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In den 70er Jahren überflutete eine Welle von Katastrophenfilmen, sehr gern mit abstürzenden Passagierflugzeugen versehen, die Kinos und kein Mensch konnte sich an den mitunter recht banalen und schlecht getricksten Werken satt sehen. Auch „Achterbahn“ nimmt sich einer Katastrophe an, die in diesem Fall aber von der menschlichen Natur auch beabsichtigt ist und sich zu einem spannenden Thriller wandelt.

Was ihn von seinen angestaubten 70er Jahre Kollegen abhebt sind, neben den guten Schauspielern, vor allem die exzellente Kameraarbeit. Die Egoperspektiven in den Achterbahnen wirken auch im Fernsehen noch atemberaubend und spektakulär, während das geschäftige Treiben auf den Rummelplätzen den Zuschauer oft mitten in die euphorischen Mengen versetzt, denen die mögliche Gefahr, angesichts eines potentiellen Attentäters gar nicht bewusst ist. Schade, dass bei diesen Bildern Komponist Lalo Schifrin erst im Finale so richtig auf Touren kommt und den Rest des Geschehens bis dahin sträflich vernachlässigte.

Der Plot ist einfach zu konsumieren und hätte den einen oder anderen Kniff gebrauchen können, folgt doch weitestgehend nur ein Katz- und Mausspiel zwischen dem Erpresser und dem F.B.I. dem eindeutig die Höhepunkte fehlen, was dann die Freizeitparks wieder wett machen müssen. Dort gibt es neben, inzwischen altmodisch anmutenden verheerenden Unfällen, in denen, leider deutlich sichtbar, Puppen um ihr Leben kamen, ein Finale, dass schon nach einem Drittel des Films beginnen soll, die Spannungskurve zwischendurch kurz stagnieren lässt, und mit neuen Erkenntnissen konsequent auf das Ende zufährt. Eine minutiös geplante Geldübergabe erweist sich für George Segal als riskantes Spiel mit dem Gegner, der ihn durch alle möglichen Highlights solch eines Parks schickt, um ihn dann auszutricksen. Eine Steigerung dessen findet im Finale statt, als schweißtreibende Arbeit an der letzten Bombe verrichtet wird, obwohl der Bösewicht mit dem nervösen Finger in der Menschenmasse nicht zu entdecken ist und schließlich, zu allem Übel, auch noch einen Ersatzplan aus der Tasche zaubert.

Hinreißend dabei die gut aufgelegten Schauspieler – allen voran George Segal und Richard Widmark. Segal gerät als Sicherheitsinspektor Harry Calder eher zufällig, seiner Neugierde folgend auf die richtige Spur und verblasst auch später nicht zur stereotypen Heroenfigur, die am Ende nur das Übel aus der Welt zu schaffen hat. Mit viel Sarkasmus und Ironie gesegnet bietet er dem FBI-Agenten Richard „Alle hört auf mein Kommando“ Widmark nur zu gern Paroli, nachdem er erst von diesem ausgebootet worden und schließlich zur Mitarbeit überredet worden ist. Die Dialoge zwischen beiden sind mitunter herrlich amüsant und kantig geraten, machen sie doch keinen Hehl daraus, das sie sich gegenseitig nicht ausstehen können, was bei Widmark mehrmals zu verbalen, gar nicht so politisch korrekten, Wutausbrüchen führt. Als Ergänzung gibt sich Timothy Bottoms als kalkulierender Erpresser die Ehre, der in seiner vorher gezeigten Überlegenheit, am Ende etwas zu sehr in Hektik verfällt, ansonsten als überlegender Gegner eine gute Figur macht.

Leider treten zum Ende hin ein paar deutliche Plotschwächen auf, denn, um Calder auf die richtige Spur zu locken, bedarf es doch einiger Zufälle und glücklichen Situationen, die in ihrer Häufigkeit an Glaubwürdigkeit mangeln lassen. Gleiches gilt auch für den Zufall, der für eine Verlängerung des Finales sorgen soll.

Fazit:
„Achterbahn“ ist ein klasse gespielter Thriller, der von seinen Stars Richard Widmark und George Segal, sowie den atemberaubenden Kamerafahrten lebt. Dem bis dahin nachvollziehbaren Plot, gehen final aber die Ideen aus, so dass ein paar Zufälle aus dem Hut gezaubert werden müssen, die nicht jedem Zuschauer schmecken dürften. Die solide, außer in den Achterbahnszenen, unspektakuläre Inszenierung rundet das Filmvergnügen ab. Durchaus sehenswert.

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