Review

Alzheimermonster aus Alptraumanien


Nachdem die Gebrüder Pierce mit „Dead Heads“ der Zombiekomödie ein paar sympathische, wenn auch sicher nicht weltbewegende Facetten abknüpfen konnten, versuchen sie sich nun an einem deutlich trockeneren Gruselschocker über einen Teenager, der über den Sommer zu seinem (sich von der Mutter trennenden) Vater fährt und der dort miterlebt, dass die Nachbarsfrau und Familienmutter von einer Art Walddämon infiltriert wird - und das ist durchaus fleischlich und wortwörtlich zu nehmen, er klettert in die hinein... 

„The Wretched“ erinnert natürlich manchmal an „Fright Night“ in bierernst, an „It Follows“, „The Hole In The Ground“ oder auch „Lights Out“, doch seine Versatzstücke kombiniert und vermischt er zumindest so interessant und guckbar, dass man sich nie zu lange an die Vorbilder erinnert geschweige denn gelangweilt fühlt. Die Regisseursbrüder sind scheinbar Fans wie du und ich, wer mag ihnen da Anleihen und Inspirationen übel nehmen. Zudem sind sie sichtbar talentiert, motiviert, gut drauf, was sich überträgt! „The Wretched“ sieht sehr solide aus, die in Beschlag genommene „Nachbarsfrau“ und ihre Bewegungen sind sehr creepy (selbst wenn Mythologie, Powerlevels und „Regeln“ sehr schwammig erscheinen), die Balance aus modernen (verdienten!) Jumpscares und klassischem Unwohlsein kriegt einen Daumen hoch und das Ende ist genau so gemein, wie man es haben will. Das hat alles schon nostalgisches Flair, wirkt dabei aber dennoch völlig auf der Höhe der Zeit und sich nie an die Retromania anbiedernd oder einen damit erschlagend. Außerdem konnte ich genug mit unserem jugendlichen Helden anfangen, selbst wenn er im Ganzen charakterlich doch etwas blass bleibt, und es wirkte durch und durch wie ein netter VoD-Zwischensnack, der jederzeit 99 Cent wert ist. Für Horrorfans zumindest. Die praktischen Effekte, ein netter Twist und der coole Score sind definitiv auch noch im grünen Bereich. Ärgerlich, dass alles eben doch recht oberflächlich bleibt, manchmal gefühlt sogar unnötigerweise etwas Richtung Teeniepublikum zurückrudert. Aber wenn es momentan halt (noch) keine Genrefestivals gibt, holt man sie sich so häppchenweise nach Hause. Ein bisschen Trimmung in seiner Laufzeit, ein paar Gore- und Ekelausschläge mehr, fertig wäre noch mehr Spaß gewesen. So reicht es für gehobenen Durchschnitt, mit dem man wenig wirklich falsch machen kann. 

Fazit: gelungene Schauermär irgendwo zwischen einem dunkleren „Fright Night“ und „The Hallow“. Auch Fans des Comics „Wytches“ wird viel bekannt vorkommen. Kein neuer Klassiker, aber wenn sich erstmal alle Teile zusammengefunden haben, eine runde Sache aus beliebten Teilchen. Nicht toll, aber talentiert und wertig. Da kann man sofort verstehen, warum sich der griffige Hexengrusler über die Coronazeit in den Staaten zu einem echten Autokinoüberraschungshit gemausert hat! 

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