Review

Staffel 1 - 9/10

Staffel 1


Der Beisslauf des Lebens

Das passiert, wenn Netflix einem richtig starken Animestudio und einigen legendären Künstlern einen Batzen Kohle und totale künstlerische Freiheit schenkt - „Beastars“, einer der vielversprechendsten, besten Animes der letzten 5 Jahre und schlicht ein unheimlich menschlicher Süchtigmacher, der sich sogar zu einem All-Time-Great mausern könnte. Erzählt wird in einer Welt voller anthropomorpher Tiere, in der Fleisch- und Pflanzenfresser mehr oder weniger friedlich miteinander leben, von einer Schule, auf der ein friedlicher Pflanzenfresser der Theater-AG gefressen/ermordet wird. Und wir folgen nun einem grauen, recht introvertierten Wolf, der versucht durch seine Pubertät und seine instinktiven und emotionalen Irrungen und Wirrungen zu steuern, sich dabei allerdings in eine kleine weiße Häsin verliebt, die es faustdick hinter ihren großen Löffeln hat...

TIERISCH STARK
+ mehr als interessante und vielschichtige Figuren 
+ Geschichte fesselt sofort 
+ viele Genres und Themen werden gestreift, verlaufen harmonisch ineinander 
+ quasi ein Anime Noir
+ bockstarke, natürliche und nicht überzogene Sprecher (im Original wie auf deutsch!)
+ melancholisch-jazziger Score (manchmal Wes Anderson-Vibes!) 
+ geballtes Worldbuilding
+ grandiose philosophische und gesellschaftliche Fragen/Metaphern
+ sehr hübsch, künstlerisch wertvoll 
+ Legoshi ein äußerst faszinierender „Held“
+ keine Schwarz-Weiß-Malerei
+ das Intro ist Gold
+ das Outro hat einen wunderschönen Song
+ 3D fügt sich gut ein 
+ der kurze Ausflug in „das Leben einer Henne“ war sehr witzig und toll 
+ richtig lustig zum Teil 
+ Highschoolleben nachvollziehbar und authentisch 
+ etliche süße, knuffige Tiere und Rassen
+ man spürt, dass etliche Altmeister ihre Finger im Spiel hatten (z.B. von Ghibli)
+ international und zeitlos 
+ enorm viel Neugier und Potenzial 
+ sehr erwachsen und reif; nicht wirklich für Kinder 
+ Mysteryaspekt nicht zu unterschätzen 
+ „Der Schwarze Markt“ ist schockierend 
+ gibt einem viel zum Nachdenken
+ enorme Charakterentwicklungen
+ selbst Nebenfiguren fühlen sich echt an 
+ sehr düster und hart zum Teil
+ schreckt selbst vor Nacktheit und Sex nicht zurück 
+ menschlicher als viele Serien mit Menschen 
+ unfassbar schicke Stilwechsel und Traumsequenzen zum Teil 
+ Haru, die süße Häsin, eine sehr überraschende Figur 
+ viel, viel, viel mehr als nur sweet und flauschig
+ sehr interessante Beziehung zwischen Legoshi und Haru
+ starkes Statement zum Vegetarismus und auch zur Natur des Menschen/Tieres
+ oft beeindruckend mutig 
+ brutale Action hintenraus
+ Folgenlänge und -Anzahl ideal 
+ der mysteriöse, therapierende „Killer-Panda“!!!

FELL VERSCHLUCKT
— viele Storyenden noch offen/noch nicht befriedigend 
— manchmal/gegen Ende etwas viel jugendliche Liebelei und Eifersucht 
— Theatersequenzen begeistern mich weniger 
— die Idee/Metapher mit den Tieren ist nicht neu 
— wird einige kleinere Kinder verstören 
— manche Nebenfiguren noch nur Staffage 
— Juno, die eifersüchtige Wölfin, wird z.B. noch zu wenig von der Leine gelassen und ausgespielt

Fazit: „Zootopia“ in reifer, „Tote Mädchen Lügen Nicht“ in echter, „Bojack“ in süßer, „Elite“ in emotionaler, „Your Name“ in genauso (positiv) kitschig - ein philosophisch-melancholischer Geniestreich! Über Triebe und Liebe und Hiebe und (innere) Kriege. (9/10)

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