Review

Martha (Terry Lumley) ist auf der Flucht. Die junge Frau mit den langen blonden Haaren rast viel zu schnell die enge Landstraße entlang, immer wieder ängstliche Blicke in den Rückspiegel ihres Schlittens werfend. Doch sie scheint ihre Verfolger abgeschüttelt zu haben, und als sie die Wohnung ihrer abwesenden Schwester Elizabeth Sayers (Pamela Franklin, The Innocents) erreicht, wiegt sie sich für einige wenige Sekunden sogar in Sicherheit. Dann merkt sie, daß sie nicht alleine in der Wohnung ist, und ihre Angst entlädt sich in einem letzten, panischen Schrei. Als Elizabeth - optisch mit ihren kurzen, brünetten Haaren das totale Gegenteil ihrer Schwester - wenig später die Wohnung betritt, baumelt Martha tot von einem Deckenbalken. Die Polizei legt den Fall rasch zu den Akten, deutet doch alles glasklar auf Selbstmord hin. Elizabeth hingegen ist davon überzeugt, daß sich Martha nicht umgebracht hat, auch wenn sie schwierige Zeiten hat durchmachen müssen. Um der dubiosen Sache auf den Grund zu gehen, schreibt sie sich in der alten, renommierten Kunstakademie, der Salem Academy for Women, ein, welche auch Martha bis zu ihrem Tod besucht hat. Die Begrüßung durch Roberta (Kate Jackson, Charlie's Angels), Debbie (Jamie Smith-Jackson, Bug) und Jody (Cheryl Ladd, Charlie's Angels), mit denen sie sich bald anfreundet, ist herzlich, die Schulleiterin (Jo Van Fleet, The Tenant) macht einen strengen aber harmlosen Eindruck, und auch sonst deutet anfangs nichts darauf hin, daß hier etwas nicht stimmen könnte. Dann macht die Nachricht die Runde, daß Lucy (Gwynne Gilford) Suizid begangen hat...

Lange Zeit tappt man als Zuschauer an der Seite der so hübschen wie starken Heldin nicht nur sprichwörtlich im Dunkeln. Regisseur David Lowell Rich (The Concorde... Airport '79) und Drehbuchautor Arthur A. Ross (The Great Race) bauen zahlreiche klassische Horrorelemente in die Geschichte ein, geben ihr gleichzeitig aber auch einen modernen Anstrich, sodaß das Ergebnis keineswegs altbacken wirkt. Ein heftiges Gewitter fehlt ebenso wenig wie knarrende Türen oder junge Frauen in Nachtbekleidung, die nur mit einer Petroleumlampe bewaffnet durch dunkle Korridore schleichen oder ein uraltes Kellergewölbe erkunden. Die bedrohliche Dunkelheit respektive das Spiel mit Licht und Schatten sorgen in Filmen dieser Art, wo es darum geht, ein düsteres Geheimnis zu lüften, immer wieder für eine schöne, dichte Gruselstimmung, vorausgesetzt natürlich, der Regisseur weiß damit umzugehen. Und David Lowell Rich versteht sein Handwerk, etabliert von Beginn weg eine Atmosphäre der latenten Bedrohung und des ominösen Grauens, welche sich mit der Zeit stetig verdichtet und in ein zwar nicht sonderlich überraschendes, aber immerhin recht befriedigendes Finale gipfelt. Mit einer Laufzeit von nur knapp über siebzig Minuten ist Satan's School for Girls zudem knackig, kurzweilig und hin und wieder sogar etwas spannend. Gut gelungen ist auch die falsche Fährte, die für das Publikum gelegt wurde, schließlich führt diese zur unheimlichen Szene am Fluß, eine der schönsten und eindrucksvollsten des Filmes.

Satan's School for Girls ist eine gut gemachte, sehr ansprechende Gruselmär, die jedoch leider ein gravierendes Problem hat: Sie kann nicht ganz einlösen, was der Titel verspricht. Das ist natürlich darauf zurückzuführen, daß es sich hierbei um ein von Leonard Goldberg und Aaron Spelling produziertes TV-Movie handelt, und beliebte Ingredienzen des Horror- und Exploitationfilms wie entblößte Brüste, explizite Brutalitäten oder verstörende Bilder waren im US-Fernsehen der 1970er-Jahre ein absolutes No-Go. Ich finde das nicht weiter tragisch, hat Satan's School for Girls doch genug andere Qualitäten, um gut zu unterhalten. Mit Elizabeth steht außerdem eine sympathische Heldin im Zentrum, die sich recht geschickt anstellt und die es vermeidet, mit dummen Aktionen die Geduld des Publikums zu strapazieren. Regisseur David Lowell Rich bringt zudem genug Erfahrung mit, um den zurückhaltend aber routiniert geschriebenen Okkulthorror im Rahmen der Möglichkeiten adäquat auf den Bildschirm zu bringen. Daß zwei zukünftige "Engel für Charlie" mit von der Partie sind, schadet ebenfalls nicht. Der Titel ist natürlich ein zweischneidiges Schwert. Einerseits sorgt er für Interesse und ist verdammt catchy, andererseits weckt er (zu) hohe Erwartungen und verrät (zu) viel über den Film an sich. Für Freunde von Siebziger-Jahre-Horror, die kein Problem damit haben, wenn es recht zahm, gediegen und unspektakulär zugeht, ist Satan's School for Girls dennoch einen Blick wert. Im Jahr 2000 gab es ein Remake (deutsche Titel: Satan's School for Girls - Mörderische Rituale bzw. Hexen für die Schule des Satans) mit Shannen Doherty, Julie Benz und - diesmal in einer anderen Rolle - Kate Jackson.

Details
Ähnliche Filme