Review

kurz angerissen*

Wie eine von den kostengünstigen Stephen-King-Adaptionen aus der Fernsehlandschaft der 90er Jahre zäunt Zak Hilditch den Geltungsrahmen seines Skripts ein. Im Jahr 2019 bedeutet das: Handys werden dank Funklöchern aus dem Spiel genommen und die sichere Zivilisation wird zum Flimmern im Rückspiegel. Stattdessen drängt sich die Stille der amerikanischen Ödnis auf; das Rascheln der Grasbüschel im Wind, ein Wohnwagen im Nirgendwo und eine verunsicherte Protagonistin, die in einer Extremsituation eine folgenschwere Entscheidung treffen muss.

Produktionen wie diese hat Netflix zuletzt einige generiert, meist im Zusammenhang mit der Marke King: „Das Spiel“ etwa, „Im hohen Gras“ oder den von Hilditch selbst inszenierten „1922“. Stets handelte es sich um ländliche Kammerspiele mit kleinem Cast. Wie in jenen Arbeiten weicht die Kamera auch in „Der Biss der Klapperschlange“ kaum von der Seite der Hauptfigur, die Carmen Ejogo demzufolge eine großzügige Präsentationsfläche bietet. Der erste Akt ist gefüllt mit wortlosen Andeutungen zur Persönlichkeit und zur Hintergrundgeschichte der Mutter, die mit ihrer Tochter auf dem Weg in einen neuen Lebensabschnitt zu sein scheint, als plötzlich die Prämisse zuschlägt: Das Kind wird von einer Klapperschlange gebissen, eine zwielichtige Fremde kommt aus dem Nichts und rettet es, jedoch nicht ohne einen hohen Preis dafür in Rechnung zu stellen...

Was als Spiel-auf-Zeit-Thriller beginnt, verwandelt sich ab hier in einen Okkult-Horrorfilm, der die psychologisch schwer belastete Frau im episodischen Rhythmus von schattenhaften Visionen heimsuchen lässt, die ebenso gut, so viel lässt das Skript offen, Einbildung sein könnten. „Wie weit würden Sie gehen, um das Leben ihres Kindes zu retten“ - man hört regelrecht das Echo jener sadistischer Taglines, die schon vor 25 Jahren auf der Hülle einer Videokassette hätten stehen können. Während Hilditch die Eröffnung auch aufgrund der souveränen Leistung Ejogos noch glückt, bleibt er in der Umsetzung des Horrors ebenso zaghaft wie die Gestalten, die zumeist lediglich im Halbdunkel dastehen und warnend den Zeigefinger heben.

Moralisch jedenfalls führt der Kampf um das Überleben der Tochter bloß durch einen geraden Tunnel, auch hat er keine allzu großen Auswirkungen auf die Selbstbewertung der Protagonistin; jedenfalls keine, die man irgendwie messen könnte. Im Zuge dessen bleibt dann auch der Horror auf der Strecke, denn wer mit Tunnelblick auf das eine große Ziel fokussiert ist, den stören ein paar Buhmänner am Wegesrand auch nicht weiter...



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