Von gammeligen Viechern aus fernen Welten...
Stephen Kings neue Geschichte "Dreamcatcher" hatte mal wieder das Glück, verfilmt zu werden. Was entstand, ist leider nur ein mittelmäßiger Mainstream-Horror ohne viel Biss, der mit guten Einfällen beginnt, aber dann immer mehr in eine unglaubwürdige, aus Versatzstücken zusammengeflickte Story mündet.
Der Film beginnt mit der obligatorischen King-typischen Exposition der Charaktere. In kurzen Sequenzen werden die vier Freunde vorgestellt, sowie ihre telepathischen Gaben, die sie seit ihrer Kindheit haben. King-Leser fallen sofort Bezüge zu anderen Geschichten auf, von "Es" bis "Sarah".
Als sie dann ihren regelmäßigen Ausflug in eine alte Holzhütte in (wer hätte es gedacht?) Maine starten, und auch davor, passieren auf Einmal seltsame Dinge - etwas Großes scheint sich anzubahnen. Währenddessen bekommen wir sukzessive Aufklärung über die Fähigkeiten der Freunde, die sie von einem geistig behinderten Jungen bekamen, als sie selbst noch jung waren (siehe "Es").
Wie die Story weitergeht kann man sich in etwa denken, da sie wirklich nur noch ein reines Zitieren alter King-Romane und ein Verwurschteln typischer Elemente zu einem kruden SF-Horror-Mix ist. Eine Art Seuche breitet sich über das Waldgebiet aus und seltsame Monster-/Würmerwesen wachsen heran, während wieder einmal eine mystische böse Macht, hier halt mal ein Außerirdischer, versucht, die Menschheit zu vernichten...
Bis zu dem Punkt mit der Seuche bleibt "Dreamcatcher " ein recht ansehnlicher, vielversprechender Thriller mit einigen wirklich originellen Ideen (WC-Szene) und den beliebten, gut ausgearbeiteten Stephen-King-Charakteren mit ihren skurrilen Macken und mit werkgetreuen, gewitzten Dialogen und Situationen. Der Humor ist gut eingearbeitet und wirkt nicht unpassend, der Horror-Teil wird am Anfang noch eher zurückgehalten.
Als dann allerdings die weltumgreifende Storykomponente zuschlägt, verfilzt sich der Film in den Genreklischees und verliert beträchtlich an beklemmender Gruselstimmung. Der verrückte Colonel, die Militäreinsätze gegen die Alien-Viecher, die Reduktion auf den epischen Kampf Gut gegen Böse und eben diese gammeligen CG-Würmer mit parasitärem Verhalten bilden den roten Faden durch eine von nun an unglaubwürdige, aufgesetzte und undynamische Handlung. Man wartet gespannt auf das voraussehbare Finale, damit man endlich heimgehen kann.
Man merkt regelrecht, dass King langsam die Ideen ausgehen und die Produktion des Filmes eher unausgegoren war. Als Kenner der anderen Romane sieht man nichts neues, alles ist schon mal irgendwie dagewesen. Was das Storykonzept angeht, wäre weniger mehr gewesen. Hätte man den kleineren Rahmen, wie er am Anfang existierte, ohne die zur Zeit in Mode gekommene Gigantomanie weitergeführt, so wäre "Dreamcatcher" vielleicht ein guter Horrorfilm geworden und nicht das Popcorn-Action-Alien-Movie. Gute Ansätze gab es allemal, z.B. die originelle Visualisierung der von King oft eingesetzten Gedankenkämpfe und Denkmechanismen (mit dem eingesperrten Kerl in "seiner" Hütte, der durchs Fenster das Geschehen beobachtet), oder die zwischen Situationskomik und böser Vorahnung schwankende Szene mit dem verseuchten Wanderer, der ständig pfurzt, rülpst und schwitzt.
Leider, leider, leider hat sich der Großmeister des Horrors hiermit seinen filmischen Erfolg verbaut und zeigt zudem noch Abnutzungserscheinungen. 5/10 (vor allem für den Anfang)