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Stephen King schrieb den Roman "Duddits" von Hand, weil ihm zuvor ein Autounfall schwer zusetzte. Es wurde im Jahr 2001 veröffentlicht, die Verfilmung ließ also nur zwei Jahre auf sich warten. Die Bücher des Kultautors waren schon immer eine Goldgrube für die Filmwelt, obwohl sie meist nicht mal ansatzweise die Qualität seiner Vorlage erreichen, geschweige denn zahlreichen Änderungen erlagen. Im Fall "Dreamcatcher" trifft das auch zu, dabei hätte man sich von erfahrenen Leuten wie William Goldman (Absolute Power, Der Marathon Mann) und Lawrence Kasdan (Jäger des verlorenen Schatzes, Silverado) mehr gewünscht als ein überlanger und unentschlossener Mix aus Horror, Action und teilweise unpassenden Humor.

Im Kindesalter nahmen Henry (Thomas Jane), Beaver (Jason Lee), Jonesy (Damian Lewis) und Pete (Timothy Olyphant) den geistig behinderten Duddits (Donnie Wahlberg) vor einigen Mitschülern in Schutz, dafür gab er allen eine gewisse Gabe. In der Gegenwart besuchen sie zum zwanzigsten Mal eine kleine Hütte in den verschneiten Wäldern, um dort zusammen ein Wochenende zu verbringen. Doch sie haben ja keine Ahnung, dass in der Nähe Ausserirdische eine Bruchlandung hingelegt haben und der größenwahnsinnige Colonel Curtis (Morgan Freeman) mit seiner Spezialeinheit das ganze Gebiet unter Quarantäne gestellt hat. Während Pete und Henry mit dem Auto einen Unfall haben, müssen sich Beaver und Jonesy mit einem Mann herumärgern, der sich angeblich im Wald verirrt hat. Doch er dient nur als Wirt und auch Jonesys Körper wird bald von einem Ausserirdischen kontrolliert. Henry kann sich mit Owen (Tom Sizemore), aus Curtis Spezialeinheit, verbünden. Um die Ausserirdischen aufzuhalten, kann ihnen nur noch Duddits helfen.

Es ist sehr schwierig Kings umfangreiche Werke plausibel in einen Film zu packen. Obwohl "Dreamcatcher" schon die zwei Stunden Marke knackt, muss man gewisse Elemente des Films ganz weglassen oder derart zusammenkürzen, dass sogar Logiklücken daraus entstehen. So gibt es auch die vier Hauptcharaktere im Schnellverfahren, alle mit einer gewissen Gabe versehen, die sie damals von Duddits erhielten. In Rückblenden wird gezeigt, wie sie Duddits damals retteten oder mit Hilfe ihrer erhaltenen Gabe das vermisste Mädchen fanden. Leider alles im Schnelldurchlauf, aber ohne richtig zu fesseln. Auch scheint diese Gabe manchmal mehr Fluch als Segen zu sein, wenn Psychologe Henry einen seiner Patienten verärgert, Beaver schon das Unheil voraus sieht und Jonesy vor ein Auto läuft weil er Duddits angeblich gesehen hat. Nur Pete ergattert sich ein Date, weil er die verschwundenen Autoschlüssel einer Kundin aufspürt. Man muss "Dreamcatcher" mindestens eine halbe Stunde Zeit lassen, bis das Grauen Einlass erhält, vorher bekommen wir noch Einblicke in das jährliche Treffen auf der einsamen Waldhütte, man reißt Witze, trinkt reichlich einen über den Durst und erinnert sich an alte Zeiten. Als sich die Gruppe schließlich trennt, Pete und Henry fahren zum Einkaufen vor dem aufkommenden Schneesturm, Beaver und Jonesy bleiben in der Hütte, darf das Unheil endlich beginnen. Ein furzender und rülpsender Mann mit angeschwollener Wampe taucht plötzlich an der Hütte auf, das verheißt nichts Gutes, aber wer ahnt schon, dass ihm gleich ein Aal-ähnliches Monster aus dem Arschloch kriecht. Hier darf es dann auch spannend werden, wozu die gut dargestellte Abgeschiedenheit in der verschneiten Waldlandschaft viel beiträgt. Wie üblich kommt das Grauen nämlich durch die Hintertüre geschlichen

Währenddessen stellt Curtis mit seiner Spezialeinheit alles unter Quarantäne, alle scheinbar Infizierten werden zusammengepfercht. Jedoch will man die Ausserirdischen nicht so recht verstehen, denn da gibt es verschiedene Formen die gar nicht zusammenpassen. Einmal die großen, welche vom menschlichen Körper Besitz ergreifen können, in dem sie sich in roten Staub, von Curtis als "Ripley" bezeichnet, verwandeln können. Dann diese übergroßen Würmer, welche aus dem menschlichen Körper herauskommen und sogleich Eier legen. Irgendwie etwas unstimmig, auch hat man sich oft nicht mal die Mühe gemacht Animationen aus dem Weg zu gehen. So ist auch "Dreamcatcher" eine einzige CGI-Orgie, besonders beim Angriff auf das ausserirdische Raumschiff. Warum sprengen sie dies eigentlich selbst in die Luft, wenn sie doch die Erde besetzen wollen? Das Ableben von Beaver und Pete ist dem Zuschauer leider auch ziemlich schnuppe, Jonseys Körper ist von einem Ausserirdischen (Mr. Grey) besessen, der hat sich in sein Gedankenlager zurückgezogen und versucht dagegen anzukämpfen. So ist Duddits der letzte Ausweg und was man aus dem Finale gemacht hat, grenzt schon an einer Frechheit. Da kann auch Morgan Freeman als wahnsinnig gewordener Curtis mit überdimensionalen Augenbrauen nichts mehr reißen. Die Darsteller leisten gute Arbeit, allen voran Donnie Wahlberg, denn um solch eine Rolle wie den Duddits zu verkörpern, da gehört schon etwas dazu.

Einerseits überlang, andererseits mangelt es an Erklärungen und zahlreiche wichtige Elemente werden hier nur kurz abgehandelt oder gar nur angeschnitten. Für mich ein höchst durchschnittliches Vergnügen mit wenig spannenden Momenten, ein paar Ekeleffekten und ordentlichen Darstellern. Leider auch mit viel CGI versehen und das Finale soll wohl ein schlechter Scherz sein.

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