Ich habe (zunächst) den Roman gelesen und (dann) die Verfilmung gesehen, eine Reihenfolge, in der bei Filmadaptionen der Werke Stephen Kings die Kritiken zu den Filmen sich oftmals als ganz besonders schlecht erweisen.
Ich selbst kenne nur ausgesprochen wenige Ausnahmen, in welchen sich die Verfilmung mit dem Roman - vorausgesetzt man kennt ihn - messen kann.
Auf "Dreamcatcher" als Verfilmung des King-Werkes "Duddits" trifft dies aber in absolut keiner Weise zu.
Als gesonderten Film kann ich aber - wie eingangs angemerkt wurde - "Dreamcatcher" nicht beurteilen, sondern habe ihn nur als Umsetzung des zuvor gelesenen Romans kennengelernt. Zwischenfügen muß ich noch, daß ich "Duddits" nicht unbedingt für einen gelungenen und innovativen Roman Kings halte, zumindest stammen bessere aus der Feder des Autors.
Die Verfilmung hat aber ihre ganz eigenen Schwächen :
Krampfhaft wurde in der ersten Hälfte des Films versucht, nicht nur sämtliche Handlungsstränge des Romans einzubeziehen, sondern es wurde hier sogar der Roman teilweise wortgetreu umgesetzt.
Obwohl eine Verfilmung einem immer wesentlich zeitlich gedrungenerem Rahmen unterliegen muß als das schriftliche Original, finden wir hier nahezu das kleinste Ankedötchen der vier Freunde aus dem Roman wieder.
Keiner der Schauspieler wirkt hierbei besonders herausragend.
Dann aber, ich möchte sagen im "aktionshaltigen" Teil des Romans, wird die Geschichte beinahe willkürlich verkürzt, manipuliert und die Charaktere variiert.
Abraham Kurtz, der in diesem Teil erstmals auftritt, erfährt im Film keine tiefgreifende Darstellung. Die Figur "Curtis" ist von Freeman in dem eingeschränkten Rahmen einfach nur noch klischeehaft und oberflächlich umgesetzt worden.
Ganze Charaktere (Perlmutter usw.) und Handlungsstränge (Besuch Jonesy`s in der Imbißstube u.a.) fallen plötzlich weg.
Nun zu den schwerwiegenden Mängeln des Films :
Der Konflikt zwischen "Mr. Gray" und Jonesy -
Kernstück des Buches - wird stark eingeengt. "Mr. Gray" wird ein einziges mal in Form einer (schlechten) Computeranimation gezeigt, die wichtigen Szenen im irrealen Krankenhaus entfallen. Die Beziehung zwischen Gray - Jonesy sollten allein im Selbstgespräch von Damian Lewis dargstellt werden, der m. E. einer derartigen schauspielerischen Herausforderung nicht gewachsen war.
Die sporadisch eingefügten Szenen im "Gedächtnissaal" wirken einfach nur wie ein Notbehelf und ich bezweifle, daß ein Zuschauer ohne Lektüre des Romans nachvollziehen kann, was das eigentlich bedeuten soll!
Die Titelfigur des Romans, "Duddits", erscheint zumindest im Film als ausgesprochen überflüssig und zudem geradezu lächerlich umgesetzt.
Das in wenigen Minuten anbei eingefügte und abgewandelte Ende von "Curtis" wirkt wiederum so, als sei es nur deswegen vorhanden, da der Filmschurke obligatorisch und dazu möglichst spektakulär umkommen muß.
Über den Schlußgag des Films, der im Buch überhaupt nicht vorkommt, hülle ich mich in Schweigen.
Fazit : Wer den Film schätzt, sollte das Buch meiden und umgekehrt.
Ein Rätsel ist mir, warum King die eigenständige und gelungene Kubrick-Verfilmung von "The Shining" ablehnt hat, mit "Dreamcatcher" hingegen ausgesprochen zufrieden gewesen sein soll.
Liebt der Autor nämlich grundsätzlich nur werkgetreue Umsetzungen, dann haben wir doch gerade in dem Punkt ein entscheidendes Manko bei "Dreamcatcher" festzustellen.