Review

Achtung, Spoiler

Ich mag Stephen Kings Romane, manche davon liebe ich geradezu. »Duddits« (im Original »Dreamcatcher«) ist so ein Buch, das man einfach lieben muss. Vier Freunde, die seit ihrer Kindheit durch einen geistig behinderten Freund in der Lage sind, Telepathie zu nutzen, sehen sich während eines Jagdausflugs plötzlich einer Invasion außerirdischer Sporen und einem durchgeknallten Militär-General gegenüber. Im Buch spielt sich ein großer Teil der Dialoge im Kopf der Figuren ab und ständige Rückblenden geben Aufschluss über ihre komplexe Vergangenheit. So sehr ich das über 750-seitige Buch auch verschlungen habe, so sehr hasse ich den Film. Trotz der imposanten Laufzeit von über 130 Minuten funktioniert nur die erste Hälfte dieser Zelluloidverschwendung. Das ist ironischerweise der eher ruhige Teil, in dem die Figuren Henry, Jonesy, Pete und Biber vorgestellt werden und einer der Freunde ins Gras beißt. Ab dieser Stelle wirkt der Film arg gehetzt und die Drehbuchautoren haben sichtlich erfolglos versucht, knapp 400 Seiten in etwa 50 Filmminuten unterzubringen. Damit das klappt, wurde die spannende Verfolgungsjagd des Romans, während der die Telepathie zu einem wichtigen Element wird, auf eine plumpe Hetzjagd zusammengestutzt. Im Original sucht der besessene Jonesy ein Wasserreservoire, wird von Henry, dem Soldaten Owen und Duddits verfolgt, hinter denen wiederum General Kurtz (nicht Curtis, wie im Film!) mit einem Trupp ebenfalls infizierter und telepathisch begabter her ist. Der Film reduziert das alles auf eine unspektakuläre Autofahrt, während der Henry und Owen den für die Story ziemlich sinnlosen Duddits abholen, und zum Stausee fahren, um Jonesy aufzuhalten. General Curtis verfolgt sie mithilfe eines Peilsenders per Hubschrauber und ist irgendwie keine bedrohliche Gestalt wie im Buch, sondern ein völlig fehlbesetzter Morgan Freeman, der zum chargieren neigt. Da die Drehbuchautoren die eigentliche Hauptperson des Buches, Duddits, nicht völlig aus dem Film ausklammern konnten, haben sie sich einen »genialen« Clou ausgedacht, der den mongoloiden Duddits kurzerhand zu einem schlecht getricksten Außerirdischen macht. Mir blieb beim Anschauen die Sprache weg angesichts dieser Vergewaltigung einer genialen Romanfigur! Auch die innere Zerrissenheit des von den Sporen besessenen Jonesy kommt im Film nicht richtig zum Tragen: Zwar sieht das Büro, in das er sich zurückzieht, in etwa so aus, wie man es sich vorstellt, dafür fehlen die Gelüste und die Boshaftigkeit des Aliens in ihm völlig. Selbst die Morde, die er verübt, wurden zugunsten der Effekte abgeändert. Wo sich Jonesy im Film nämlich total unglaubwürdig in ein riesiges Maul verwandelt, tötet er seine Opfer in der Vorlage per Telepathie. Wenn es einen Stoff gibt, für den die TV-Miniserie erfunden wurde, dann ist es »Dreamcatcher«. Es tut mir in der Seele weh, zu sehen, wie ein eigentlich fähiger Regisseur versucht, einen 4 bis 6 Stunden-Film auf magere 130 Minuten zu trimmen. Der völlig neu geschriebene Showdown gehört sogar noch zu den kleineren Übeln, wenn man sich vor Augen führt, wie lebendig die Figuren im Buch wirkten, und was davon bei der optisch durchaus ansehnlichen Adaption übrig blieb.

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