaufnahmen das Herausragenste und Aufregendste an diesen Film, denn wer sich dezent vorstellt, diese Fahrt vor einer Riesenleinwand mitzumachen, kann seine Schwindelgefühle schon mal einplanen.
Doch "Rollercoaster" bietet mehr. Zum Beispiel eine ganz hervorragende Besetzung. George Segal macht ein Faß auf mit seiner ausgiebig beschriebenen, ironischen Darstellung des sarkastischen Sicherheitsinspektors Harry Calder, der eher zufällig den Sabotageakten auf die Spur kommt, nackhakt und daraufhin von dem Saboteur als Ansprechpartner, Bote und Gegenspieler benutzt wird. Neben seinen familiären Problemen und dem heroischen Versuch, das Rauchen aufzugeben, entwickelt die Figur Calder tatsächlich über den Film hinweg Tiefe, nicht gerade ein Charakteristikum für den Katastrophenfilm.
Den absoluten Gegenpart gibt Timothy Bottoms, der ohne Namen, ohne erkennbare Motivation und ohne erkennbare Emotionen gespielt wird, ein junges, dunkles Zentrum, der uns stets im Unklaren läßt, zu was er noch imstande ist. Gerade seine nüchterne Neutralität (gepaart mit einer beängstigend kalten Synchronstimme) macht ihn zur ständigen Bedrohung, ohne daß er sonst einen unsympathischen Zug tragen würde. Biedermann als Bombenleger. Ansonsten glänzt der Film mit reichlich bekannten Gesichter wie Richard Widmark, der den FBI-Chauvi mit breitestem Arsch so richig raushängen läßt und Henry Fonda als Calders Vorgesetzter und Star-Garnitur. Als Segals minderjährige Tochter ist hier übrigens Helen Hunt zu sehen, die später für "Besser geht's nicht" den Oscar mitnahm.
Die Handlung ist nicht zu kompliziert, baut sich aber schön gemächlich über die Sabotageakte auf (von denen einer nicht zu sehen ist, da in dem Freizeitparkt tatsächlich ein Unfall stattfand) und läßt seinen Figuren Platz zur Entfaltung. Die Unglücke sind teilweise echt erschütternd inszeniert und können die Lust auf die nächste Fahrt deutlich einschränken. Später spitzt sich das Geschehen dann auf einen Zweikampf zwischen Saboteur und Calder zu, bei dem der arme Inspektor mit dem Geldkoffer quer durch den Park geschickt wird, um den Anweisungen seines Widersachers zu folgen. Das bringt dann spannungstechnisch weniger, doch bietet es einige hervorragende Aufnahmen aus den Freizeitparks, denn besonders die Parkatmosphäre und die bisweilen kristallklaren Bilder machen den Reiz aus.
Gegen Ende wird der Film dann wieder dramatisch, wenn es auf die letzte Konfrontation zugeht und der Saboteur einen dummen Fehler begeht und zieht auch qualitativ wieder deutlich an. Ein Klassiker bereits das "Achterbahn"-Thema von Soundtrack-Altmeister Lalo Schifrin (Mission Impossible), daß zugleich Rummelplatzstimmung schafft und dennoch traurige und beunruhigende Töne anklingen läßt.
Man darf also alle Filmbegeisterten getrost auf einen Trip in der "Achterbahn" einladen, wenn man einen unterhaltsamen Abend genießen will. Ein Film, den man immer wieder genießen kann und das Filmfeeling des Katastrophenthrillers perfekt einfängt. Im Mittelteil mit Längen, doch mit ausreichend "realem" Horror, um auch heute noch modern zu wirken.
Jederzeit gerne... (8/10)