Nach der Trennung von ihrem Partner entschließt sich Katrina (Carmen Ejogo) für einen Tapetenwechsel und fährt mit ihrer kleinen Tochter Clara quer durch Oklahoma Richtung Texas, als ihr auf einer wenig befahrenen Straße ein Reifen platzt. Während sie den Reifen wechselt, wird die draußen auf dem Feld herumlaufende Kleine jedoch von einer - titelgebenden - Klapperschlange gebissen. Ohne Handy-Empfang blickt sich die verzweifelte Katrina in der Ödnis um und entdeckt in einiger Entfernung einen alten Wohnwagen, aus dem Musik erklingt und den sie eilends aufsucht - deren Besitzerin verspricht, sich sogleich um das Mädchen zu kümmern, während die Mama das Auto wieder flott machen soll, um das Kind ins etwa eine Stunde entfernte Krankenhaus von Tulia zu bringen. Gesagt, getan - als Katrina die kleine Clara kurz darauf jedoch abholt, hat diese seltsamerweise keine Bißspuren der Klapperschlange mehr, und die Frau, die über die Bezahlung für ihre Behandlung "später" reden wollte, ist auch verschwunden. Etwas irritiert fahren Mutter und Tochter ins Krankenhaus, wo ein Arzt an der Kleinen nichts Ungewöhnliches feststellen kann. Da taucht aus dem Nichts ein Mann im Krankenzimmer auf, der Katrina eröffnet, was der Preis für die Rettung ihrer Tochter ist: Ein Leben für ein Leben...
Die Netflix-Eigenproduktion Rattlesnake hält sich nicht mit langen Vorgeschichten auf sondern kommt recht schnell auf den Punkt: Eine Reifenpanne und ein verletztes Kind, das dringend Hilfe benötigt - das Ganze auf irgendeiner staubigen Straße im Süden. Die merkwürdigen Umstände der Rettung lassen ein dezentes Gänsehautfeeling aufkommen - was hat es mit dem Deal "Ein Leben für ein Leben" auf sich? Katrina begreift schnell, daß sie nur bis Sonnenuntergang Zeit hat, das Leben ihrer Tochter tatsächlich zu retten - dafür muß sie jedoch einen anderen Menschen töten, und das moralische Dilemma dieses Kuhhandels steht ihr deutlich ins Gesicht geschrieben. Der erste zaghafte Versuch, einen todgeweihten Greis zu ersticken, mißlingt - und die Zeit läuft, weitere Versuche schließen sich an. Dazwischen trifft sie immer wieder merkwürdige Leute, die offenbar gar nicht wirklich da sind, jedoch in Verbindung zu dem Deal stehen - Menschen, die eigentlich längst tot sein sollten.
Leider verflacht die Geschichte mit zunehmender Dauer, da das Drehbuch nurmehr Katrinas höchst umständliche Versuche, ein geeignetes Opfer zu finden beschreibt, während ihre Tochter wohlbehütet im Krankenhaus schläft. Damit geht langsam die Spannung verloren, obwohl der Zuschauer mit einigen skurrilen Einfällen (wie dem Fiesling, der seine Freundin damit "bestraft", daß sie mit schweren Büchern herumstehen muß, während er fern sieht) durchaus unterhalten wird. Das vorhersehbare Ende fällt dann auch sehr konventionell aus, auf einen Plot Twist wartet man vergeblich und die meisten Fragen bleiben - wie so oft - unbeantwortet. Rattlesnake (mit nebenbei tadelloser Kamera-Arbeit und ebenso soliden Leistungen seiner wenigen Darsteller) beginnt vielversprechend, läßt dann aber storytechnisch stark nach und enttäuscht am Ende - schade, da war mehr drin. 4,6 Punkte.