Vorbei die Zeiten, als Hexen noch wegen ihrer Haarfarbe oder dem Fernbleiben des Gottesdienstes verbrannt wurden. Vorbei jedoch auch die Zeiten, als Hexen zur Walpurgisnacht um den Blocksberg tanzten, denn sie haben sich der modernen Zeit angepasst.
Und so waren sich die Regiebrüder Pierce offenbar nicht ganz sicher, wohin der Hexentanz führen sollte.
Ben verbringt den Sommer bei Dad an einem einsam gelegenen Küstenort und hilft beim hiesigen Bootsverleih aus. Als Ben seine Nachbarn eingehender beobachtet, fällt ihm das sonderbare Verhalten des Nachbarsjungen auf, kurz danach das seiner Mutter…
Nach dem stimmungsvollen Einstieg anno 1985, als eine Babysitterin in eine Falle gelockt wird, geht es zu den wesentlichen Figuren, von denen Ben natürlich im Mittelpunkt steht: Frische Scheidung der Eltern, ein Arm in Gips, Ärger mit verzogenen Schnöseln beim Bootsverleih und ein vages Love Interest lassen den Siebzehnjährigen zunächst sympathisch erscheinen. Zumal der Junge bei merkwürdigen Begebenheiten beherzt zur Tat schreitet und etwa einen offenen Verschlag bei den Nachbarn untersucht, - im Verlauf glaubt ihm natürlich niemand mehr die zusammengetragenen Fakten.
Die Hexe selbst ist für das sichtlich überschaubare Budget recht effektvoll in Szene gesetzt, indem sie mehrheitlich im Hintergrund agiert und der Fokus auf einzelne Körperpartien wie Krallenhände gelegt wird. Jedoch verzettelt sich das Drehbuch recht früh. Zwischen vergessenen Seelen und Formen von Körperwanderung greift der Stoff diverse Versatzstücke auf und bindet sogar markante Merkmale von „Fenster zum Hof“ bzw. „Disturbia“ ein, was zumindest das Ausspionieren per Fernglas eines körperlich Beeinträchtigten erklärt. Bens Gipsarm hat ansonsten nämlich keine Funktion.
Bevor es im letzten Drittel zu einem erahnbaren Twist kommt, dümpelt die Chose eher mit einigen Belanglosigkeiten vor sich hin. Das Love Interest wird phasenweise gar völlig ignoriert und auch die Ärgermacher verschwinden gänzlich und ohne wirkliche Konsequenz.
Mit gelungen inszeniertem Body Horror vermag man kurzweilig Interesse zu schüren, ansonsten verläuft die Angelegenheit eher blutarm und ohne größere Schauwerte. Schnell verwelkende Blüten in Nähe der Hexe könnten diesbezüglich noch erwähnt werden.
Am Ende steht ein austauschbarer Hexenfilm, dem es an frischen Ideen und Suspense mangelt. Der zweckdienliche Score und die tauglichen Mimen retten da nicht mehr viel und somit punktet die Hexe von nebenan zwar auf optischer Ebene, doch erzählerisch ist das reichlich mau und zuweilen unausgegoren.
4,5 von 10