Neulich hatte ich mich ja mal in den Untiefen des amerikanischen TV-Films an „Superdome“ versucht, einem Thriller, der ein großes Sportereignis (den/die Superbowl) mit diversen Schicksalen und einer kriminellen Bedrohungslage verbinden sollte – eben genau das Mischmasch, aus dem man in den 70ern post-„Earthquake“ gern flotte Katastrophenfilme schneiderte („Zwei Minuten Warnung“, „Schwarzer Sonntag“).
Natürlich für ein schmaleres Budget und – wie sich herausstellte – ohne die Finesse, den Ort, das Ereignis und die Bedrohung in einem beeindruckenden Zusammenhang zu stellen – „Superdome“ war ein öder Rohrkrepierer.
Also lange ich natürlich gleich nach noch so einer Gelegenheit: „Murder at the World Series“, der bei uns seltsamerweise „Mord aus heiterem Himmel“ hieß (na gut, die haben schönes Wetter im Film), vermutlich weil man zurecht dachte, dass die Bekanntheit der Sportart Baseball bei uns vor „Die Indianer von Cleveland“ vollkommen gegen Null ging.
Wir wechseln also von American Football zu Baseball (auch wenn „World Series“ in Wirklichkeit ein Jahr vor „Superdome“ auf die Bildschirme kam), aber unter den Meisterschaftsspielen machen wir es natürlich nicht. Ansonsten ist alles da, was dazu gehört: das kriminelle Genie, die Bedrohung im Stadion, diverse Figuren, deren Schicksal nur bedingt eine Rolle spielt.
Oder eben auch nicht.
Hatte „Superdome“ einen geheimnisvollen Killer aus dem organisierten Verbrechen, hat „Series“ Bruce Boxleitner.
Ja, genau, den freundlichen engagierten Schnuckiputz aus „Agentin mit Herz“ und „Babylon 5“, hier allerdings noch in relativer Erntefrische, der offenbar nach einer Kränkung durch den Verein der Houston Astros (ev. ihn nicht aufgenommen zu haben), auf die Idee kommt, mal ordentlich Kohle mit Erpressung zu machen. Nachdem er zu Beginn mit Sprengstoff in seinem Schlafzimmer rumspielt und alberne Erpressernachrichten aufnimmt, verfällt er auf den schnöden Plan, eine Spielerfrau zu entführen.
Allein, an der Umsetzung hapert es, denn er entführt tatsächlich ein Sportlergroupie, welches im falschen Moment die Winkehand gehoben hat. Macht ja nichts, denkt der sportliche Typ, dann gehen wir einfach mal mit der Forderung runter, wird schon laufen. Und wie durch ein Wunder lässt sich die Baseball Cooperation Liga der Menschenfreunde darauf ein und schickt einen ihrer Onkels mit einer Geldtasche los…
Ja, das ist nicht eben bestes Thrillermaterial, vor allem weil es wie üblich mit den nötigen Nebenfigurenschicksalen aufgefüllt wird: da ist die ältere Dame, die gar keinen Baseball kennt, aber dann mit Fachwissen jede Party crasht; da ist der Spieler, der seinen Zenit überschritten und mit seiner ihn liebenden Frau hadert und da ist Janet Leigh als Verbandssekretärin, die gleich zu Beginn die Diagnose Darmkrebs erhält und daher mit Leichenmiene durch den Film schleichen muss. „Dr. No“ Joseph Wiseman und Murray Hamilton (der ewige Bürgermeister aus dem „Weißen Hai“) sind auch noch dabei und Lynda Day George spielt das ergänzende Schönchen, welches endlich mal den Chef heiraten will.
Das ist aber alles Banane und man muss fassungslos dem idiotischen Bruce zuschauen, der es dank ultimativer Schusseligkeit und einiger unglücklicher Zufälle während und nach der Geldübergabe schafft, tatsächlich ein wenig kribblige Spannung in den Film zu hämmern. Für das Finale hat der Film dann aber nicht mehr zu bieten als die alte „Man with a Gun“-Nummer, die man ziemlich in die Länge zieht, bevor irgendjemand auch nur einen Schuss abgeben kann.
Wenn ich diesem Film ein Pünktchen mehr gönne als „Superdome“, dann weil er nicht komplett zusammenhangslos daherkommt und in Wettlauf-gegen-die-Bombe-Sequenz in der Filmmitte tatsächlich für Nervosität beim Publikum sorgt. Dennoch beweist der Film nur eins, nämlich wie wichtig ein guter Schurke und vielleicht ein passabler Held sind. Boxleitner muss eine arg depperte Figur spielen und sein aufrechter Gegenspieler ist ein etwas außer Form geratener Sicherheitsbeamter der Liga, der allerdings als einer der wenigsten hier seine Arbeit verrichtet.
Der Höhepunkt hat dann sogar einen Mini-Twist auf Lager, aber ingesamt sind das Katastrophenpotential (und der Gewaltlevel) äußerst zahm und sorgen nicht gerade für spektakuläres Entertainment.
Eine brave, schulterzuckende Angelegenheit, die nur für Komplettisten vielleicht von Bedeutung ist.
Im ersten Inning raus! (3/10)