Review

Während die letzten prägnanten Auftritte des zwischenzeitlich auch mal als Hauptdarsteller in (versuchten) Blockbustern installierten Aaron Eckhart die des Schutzes eines Leibwächter benötigten POTUS in Olympus has Fallen und London has Fallen waren, legt der ehemalige Präsident in Line of Duty selbst und das eigenverantwortlich, wenn auch dazu genötigt die Hand an; eine weitere Actionrolle des durchaus athletisch, vielleicht etwas asketisch gar gebauten Darstellers, der schon eher der zweiten Garde zugehörig, da oftmals unauffällig in der Anwesenheit und auch nicht von vornherein mit übermäßig viel Charisma gesegnet ist. Für Eckhart selber, welcher bereits im (komplett durchschnittlichen, auf größere Vorbilder schielenden) Expatriate die Funktion eines eigentlichen oder doch scheinbaren Durchschnittsbürgers in genötigten Maßnahmen übernahm, wird auch hier zu einem Konter und mehr Umtrieben gezwungen, als ihm eigentlich lieb ist. Etwas mehr Engagement und Talent zeigen muss auch der Regisseur, welcher gerade für seinen letzten Beitrag zum Genre, dem Escape Plan 2: Hades stark kritisiert wurde und das nicht unbedingt zu Unrecht. Der Regisseur des Filmes hier hat auch keine Schuld. Die Idee selber – Actionthriller in 'Echtzeit' mit Selfiestick – ist unerfreulich und auch unzulänglich entwickelt und auch umgesetzt:

Birmingham, Alabama. Der (degradierte) Straßenpolizist Frank Penny [ Aaron Eckhart ] verfolgt nach einer misslungenen Überwachungsaktion des (ehemaligen) Freundes und Vorgesetzten Vice Captain Tom Volk [ Giancarlo Esposito ] den flüchtigen Observierten Max Keller [ James Hutchison III ], der sich nicht nur gegen ihn emsig wehrt, sondern auch weitere Polizisten verletzt und erst durch einen Fangschuss in Notwehr von Penny ausgeschaltet werden kann. Erst anschließend erfährt der Cop von der eigentlichen Misere, hat Keller doch mitsamt seinem noch auf freien Fuß befindlichen Bruder Dean Keller [ Ben McKenzie ] die neunjährige Tochter von Volk entführt und in einer tödlichen Falle platziert, die in exakt 64 Minuten zuschnappt. Penny, der nach dem Eingreifen und Schuss sowieso suspendiert ist, macht sich eigenhändig auf die Suche nach dem Versteck, wobei ihn gezwungenermaßen die blutjunge 'Reporterin' Ava Brooks [ Courtney Eaton ] mit ihrer stets laufenden Handykamera und dem Onlinekanal "Media 4 The People" ihrer Freundin Clover [ Jessica Lu ] begleitet. Währenddessen wird nicht nur die traditionelle Nachrichtenfrau Ruth Carter [ Dina Meyer ] auf den Stream aufmerksam und speist ihn ungefragt in ihr laufendes Programm ein, auch Bruder Dean weiß um den Todesschützen und sein Vorhaben und rüstet sich schwerbewaffnet zum Gefecht.

Gerade die ersten Szenen der Vorstellung und Charakterisierung des Mannes im Mittelpunkt des Geschehens könnten auch aus jedem anderen Film der Gattung sein: noch vor dem ersten Hahnenschrei und dem Klingeln des Weckers 6:00h früh wach, Frühsport noch im Schlafzimmer für Brust- und Bauchmuskulatur, die Morgenzeitung bzw. nur der Sportteil, Kaffee, Eier in der Pfanne. Gewöhnlicher gehts nicht, fehlt bloß noch die Ehefrau auf der anderen Bettseite, die kurz etwas verschlafen murmelt und sich dann nochmal zum Weiterdösen wegdreht. Der Ring als Zeichen eines lebenslangen Bündnisses ist auch noch da, ein Trauma aus der Vergangenheit auch, die Ehefrau selber nicht.

Routinen des Alltags, die Miller da (erfahren durch mehrere DtV Abenteuer von Bruce Willis wie Marauders, First Kill oder Extraction) ebenso routinemäßig und stramm gefiltert bebildert, das Leben eines Streifenpolizisten, der nicht mal Dienstwagen fährt, sondern als Plattfuß die Straßen abklappert, für die Anwesenheit auf der Kreuzung oder als 'Sitzposten' tatsächlich sitzend auf dem Bürgersteig da und durch die ausgiebige Kommunikation mit einem kleinen vorlauten afroamerikanischen Kind die Neuauflage vom Ein Cop und ein Halber ist. Zum Glück kommt nach viel (und noch vor viel cringeworthy) die Tension doch plötzlich und unvermittelt, die Anspannung von jetzt auf gleich, zu Verfolgung per pedes quer durch die Schluchten und im Hinterhof der Seitengassen dann das erste Gefecht. Eine lange erste Hatz mit viel Körpereinsatz, mit Sprüngen durch die Fenster, ein Sturz aufs Auto, Nahkampf mit Verstärkung im Getümmel und schließlich der Wahl der Waffen und dem Tod durch das Gesetz.

Im Jahre 2019 ist vieles drumherum dann leider nicht Routine oder heutzutage vielleicht doch, wird hier der Medienbezug als zweite Hauptlinie der durchaus stramm fortschreitenden Geschichte genommen und dabei Social Media bzw. Live Coverage und Graswurzel- & Twitter- Journalismus im Vergleich zu und als Ergänzung von 'normalen' spekulativen Nachrichtensendungen betrachtet und leider auch fortwährend initiiert. [Der ursprüngliche Titel lautet Live! und der Film sollte bereits im Sommer 2015 in New Orleans gedreht werden, damals noch ohne Miller, sondern den Second Unit Regisseuren Darrin Prescott und Wade Allen als Debütanten am Set.] Eine schon recht nervige, da auch als 'hip' betrachtete und so auch als lautmalerische Installation behandelte fortwährende Kommentierung des laufenden und eigentlich rasanten Geschehens, die nicht nur für den Cop hier (und die Ermittlungen) störend, sondern die meisten Zuschauer in seiner Altersnähe eher belästigend und unnötiges bis gar schädliches Beiwerk bloß ist. Richtig helfen und unterstützen tut hier auch keiner mehr, alle haben nur das Handy im Anschlag, die Kameras in der Hand und das eigene Ich samt Ego im Visier.

Während die Gewalt und die Todesfälle ab einer Selbstmordmission des zweiten Bruders eskalieren, die Schnellfeuerwaffen auf einer Straßenkreuzung gezückt werden und das eigene Auto als Rammbock appliziert, die Actionszenen auch stets übersichtlich gehandhabt werden und (bis auf feuriges CGI-Finale) auch handwerklich auf dem Stand der Dinge sind, ist der Inhalt des Network für die Millennials selber schon a) wankelmütig geworden und b) von allseits leeren Phrasengedresche der Sorte "Tell my homies over at Wake Up and Smell the Bullshit what you're all about." "To... bring the uncensored truth to the people. To tell the stories that the mainstream media gloss over or completely ignore. And to empower anyone of any age to stand up and make a difference." "That's deep, sis." "We've all got to take individual responsibility, and stand up for what's right." sowie c) einigen fadenscheinigen darstellerischen Leistungen, allen voran in Nebenrollen kontaminiert.

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