Andrew Briggman (Nat Wolff) ist ein ganz normaler Durchschnittsamerikaner um die Zwanzig, als er sich entschließt, nach Afghanistan zu gehen. Sein Vater ist einerseits stolz auf ihn, andererseits besorgt - er redet ihm noch einmal gut zu, bevor es losgeht. Zusammen mit anderen jungen Rekruten lernt Briggman jedoch schnell die Realität im Camp, einem kleineren Vorposten inmitten einer trostlosen, wüstenartig heißen Umgebung kennen: Der Wortführer der Neuankömmlinge macht sich über einige Zivilisten lustig, bis er von seinem afro-amerikanischen Vorgesetzten recht harsch darauf aufmerksam gemacht wird, daß genau dieses Verhalten hier nicht erwünscht ist: Zur "Strafe" muß er einer Gruppe Kinder winken und sieht dabei - auch für die anderen - wie ein Hampelmann aus. Doch Sekunden später wird sein Vorgesetzter von einer versteckten Bombe zerfetzt...
Kurz nach diesem Ereignis, das die Neuankömmlinge durchaus unterschiedlich bewerten, kommt mit Sergeant Deeks (Alexander Skarsgård) ein neuer Vorgesetzter, dem der Ruf eines eisenharten Schleifers anhaftet. Geschickt nutzt Deeks die vorherrschende Spannung, um das Vertrauen der jungen Rekruten zu gewinnen, was ihm schon bald gelingt - schließlich braucht er eine zuverlässige Truppe bei den täglichen Erkundungsgängen in umliegende Dörfer, um dort (potentielle) Bombenleger ausfindig zu machen. Eines Tages während einer Patrouille bekommt Briggman mit, wie ein unbewaffneter Zivilist erschossen und diesem später eine Waffe in die Hand gedrückt wird. Briggmans Gewissen regt sich - doch auf seine Fragen erhält er nur ausweichende Standardsätze, die ihm nicht ausreichen. Als sich diese Vorfälle wiederholen, gerät er in einen tiefgreifenden Konflikt, ob das, was seine gleichaltrigen Kameraden und Deeks beiläufig abtun, so einfach hingenommen werden kann - und fragt per Satellitentelefon vorsichtig bei seinem Vater an. Der, in festem Glauben an Recht und Ordnung in der US-Army, rät ihm, anonym die Militärstrafverfolgungsbehörde zu unterrichten. Doch damit fängt für Briggman der Alptraum erst richtig an: Denn durch die beginnende Untersuchung vermuten die Kameraden einen Maulwurf in den eigenen Reihen, den sie unbedingt finden wollen...
Während das Cover eher auf einen konventionellen Kriegsfilm hindeutet, ist das 2019er Kill Team (Regisseur Dan Krauss hatte unter demselben Titel schon 2013 eine Doku zu dieser auf wahren Begebenheiten beruhenden Causa gedreht) vielmehr ein Psychodrama um einen jungen Rekruten, der an den Folgen seiner bewiesenen Zivilcourage schwer zu leiden hat. Beinahe ohne Action-Szenen beleuchtet der Film den immer stärker an Briggmans Nerven zehrenden Konflikt zwischen Loyalität und Korpsgeist einerseits und der inneren Empörung über kaltblütige Morde andererseits. Dabei stellt sich dem Zuschauer im übertragenen Sinn auch zunehmend die Frage nach einer möglichen Schuld des "Unbeteiligt Anwesenden, der nichts unternommen hat" - denn Briggman marschiert selten an der Spitze der Truppe und spielt bei den Morden zumindest vorerst keine aktive Rolle.
Sehr überzeugend tritt Alexander Skarsgård als mit allen Wassern gewaschener Sergeant auf, der seine Truppe auch mit ungewohnten Belohnungen bei Laune zu halten weiß: Daß alle jungen Rekruten nach Feierabend gerne Gras rauchen und sich zu dieser verbotenen Entspannung auf die Ladefläche eines bestimmten LKW zurückziehen, weiß er natürlich - aber als er sie dabei überrascht, folgen nicht etwa Disziplinarstrafen, sondern der Hinweis, wo es besonders guten Stoff gibt... Auch seine Grillparties, bei denen Deeks selbst am Rost steht und die Steaks mit wohlgesetzten Worten an seine Schützlinge verteilt, verfehlen ihre Wirkung nicht - besonders nicht, als Briggman ein solches Steak verweigert wird. Für ihn kommt es allerdings noch schlimmer, denn seine zunehmende Angst und Verunsicherung, die er kaum verbergen kann, fallen auch den Kameraden auf, die ihn teilweise damit aufziehen, was Briggman nicht immer richtig zu deuten weiß. Ihm geht der Arsch auf Grundeis, und als eines Tages der vermeintliche Verräter in Form eines lateinamerikanischen Rekruten gefunden scheint (der daraufhin krankenhausreif geprügelt wird), verschlimmert dies seinen Gemütszustand noch weiter...
Was The Kill Team bei all der Schilderung der psychologischen Auswirkungen des Kriegsalltags allerdings nicht tut, ist die Rolle der US-Army bei dieser ISAF-Mission auch nur irgendwie in Frage zu stellen - vielmehr arbeitet der Film das Bild eines menschlichen Monsters heraus, das als Einzeltäter handelt und - soviel sei verraten - am Ende auch bestraft wird. Fragen wie beispielsweise ob der Kriegsalltag durch die tägliche Konfrontation mit Sprengfallen und Heckenschützen nicht automatisch zur Verrohung der beteiligten GIs führt, bleiben nicht nur unbeantwortet, sondern werden erst gar nicht gestellt. Am Ende steht die US-Army als (vermeintlich) unerbittlich gerechte Instanz wieder unbefleckt da. In dieser Schluß-Erkenntnis unterscheidet sich das 2019er Kill Team von Brian De Palmas 2006er Redacted, der von derselben Thematik (Mord an Zivilisten, wenngleich im Irak) handelt - beiden Filmen gleich ist jedoch das beklemmende Gefühl und eine gewisse Frustration, die sich beim Zusehen einstellt und über das Filmende hinaus anhält.
Dan Krauss´ Exposition seiner früheren Dokumentation ist weder ein guter noch ein schlechter Film, vielleicht aber ein notwendiger Film, der seine bedrückende Geschichte mit den Mitteln eines Psycho-Thrillers ein wenig aufpeppt. Kein Antikriegsfilm, aber ein dennoch sehenswerter Genre-Beitrag: 7 Punkte.