Review

Stephen-King-Verfilmungen differieren in der Regel stark in punkto Qualität und Umsetzung. Während sich „Es“, „Die Verurteilten“, „Friedhof der Kuscheltiere“ oder neuerdings „The Green Mile“ zu Klassikern entwickelten, haben Filme wie beispielsweise „Haus der Verdammnis“ oder „Langoliers“ enttäuscht. „Dreamcatcher“ ist eindeutig eher der letzteren Kategorie zuzurechnen.

Schade, denn eigentlich beginnt alles so viel versprechend:
Die vier Freunde Beaver (Jason Lee), Jonsey (Damian Lewis), Pete (Timothy Olyphant) und Henry (Thomas Jane) sind alle mit übernatürlichen Fähigkeiten gesegnet; sie können Dinge prophezeien und Ereignisse präzise reflektieren. Alles steht offenbar im Zusammenhang mit dem mysteriösen, behinderten „Duddits“, den sie als Kind aus einer unguten Situation retteten und seither eine Freundschaft aufgebaut haben. „Duddits“ verfügt über außergewöhnliche Fähigkeiten, die er seinen Freunden teilweise übertragen hat. Den Ereignissen folgt ein Unfall, in dem Jonsey involviert ist und lebensbedrohlich verletzt wird. Und Schnitt!
6 Monate später sind alle 4 Hauptpersonen bei ihrem jährlichen Ausflug in einer verschneiten Waldhütte im US-Bundesstaat Maine zu sehen. Durch witzige, teilweise derbe Dialoge und einer gemütlichen Atmosphäre wird die Stimmung aufgelockert, wobei gleichzeitig die Spannung gekonnt aufgebaut wird, da diese Szenen einem „dead point“ gleichen.

Der Übergang folgt abrupt und ungeschickt. Von diesem Zeitpunkt an verliert der Film auch sehr an Qualität und rutscht in tiefe Regionen ab. Während es im ersten Teil des Films gelingt, die Charakterisierung der Hauptpersonen mit Hilfe von Gesprächen und diversen Situationen zu vertiefen sowie das Interesse an der Story zu wecken und einen Spannungsbogen aufzubauen, überstürzen sich anschließend unkontrolliert die Ereignisse. Aliens belagern den Wald, verseuchen das Gebiet mit einem Pilz und setzen Larven frei, die sich in Menschen einnisten und zu grotesk anmutenden Würmern mutieren. Eine spezialisierte Einheit der US-Armee nimmt sich dieser Probleme an.
Dinge nehmen einfach ihren Lauf und warum dies so geschieht, wird nie oder oberflächlich erklärt, so dass die Erläuterung des Hintergrunds dieser Ereignisse unausgereift ist und den Betrachter mit Fragen konfrontiert. Grundsätzlich ist es natürlich wünschenswert, wenn ein Filme den Zuseher zum Denken anregt, aber konkrete Fragen in Bezug auf die Larven, Aliens, Seuche oder die Spezialeinheit bleiben schlichtweg ungeklärt und aufgrund dessen existiert keine Grundlage, um diese beantworten zu können.
Es entsteht der Eindruck, dass zu viele Details der Vorlage verfilmt wurden und daher keine Zeit für genaue Erläuterungen der essenziellen Punkte übrig war. Diese These unterstützt die Verfilmung vieler Handlungen und Einzelheiten, die absolut überflüssig wirken und keine Bedeutung für den weiteren Verlauf des Plots haben. Der Regisseur hat es versäumt Prioritäten zu setzen und daher wirkt dieser Part unausgegoren.
Zwischenzeitlich gelingt es zwar einige Geschehnisse, vor allem in Bezug auf Duddits, schlüssig zu erläutern und einen Bezug zur Gesamtsituation herzustellen, aber letztendlich sind diese Momente sehr selten. Vereinzelt treten auch Spannungsphasen auf, wobei trotzdem generell das Überraschungsmoment fehlt.

Das forciert wirkende Ende ist gleichermaßen platt und blass wie Freeman und Sizemore, die nebenbei noch ein für die Handlung völlig unwichtiges, privates Duell zwischen Colonel und Handlanger austragen dürfen.
Speziell Morgan Freeman hat seine Rollen schon wesentlich überzeugender verkörpert. Es ist schade, dass er anscheinend die Lust verliert und die Schauspielerei nur noch als Mittel zum Zweck ansieht. Die 4 unbekannten Protagonisten inszenieren ihre Charaktere dagegen ganz ordentlich, obgleich sie in dramatischen Szenen oftmals die Ernsthaftigkeit vermissen lassen, weil deren Gestik und Mimik affektiert wirkt.

Mehr kann eben doch manchmal zu viel sein, vor allem wenn trotz der Verarbeitung vieler Details wesentliche Punkte nicht erläutert werden. Das Problem von „Dreamcatcher“ ist, dass der Film als Ganzes oder als Gesamtwerk nicht funktioniert. Nur die gute Optik, der ansprechende Anfang sowie die durch eine passende musikalische Untermalung inszenierte, düstere Atmosphäre retten die Romanverfilmung vor einer Katastrophe. (4,5/10)

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