Nein, es ist sicher nicht oscarverdächtig was Kelley Cauthen in seinem Film "Personnals II: CasualSex.com" (der deutsche Titel "Spontansex.com - Heiße Dates aus dem Internet" ist mal wieder eine absolute sprachliche Zumutung und wird dem Film dann auch nicht gerecht) dem geneigten Genrefreund so anbietet. Aber es ist doch, in den Grenzen des Genres gesehen, überdurchschnittlich.
Die Geschichte die hier erzählt wird ist nicht wirklich aufregend aber dem Drehbuch gelingt es doch erstaunlich viel daraus zu ziehen und durchaus zur Unterhaltung beizutragen. Vieles hebt den Film von den üblichen Genre-Standarts denn auch ab: Die Playboy/Imagine-Produktion setzt nicht auf die gelackte digitale Pornofilm-Optik die, zumindest mir, ja so häufig die Stimmung verdirbt. Vielmehr wird hier recht unaufdringlich und glaubwürdig der (gehobene) Alltag eines amerikanischen Büros und dessen Umfeldes nachgebildet. Die Sets und Kostüme wirken gezielt und detailreich ausgestattet und tragen so die, im Grund simple, Story.
Der grösste Pluspunkt des Films sind allerdings die Darsteller (zumindest die meisten bewegen sich deutlich über Genrestandards) und besonders die Hauptdarstellerin: Beverly Lynne überzeugt in der Rolle der, auf der Suche nach der Liebe befindlichen, Jessie in einer Art und Weise das man sich schon fragt wie es kommt, dass sie nie den Sprung in eine Mainstream-Hollywood Produktion geschaftt hat. Neben der Hauptdarstellerin ist noch Candace Washington, in der Rolle von Jessies sportverrückter Arbeitskollegin, besonders positv herauszuheben.
Für einen Film dieses Genres ungewöhnlich wird durchaus eine Charakterzeichnung der Jessie vorgenommen so das man mit ihr mitfühlen kann und ihr das Happy-End wünscht. Das dieses am Ende dann, mit der Entdeckung der wahren romantischen Liebe, auch noch tatsächlich eintritt darf dann wohl auch als eine seltene Stellungnahme im Rahmen eines Softcore-Erotik-Films angesehen werden.
Die Sexszenen des Films sind zwiespältig. Die Optik wirkt ausgesucht und überzeugend, die zum Teil expliziten Einblicke in die weibliche Anatomie überraschen durchaus, doch der Sex an sich ist wenig einfallsreich und wird durch die Dudelmusik leider noch zusätzlich abgewertet. Wäre auf die Beischlafszenen soviel Mühe verwendet worden wie auf den Rest des Films so wäre hier noch deutlich mehr Qualität möglich gewesen.
Insgesamt ist "CasualSex.com" ein überdurchschnittlicher, auch ausserhalb der Sexszenen unterhaltsamer, Erotikfilm der mit einer hervorragenden Hauptdarstellerin und einem durchaus gelungenen Drehbuch protzen kann aber gerade in den Sexszenen vieles verschenkt.
Für Freunde des Genres aber denoch eine Empfehlung wert.