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Die Klapperschlange, fast schon eine Art Symbol für die Gefahren amerikanischer Wüsten und Steppen, steht in dem Streifen von Autor und Regisseur Zak Hilditch nicht etwa für Tierhorror, sondern für einen unfreiwilligen Pakt mit dem Teufel und einen Wettlauf gegen die Zeit. Einen, der sich in Anbetracht der Ausgangslage deutlich zuviel Zeit lässt.

Unterwegs in der Einöde von Texas, platzt Kat (Carmen Ejogo) der Reifen. Während des Wechselns spielt ihre fünfjährige Tochter Clara (Apollonia Pratt) draußen und wird prompt von einer Klapperschlange gebissen. Rasche Hilfe erhält Kat von einer ominösen Frau in einem Trailer, die Andeutungen von einer Gegenleistung macht. Kurz darauf macht ihr ein Geist unmissverständlich klar: Kat muss eine Seele opfern, um das Leben ihres Kindes aufzuwiegen. Bis zum Sonnenuntergang bleiben nur wenige Stunden Zeit…

Die nicht sonderlich innovative, jedoch durchaus fesselnde Ausgangsposition stellt Kat und folgerichtig auch den Zuschauer vor ein ethisch-moralisches Dilemma: Wer könnte am ehesten ermordet werden, um das Leben des eigenen Kindes zu retten? Ein Koma-Patient? Ein vermeintlich böser Mensch oder wählt man am Ende ein Zufalls-Opfer?
Die Dringlichkeit der Entscheidung wird natürlich durch das schmale Zeitfenster intensiviert, wodurch das Eindringen in ein Gefängnis zum Ausschalten eines verurteilten Serienkillers eher wegfällt.

Allerdings lässt sich die Erzählung deutlich zuviel Zeit und setzt teilweise ungünstige Schwerpunkte, wodurch das Zwingende immer wieder abgeschwächt wird. Eine Stippvisite in einer Bar, ein umständlicher Waffenerwerb, ein ebenso umständliches Verstecken bei einem Einbruch, - der Wettlauf gegen die Zeit wird nur selten spürbar, erst kurz vor Sonnenuntergang wird deutlich, dass nun ein wenig Tempo angesagt ist.

Was das Böse mit dem Seelentausch bezwecken will, bleibt derweil nebulös, denn prinzipiell wäre dem Teufel wohl eine unbefleckte Seele wie die eines kleinen Kindes lieber als die eines Sündigen. Um das Geisterhafte ein wenig zu verstärken, tauchen in regelmäßigen Abständen einige Abbilder auf, die ebenfalls in Deals mit dem Finsteren involviert waren. Das gestaltet sich zuweilen unheimlich, etwa, durch einen Jungen auf einem Fahrrad oder Silhouetten an einer Bergkuppe, manchmal ein wenig plump, wie bei einem Geistlichen oder einer Fotografin.

Handwerklich ist bei alledem wenig auszusetzen. Die Kamera arbeitet variabel und übernimmt auch mal die Egosicht der Protagonistin, etwa bei flüchtigen Blicken in diverse Krankenzimmer, während die Einsamkeit der Wüste recht atmosphärisch eingefangen wurde, wozu der Score nicht unmaßgeblich beiträgt. Darstellerisch sticht Carmen Ejogo durchaus positiv hervor, speziell in den stillen Momenten offenbart sie ihre darstellerischen Stärken.

Diese täuschen jedoch nicht darüber hinweg, dass es der Erzählung insgesamt an Spannung und Tempo mangelt, zumal im Mittelteil, trotz der kurzen Laufzeit von rund 85 Minuten kleine Durchhänger auszumachen sind. Die Prämisse weckt zwar sogleich Interesse, doch die Erwartungen können allenfalls bedingt erfüllt werden, - sei es auf moralischer oder auf der reinen Spannungsebene.
5 von 10

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