Review

Von dem routinierten Mainstream-Regisseur Lawrence Kasdan betreut, ist „Dreamcachter“ die neueste Stephen King Verfilmung.
In der Einführung lernen wir die vier Freunde Henry Devlin (Thomas Jane), Gary ’Jonesy’ Jones (Damian Lewis), Pete Moore (Timothy Olyphant) und Joe ’Beaver’ Clarendon (Jason Lee) kennen, die alle eines gemeinsam haben: Alle kennen einen geheimnisvollen Duddits und haben leicht übersinnliche Fähigkeiten, können z.B. Gedanken lesen und verlorene Dinge wiederfinden. Dann wird Jonesy bei einem Verkehrsunfall beinahe getötet. Mit dem recht langen Beginn führt Kasdan seine Charaktere ein und legt auch gleich ein paar der King-typischen Fährten aus, die erst im Laufe des Films geklärt werden.
Sechs Monate später treffen sich die vier in einer Hütte und reden über alte Zeiten, wobei man mehr über sie selbst und Duddits erfährt. Dieser war ein geistig behinderter, liebenswerter Junge, den sie im Kindesalter kennen lernten. So verläuft der Film auch anfangs über eine recht lange Strecke als Film über Freundschaft, der sowohl komische als auch dramatische Aspekte hat.

Doch dann finden Beaver und Jonesy einen erkrankten Wanderer im Wald und bringen ihn in die Hütte. Parallel stoßen Henry und Pete auf eine mit ihm bekannte Frau, die unter derselben Infektion leidet. Bald geschehen geheimnisvolle Dinge: Der Jäger verändert sich, die Tiere fliehen aus dem Wald und das Militär kreuzt auf. Bald stellt sich heraus, dass die Infektion Teil einer Alien-Invasion ist...
Wie schon von vielerlei Seite bemängelt wurde: „Dreamcatcher“ leidet unter der entschlossenen Genrevielfalt. Anfangs ein Freundschaftsfilm mit Anleihen bei „Stand by me“, danach ein wenig gepflegter Mysterygrusel und in der zweiten Hälfte ein Monsterfilm mit Anleihen bei „Alien“, „Nacht der Creeps“ und „Octalus“. Dabei ist vor allem der Monsterteil stellenweise schwach: Die Monstereffekte scheinen teilweise Trash mit Hollywoodbudget zu sein und die Actionszenen sind unmotiviert eingestreut: Eine Attacke mit Anleihen bei „Independance Day“ fast komplett aus dem PC und kurz Schluss ein B-Action-mäßiges Duell Mensch gegen Heli. Leider können diese Szenen auch den Actionfan nicht wirklich begeistern, da nicht allzu mitreißend inszeniert. Achja: Zwischendurch wird noch ein wenig „Outbreak" beklaut.
Auch die Szene auf dem Klo wirkt eher lächerlich: Nachdem das Monster ausgeschissen (!!!) wurde (ja hier schlüpfen die Tierchen mal anders), kann es zwar im Klo eingeschlossen werden. Und obwohl er gar fürchterlich gegen den Deckel bolzt, beugt sich der drauf sitzende Beaver, der es so gefangen hält, vor, nur um nach einem Zahnstocher zu greifen (er kaut die Dinger zur Beruhigung). Natürlich haben er und Jonesy vorher das Bad durchsucht statt lieber die Kurve zu kratzen, lange Reden geschwungen, wie sehr sie sich beeilen müssen (Jonesy kehrt sogar noch mal zurück *murharhar*) und natürlich findet Jonesy auch im Schuppen alles andere, nur nicht das lebensrettende Klebeband.

Doch zur Verteidigung muss man sagen, dass oben angesprochene Szene, die schwächste Szene im Film ist. Denn die bedrohliche verschneite Atmosphäre hat Lawrence Kasdan sehr überzeugend eingefangen und schafft viel Flair. Auch der Freundschaftspart ist sehr gelungen, so dass man es fast bedauert, wenn der Monsterpart beginnt. Auch die Figurenzeichnung ist sehr sorgfältig; mit allen Charakteren sympathisiert man. Und die Figur des Duddits ist dermaßen liebenswert, dass selbst Forrest Gump neben im wie ein fieser Schlägertyp aussieht.
Die Effekte sind eher trashig, aber im Großen und Ganzen gelungen. Lediglich ein paar Kreaturenanimationen sind schlecht, nur schlechte CGI-Effekte haben nicht den Charme schlechter Plastikmonster. Dennoch fallen die Effekte aufgrund der soliden Spannungskurve nicht stark ins Gewicht. Auch einige Ideen sind recht neu und interessant, z.B. wenn die Vorgänge im Kopf eines Charakters bildlich dargestellt werden, auch wenn es anfangs etwas befremdlich wirkt. Auch eine Abwechslung die Tatsache, dass das Militär die Bedrohung mal kennt, und sogar schon seit Jahren im Verborgenen effektiv bekämpft.
Die Schauspieler sind allesamt sehr gut, vor allem die vier Hauptdarsteller sind sehr überzeugend. Lediglich Morgan Freeman als durchgeknallter Colonel Kurtz (was eine Anspielung) bleibt arg hinter anderen Leistungen seiner Karriere zurück. Die Nebendarsteller wie z.B. Tom Sizemore und Donnie Wahlberg hingegen sind wieder wirklich klasse.

„Dreamcatcher“ ist ein annehmbarer Film mit guten Darstellerleistungen, schöner Winteratmosphäre und gelungenen Momenten, aber auch einigen lächerlichen Momenten, einer unentschlossenen Genrevielfalt und etwas Trasheinschlag.

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