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"Dreamcatcher" ist eine Geschichte, die so ausgiebig in alten Stephen-King-Romanen klaut, wie das wohl nur der Meister selber darf. Wer schon "Es" nicht mochte (die Verfilmung mit der großartigen jungen Emily Perkins ist allerdings sehr sehenswert), wird mit dieser Geschichte zunächst bestimmt nicht glücklich. Da sind erst mal mehrere Männer, die Gedanken lesen können. Mit den sich daraus ergebenden Pointen lässt sich schon mal eine Viertelstunde Film füllen, ohne für den späteren Handlungsverlauf von irgendeiner Bedeutung zu sein. Später erfährt man: Ein paar Jungs aus der Kleinstadt Derry im Bundesstaat Maine (wir erinnern uns: wo schon "Es" spielte) sind durch ein Kindheitserlebnis verbunden und stehen noch heute in enger Beziehung. Das kennt man ja nun auch schon. Wir erleben dann ein paar Männer, die sich in gemütlicher Runde anzügliches Zeug erzählen. Wie man es von Stephen King kennt, wird dabei auch vor unappetitlichen Themen nicht halt gemacht, was einfach nur platt und überflüssig wirkt.

Rückblende: Die Knaben retten in ihrer Kindheit einen Jungen namens Douglas, der seinen Namen wegen einer Sprachstörung nur "Duddits" auszusprechen vermag. Der Knabe verleiht ihnen die Fähigkeit des Gedankenlesens. Das Potenzial für Sentimentalitäten, das sich aus der geistigen Behinderung von "Duddits" ergibt, wird reichlich ausgeschlachtet. Bezeichnend für die Art des Films bzw. seiner sozial-rührseligen Seite ist die Nahaufnahme der vollgemachten Unterhose von "Duddits", als dieser von den Freunden gerettet wird. Wie auch bei der Lektüre von Kings Texten erscheint dieses Übermaß an Naturalismen, der unverhaltene Blick unter die Gürtellinie als sinnlose Bemühung um eine totale und ungeschönte Erfassung menschlicher Existenz, die keiner braucht. Später hat "Duddits" dann auch noch Leukämie und liegt in den letzten Zügen. Hier wird einfach nur platt an die Emotionen des Zuschauers appelliert, um alles noch ein bisschen dramatischer zu gestalten.

In diesem Stil geht es weiter. Die Menschen in der Umgebung des Waldhauses, in dem sich die Männer getroffen haben, werden von einer geheimnisvollen Epidemie erfasst, die sich zunächst einmal in einem Hautausschlag sowie in ständigem Rülpsen und Furzen auswirkt. Jegliche Horroratmosphäre bleibt bei solch fragwürdigen Einfällen außen vor, die eher an aktuelle Parodienreihen wie "Scary Movie" 1-4 erinnern als an thematisch verwandte Darstellungen wie aus der Serie "X-Files" und ähnliche mögliche Vorbilder.

Der Horror beginnt dann, nachdem der Film schon eine geraume Zeit läuft, mit einer auch nicht besonders geschmackvollen Toilettenszene. Mit dieser beginnt die Geschichte einer außerirdischen Invasion, die mit dem ganzen Hin und Her um das Gedankenlesen und diesen Kindheitskram kaum in Zusammenhang steht. Es gibt nur ein paar mehr zufällige Berührungspunkte, von denen abgesehen letztlich zwei verschiedene Handlungen im Film stattfinden. Die jetzt beginnende, zwar trivialere, aber weniger verkorkste von beiden Geschichten, ist, für sich gesehen, akzeptabler Außerirdischen-Horror mit nett-ekligen und recht echt wirkenden Kreaturen, die ab und zu Menschen dieses oder jenes abbeißen und von einem ergrauten Morgan Freeman im Hubschrauber gejagt werden.

Wenn man lediglich die Außerirdischen-Geschichte umgesetzt hätte und bei den Kreaturen noch mehr ins Detail gegangen wäre, hätten 90 Minuten anständiger Ekelhorror draus werden können. Aber so hat man zwei parallele Erzählungen, von denen eine lediglich alte Motive aus Kings Erzählkiste neu aufwärmt und zudem Elemente aufweist, die niemals richtig erläutert werden, z. B. einen riesigen Archivturm, in dem sozusagen die Erinnerungen der Hauptfiguren aufbewahrt werden und in dem die Abkürzung "SSDD" eine nicht klar werdende Rolle spielt.

Eine Konzentration auf den vorhandenen soliden Horror wäre besser gewesen als dieser von nicht erfüllten Ansprüchen durchsetzte Möchtegern-Mysterienstreifen. Insgesamt nur Durchschnitt.

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