Review

Staffel 1


Die Stadt, die ewig liebt

„Modern Love“ basiert auf einer beliebten New York Times-Kolumne, in der kurz und knackig jeweils eine besondere „Liebesgeschichte“ erzählt wurde. Von freundschaftlicher Liebe über traurige Liebe bis hin zu elterlicher Liebe gibt es das stärkste aller Gefühle immerhin in etlichen Variationen und Schattierungen, sodass jede dieser acht (leider nur?) halbstündigen, zum Großteil prominent besetzten Episoden ihren eigenen Spin auf das Thema findet. So ist sicher für jeden etwas dabei. Und so ist „Modern Love“ zu einer meiner süßesten Serienversuchungen des Jahres geworden. Liebste Person schnappen und verzaubern lassen - denn „Modern Love“ ist gerade jetzt in der Adventzeit ein echter Launeverbesserer. Etwas Besseres wird man kaum finden, um es mit dem geliebten Menschen zu gucken. Das verspreche ich. Man weint, man lacht, man staunt - kein Wunder, wenn man weiß, dass John Carney („Sing Street“) die treibende Kraft hinter dieser Herzchen-Anthologie ist...

WHEN THE DOORMAN IS YOUR MAIN MAN (9/10)
Platonische Liebe - ein Portier behütet und berät seine liebste Bewohnerin...
Nicht nur ein toller Start, sondern auch direkt meine favorisierte Episode? Gut möglich. Eine wunderbare Geschichte von Freundschaft, väterlicher und beschützender Fürsorge, von Instinkt und Uneigennützigkeit. Anders und super fein. Guzmin ist groß! Würde ich jeder Zeit nochmal gucken. Man weiß direkt, dass man es hier mit etwas ganz Besonderem zu tun bekommen könnte...

WHEN CUPID IS A PRYING JOURNALIST (8,5/10)
Klassische, unsterbliche Liebe - der Erfinder einer Dating-App erzählt einer Journalistin von einer Verflossenen, für die er noch immer Gefühle hat...
Die vielleicht altmodischste Lovestory der ersten Staffel, aber auch eine (oder besser gesagt gleich zwei!) der schönsten. Dev Patel passt perfekt. Am ehesten noch RomCom-Züge, zum Teil berechenbar. Aber absolut ans Herz gehend und romantisch ohne Ende. Wow. Jedes Rad greift ins nächste. Vieles erkennt man wieder, trotz genug Cheese-Faktor wirkt alles bodenständig und echt genug, um sich voll in das Szenario fallen lassen zu können. Tut einfach gut. Punkt.

TAKE ME AS I AM, WHOEVER I AM (8/10)
Komplizierte, herausfordernde Liebe (+ Liebe zu sich selbst!) - eine Mischung aus Musical und Drama über psychische Probleme, in der eine herausragende Anne Hathaway eine bipolare Frau spielt, die es nicht leicht hat einen Partner zu finden oder zu halten, geschweige denn sich zu öffnen oder mit ihrer Krankheit zu „outen“...
Das schwierigste Thema, der größte Star, die mit Abstand gewaltigste Performance der gesamten Serie. Hathaway rockt beide Seiten der Medaille. „La La Land“ trifft auf glaubhafte Depressionen. Die Folge, über die ich noch am längsten nachdenke. Vielleicht braucht manch einer etwas um reinzukommen - aber dann funkt es sicher bei vielen extrem. Genial. Bravo!

RALLYING TO KEEP THE GAME ALIVE (6,5/10)
Eingerostete Liebe - ein mittelaltes Ehepaar mit Kindern im Teenageralter kämpft mit den Abnutzungserscheinungen der Ehe...
Die für mich schwächste Episode der Staffel, jedoch noch immer top besetzt, charmant und witzig obendrauf. Tina Fey macht ihr Ding. Irgendwie jedoch nicht ganz so auf den Punkt und auch nur mäßig bis gar nicht emotional. Aber es muss ja nicht immer die Niagarafälle im Wohnzimmer geben...

AT THE HOSPITAL, AN INTERLUDE OF CLARITY (7/10)
Überraschende, unwahrscheinliche Liebe - das zweite Date eines durchschnittlichen Types mit einer Instagram-Schönheit verläuft anders, als erwartet...
Sehr sweet, sehr echt, sehr feinfühlig und mit der umwerfenden Sofia Boutella, in die man sich nur verlieben kann. Humor trifft Gefühl. Da würde man auch gerne wissen, wie das bei den beiden weitergeht...

SO HE LOOKED LIKE DAD. IT WAS JUST DINNER, RIGHT? (7,5/10)
Vermisste, väterliche Liebe - eine junge Frau Anfang zwanzig führt Daddy Issues auf ein ganz neues Level...
Die süßesten und verwirrendsten Vaterkomplexe aller Zeiten?! Nicht immer nachvollziehbar oder klar - aber wessen Gefühlswelt ist das schon...

HERS WAS A WORLD OF ONE (8/10)
Familiäre, schwule Liebe - ein schwules Pärchen will ein Kind. Und ein junger obdachloser Freigeist trägt dieses für sie aus, zieht später in der Schwangerschaft auch bei den beiden ein...
Wieder toll besetzt, sogar Ed Sheeran hat einen Gastauftritt. Schöner, frischer Blickwinkel auf Obdachlose. Sympathisches Pärchen. Zuckersüßes Baby. Liebe in vielerlei Hinsicht. Wohl die Folge, aus der man am leichtesten noch mehr hätte machen können. Olivia Cooke hat’s drauf.

THE RACE GROWS SWEETER NEAR ITS FINAL LAP (9/10)
Späte Liebe - bei einem kleinen Fun Run lernen sich zwei ältere Semester kennen und lieben...
Nettes Schliessen des Kreises und die einzige Folge mit Connections zum Rest. Eine runde Sache. Aber das eigentliche Herzstück ist die dargestellte Beziehung. Simpel und packend. Da hat’s mich voll raus gehauen, danach musste ich den Abend nicht mehr auf die Toilette. Hatte genug Wasser verloren. Brachial emotional und berührend. So einfach, so schön. Da bin ich sprachlos. Hier weiß ich auch nicht, ob ich mir das allzu oft angucken würde, zu sehr getroffen und ausgewrungen hat mich das. Und das ganz ohne großartiges Drama, Twist und Trara - nur mit dem Leben, vielen nachvollziehbaren Kleinigkeiten und gaanz viel Liebe. Klingt blöd, funktioniert aber perfekt.

Fazit: naiv, süß, voller Liebe und New York, absolut bezaubernd und schön, mit einem modernen Kniff - „Modern Love“ ist DIE aktuelle Serien-Anthologie für Romantiker und Schmonz-Fans. Kitsch done right. Liebste Person schnappen und genießen. Das Gegenteil von „Black Mirror“. Eine Ode ans wichtigste Gefühl der Welt und die wahrscheinlich überwältigendste Stadt der Welt ebenso. Schönes Geschenk! (8/10)

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