Review
von Leimbacher-Mario
Trolli Festival of Colors
Eine berauschende und ultrafarbige Zelebrierung von… Musik. Und Spaß. Und Frieden. Und Zusammengehörigkeit. All das will „Trolls: World Tour“ sein. Und ist es im besten Fall und seinen berührenderen Momenten auch. Daher konnten seinem Erfolg sogar die ersten ekligen Blüten der Coronapandemie Anfang letzten Jahres wenig anhaben, wurde er nur von den Kinos in's bezahlbare VOD gelegt. Vom Vorgänger war ich kein Fan, finde ihn jetzt aber auch nicht kariesverursachend. Selbst wenn man das vor lauter Farben, Glitzer und Zuckerüberzug meinen könnte. Diese Fortsetzung dreht nochmal mehr auf. Nicht nur die Musik, sondern alles. Und macht damit auch mehr richtig. In dem flotten Sequel müssen die (Pop-)Trolle alle musikalischen Genres bzw. Troll-Königreiche zusammenführen und verteidigen, denn vor allem eine kleine Rock-Rebellin macht der eigentlich friedvollen Troll-Welt zu schaffen…
„Trolls: World Tour“ sieht unverschämt gut aus. Ein kleiner Augenorgasmus, ohne Zweifel. Die Haare, die Texturen, die Wolle, die Farben, die Details, die Animationen. Wie aus einem Fluss, einem Guss, weitaus besser als es die „Geschichte“, so ein Spielzeug und die Reihe verdient hätte. Aber was hier visuell rausgehauen wird, erst recht auf der 4K-Disc, ist schon pervers gut. Referenzmaterial. Es gibt immer etwas zu gucken und zu staunen. Dazu passende und gut gelaunte Synchronsprecher wie J.T., Sam Rockwell oder Anna Kendrick, die dutzende Songs in vermixten, eingängigen Versionen trällern, sodass auch die Ohren auf ihre Kosten kommen. Selbst wenn Potenzial verschenkt wird und sich im Endeffekt doch alle Musikrichtungen recht gleich anhören. Manch ein Joke sitzt, besonders die „Kopfgeldjäger“ der Subgenres wie Reggaeton gefallen. Doch das größte Manko ist sicherlich (wie in Part 1) die nicht vorhandene Story. Gerade die Unterschiede der Genres und die sich spärlich im Kreis drehende Handlung fesseln null. Da bleibt dann am Ende nur eine süße Message. Aber der Weg dahin, das eigentliche Abenteuer, ist zu dem Zeitpunkt schon vergessen. Der ultimative Farbenoverkill bleibt. Und kleine Spielereien im Stil (z.B. „gestickte“ Prequelerzählungen) lockern die Sache noch weiter auf. Kommt sicher auch gut mit halluzinogenen Drogen. Just sayin'. Aber nach einem weiteren Teil schreie ich jetzt nicht.
Fazit: hyperventilierender Musikmash mit Trollen, (aufgezwungen?) guter Laune und mehr Farben als jede Haribotüte. Nette Aussage, in jeder Beziehung aufgedrehter als sein Vorgänger. Und für mich auch minimal besser. Aber die nehmen sich nicht viel und sind ganz klar eher für die Kleinen. Keine Konkurrenz etwa für „Ralph Reicht's“.