Review

Einen ausgesprochenen Totalreinfall im an Reinfällen nicht gerade armen No-Budget-Amateurbereich stellt die britische Produktion Scarecrow's Revenge dar, die trotz des Titels nichts mit irgendwelchen anderen Vogelscheuchen-Horrorfilmen zu tun hat. Der Streifen, dem man seinen Mangel an Geld und Ideen gleich auf den ersten Filmmetern ansieht, beschäftigt sich mit vorgeblichen Wikingern und deren Kampf gegen eine mörderische Vogelscheuche.

Im England des Jahres 820 geht ein knorriger alter Mann durch eine akkurat angelegte Futtermais-Anpflanzung (die es historisch gesehen damals noch gar nicht gab) und murmelt etwas von einem Fluch, an den er aber nicht glaubt. Doch das ist eine Fehleinschätzung, denn ein in der Nähe aufgestelltes recht modern wirkendes Freddy-Krueger-Lookalike für Arme erwacht plötzlich zum Leben, läuft ihm mit einer langstieligen, aber viel zu kleinen Papp-Sense hinterher und ersticht den armen Mann. Dank Texteinschüben darf man nun die Vorgeschichte kennenlernen: Jahre zuvor gab es dort eine Wikingersiedlung, die - aus immerhin 2 Häusern (mit sauberem Gartenzaun und schön kurz geschnittenem Rasen) bestehend - einem halben Dutzend (sichtbaren) Komparsen als Heimstatt dient. Nachdem ein älterer Wikinger im Suff eine junge Wikingerin in den Wald verschleppt hatte, wird der schnell dingfest gemachte Missetäter aus den stets "Dorf" genannten beiden Hütten verbannt. Doch der wendet sich an eine Hexe, der er seine Seele verkauft, um hinfort als lebendige Vogelscheuche die Wikinger (die aus dem "Dorf") niederzumetzeln.

Das "Metzeln" sieht dabei stets so aus, daß der im tiefen Wald (mit seinen sauber und breit angelegten Wanderwegen) einzeln spazierende Wikinger von hinten angegriffen wird, wobei die Kamera von vorne filmt, wie sich Freddy Krueger fast in Zeitlupe anschleicht und das ahnungslose Opfer stets zu blöde ist, sich mal umzudrehen. Schnitttechnisch gibts die Ausholbewegung mit der oben beschriebenen Sense (oder wahlweise auch mit einer Axt aus dem Baumarkt mit geschwungenem, polierten Stiel) zu sehen, dann nur noch das erschreckte Gesicht des Gemeuchelten, manchmal mit etwas Kunstblut, manchmal auch ohne.
Die Wikinger selbst tragen, freundlich ausgedrückt, phantasievolle Kostüme vom neuzeitlichen Kunstlederwams bis hin zu Stretchhosen, manchmal auch nur ein eingefärbtes Nachthemd, wie der Papa der Entführten, der mit seinem Schuhverkäufer-Kurzhaarschnitt damit ganz besonders, äh, authentisch wirkt. Die ebenfalls sehr kurz geschnittenen "Kampf"szenen (mit Schwertern mit abgerundeten Spitzen) spotten jeder Beschreibung, fallen aber durch die grenzdebilen Dialoge schon gar nicht mehr auf, genausowenig wie zeitweilige Kondensstreifen am Himmel, Regentropfen auf der Kameralinse  oder in einer Szene geparkte Autos im Hintergrund.

Der Film bedient sich auch öfters einiger kurzer, mit deutlich besserer Drohnen-Kamera aufgenommener Kurzclips (offenbar kostenlose stock footage) von Flügen über blühende Maisfelder oder einen dichten Tannenwald, was nicht nur durch die mehrfache Wiederholung besonders sinnlos wirkt, da sämtliche Waldszenen des Films in einem Laubwald spielen.

Wäre Scarecrow's Revenge das Resultat engagierter 14-jähriger Schüler, die mit ihren höchst beschränkten Mitteln ihr erstes  Filmchen für den Geschichtsunterricht produziert hätten, wäre vielleicht ein anerkennendes Nicken drin, da aber Regisseurin Louisa Warren (die kostensparend als "Opfer" ebenfalls mitspielt, als sie als Wikingerin mit ihren modernen grauen Damenschuhen mit Absatz bei der "wilden Flucht" über ein dünnes Stöckchen stolpert) schon mehrere Stunden derartigen Komplett-Dilettantismus´ verbrochen hat, bleibt als Fazit nur anzumerken, daß dieser Film noch nicht einmal im Trash-Bereich zu punkten vermag und somit absolut gar nichts bietet, was sich anzusehen lohnt. 1 Punkt.

Details
Ähnliche Filme