Review

Satte sieben Filme schusterte die britische Regisseurin Louisa Warren allein 2019 zusammen und bislang hat ihr offenbar noch niemand beibringen können, es schlichtweg sein zu lassen.
„Die Zahnfee wird dich holen!“ war ein filmisches Debakel und auch hier reichen im Grunde nur wenige Szenen aus, um ein nicht vorhandenes Gespür fürs Handwerk auszumachen.

Nordengland im Jahre 810: Eine Gruppe von Wikingern unter der Leitung von Dolph hat sich in den Wäldern niedergelassen, als einer in Ungnade fällt und zur Strafe an eine Vogelscheuche gebunden wird. Mithilfe einer Hexe schmiedet der Ausgestoßene einen Racheplan und kehrt als meuchelnde Vogelscheuche zurück…

Veranstaltet man mit der ordentlichen Menge an Regiefehlern ein Trinkspiel, ist die Flasche vor Ablauf der 93 Minuten Laufzeit definitiv leer. Mal abgesehen von der fast durchweg unpassenden Kleidung stammen die modernen Äxte vom Baumarkt nebenan, die Sandalen vom Schuhladen daneben, während ein Krieger eine Frisur mit sauber anrasierter Nackenpartie mit sich führt. Bei Luftaufnahmen achtet man unweigerlich auf deutliche Merkmale der Industrialisierung, doch die sind erst später in Form zweier parkender Autos im Hintergrund eines Sees auszumachen. Hinzu gesellen sich Fahrrinnen auf einigen Waldwegen, ein Kondensstreifen am ansonsten blauen Himmel und Schwerter, die wahrscheinlich schon einige Jahre in der hintersten Ecke vom Theaterfundus lagerten.

Handlungstechnisch erinnert die Chose an einen gängigen Slasher, bei dem allerdings kaum Blut fließt, was ebenfalls auf das nicht vorhandene Budget und das inszenatorische Unvermögen zurückzuführen ist. Die meisten Ableben finden im Off statt und während das Kunstblut deutlich zu hell ausfällt, gibt es eine Strangulation und ein Aufspießen durch einen Ast. Die dazugehörigen Schwertkämpfe haben nichts mit einer Choreographie zu tun, es handelt sich um teils wahllos editierte Moves mit einem silbern glänzenden Gegenstand.

Einzig die Vogelscheuche vermag in einigen Momenten eine in Ansätzen unheimliche Atmosphäre zu erzeugen, obgleich die Maisfelder in England anno 800 noch Zukunftsmusik von Kolumbus waren. Bei den entsprechenden Angriffen ist es mit der düsteren Stimmung auch gleich wieder vorbei, denn der verhüllte Killer lässt sich verdammt viel Zeit mit der Attacke, während die jeweiligen Opfer grundlegend einige Sekunden genau dafür innehalten, - perfektes Timing.

Fast noch müßig, die talentfreien Mimen zu erwähnen, von denen höchstens zwei besser performen als der unterirdische Rest. Die hölzernen Dialoge befinden sich auf demselben Niveau, gleiches gilt für die unpassende Synchro. Der Score hebt sich derweil positiv vom Rest ab, - da hat sich sogar jemand die Mühe gemacht, ein paar frühmittelalterlich anmutende Klänge beizumengen.

Der Rest ist annähernd Amateurniveau, einschließlich einer unsicheren Kamera, die sogar innerhalb einer Einstellung noch korrigiert wird, während das Gesicht einer Hexe mithilfe von Überblendungen Furcht einflößen soll. Es verursacht lediglich einen Knick in den Pupillen des geneigten Betrachters. Ein insgesamt komplett lieblos hingerotztes Stück Film, bei dem der Trashfaktor nicht ansatzweise eine Sichtung rechtfertigt.
2 von 10

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