Review

Proteinpowered Friendship

Kelly Reichardts ungewöhnlicher Arthouse-Western über Männer, Freundschaft und Kühe kam hier erst über zwei Jahre nach seiner Premiere sehr kurz und pandemiegebeutelt in die Kinos - nun konnte ich ihn auf MUBI endlich nachholen. Erzählt wird hier extrem natürlich, behutsam und entschleunigt von zwei sehr verschiedenen Männern, die zusammen eine freundliche Kuh entdecken und köstlichen Kuchen backen… 

Milch macht müdes Männermiteinander

„First Cow“ ist ein Western, wie ich ihn ehrlich gesagt noch nie auch nur ansatzweise gesehen habe. Er ist ruhig und hat wenig Spannung oder Stress, wenig Reibung oder Konflikte. Er zeigt kaum erhabene Landschaften und sieht dennoch spektakulär aus. Er wird über zwei Zeitepochen erzählt und findet im Grunde aber nur auf einer statt. Es geht um Milch und Gebäck, es geht um Männer und Freundschaft, es geht um Geld und Wirtschaft, es geht um die Zwiespältigkeit und Ursprünge der USA. Es gibt frische Gesichter und Männer, denen man endlich mal größere Rollen gönnt. Es ist süß und warm, aber doch traurig und tödlich. Und „First Cow“ hat eine Ruhe, Gelassenheit, Aura und Sogkraft, die man (gerade bei dieser Schnittgeschwindigkeit!) enorm selten erlebt. Er hat mich vollkommen in seine Welt gezogen. Er hat mich fasziniert und verändert. Und das schaffen nur sehr wenige, nur sehr gute Filme! 

Fazit: sehr langsam aber genauso hypnotisch und faszinierend gut. „First Cow“ hat heute zu oft verloren geglaubte Qualitäten, die auf keine Kuhhaut gehen… Ein anormaler „Western“. Mit genug Geduld gibt’s enormen Payoff. Runde Reise. 

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