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Nu Image hatte die besten Zeiten hinter sich und drängte vermehrt mit seinen Produktionen nach Osteuropa, um die Budgets niedrig halten zu können.
„Armstrong“ war eine der ersten Produktionen, die diese Sparmaßnahmen zu spüren bekam und obwohl mit Frank Zagarino („Shadowchaser“, „Cyborg Cop III“), der hier seine Abschiedsvorstellung von Nu Image gibt, und Joe Lara („American Cyborg: Steel Warrior“, „Doomsdayer“) zwei altgediente Recken des Studios gegeneinander antreten, will sich der Filmspaß früherer Produktionen nicht mehr einstellen. Zwischen dem gerade einmal zwei Jahre früher gedrehten „Warhead“ und „Armstrong“ liegen einfach Welten.

Der alte Recke von Cannons Gnaden, Menahem Golan („The Delta Force“, „Over the Top“), kurzzeitig Ende der Neunziger für Nu Image beschäftigt, sucht zusammen mit dem wirklich guten und altbekannten Stunt-Koordinator wie Second Unit Director BJ Davis (u.a. „Avenging Force“ und „American Ninja 2: The Confrontation“) nach einem Weg den knapp kalkulierten B-Actionthriller einigermaßen über die Bühne zu bringen, was ihm letztlich auch noch einigermaßen gelingt.

Schon praktischerweise in Russland angesiedelt und vor dem Hintergrund der Abrüstung beider Weltmächte handelnd, reist der sich nicht lange in der Handlung aufhaltende und im übrigen ständig schwitzende Robert Zorkin (Charles Napier mal wieder in einer seiner Standardrollen) nach Moskau, um dort beängstigende Beweise an den Mann zu bringen: Das russische Militär verscheuert Sprengköpfe an gut zahlende Terroristen. Schon bald zurecht um seine eigene Sicherheit fürchtend, bezieht er seinen ehemaligen Schüler Rod Armstrong, ein Ex-CIA-Söldner, der längst die Gegenseite, also den KGB bzw. FSB, ausbildet, mit ein. Der ist natürlich schockiert von dem Videobeweis und forscht rechtschaffend nach...

Bis auf einige kleine Schnitzer (mal auf Zagarinos viel zu große Hose während der Beerdigung achten, seine Wohnung sieht trotz Granatenexplosion später auch noch ziemlich gut aus...) bleibt „Armstrong“ noch ein erträgliches B-Movie der Ostblock-Fraktion, dem einfach die Action-Höhepunkte fehlen und dessen uninteressante Story um im Hintergrund Waffen verscharrende Militärheinis kaum interessiert geschweige denn spannend rübergebracht wird, auch wenn Golan immerhin Richard Lynch („Invasion U.S.A.“, „Nightforce“) in seiner Paraderolle als Bösewicht besetzt.
Zu allem Überfluss spielt der schwache Zagarino, wie eigentlich fast immer abseits der „Shadowchaser“ – Reihe, austauschbar und setzte als Hauptfigur keinerlei Akzente. Mal ein Oneliner hier oder da wären schon nicht schlecht gewesen.

Teilnahmslos verfolgt der Zuschauer deswegen das lahme Treiben, in dem Armstrong, stets auf der Hut, dann langsam auf den Trichter kommt, wer sich da an Regierungsmaterial auf eigene Rechnung bereichern will. Nur schade, dass trotz einer Autoverfolgungsjagd, vielen Rennereien durch heruntergekommene Ostblock-Kulissen und ein wenig Geballer in Armstrongs Wohnung, der Genrefan nicht entsprechend bedient wird.
Was Golan zeigt, sieht halbwegs solide, aber auch genauso unspektakulär wie simpel aus. Mit den vorhandenen Mitteln war wohl einfach nicht mehr möglich.
Überflüssige Ablenkungen, wie die blank ziehende und dann auch erst einmal minutenlang mit feucht-transparenter Bluse durch den Film flüchtende Kimberly Kates („Viper“, „Charades“), die schauspielerisch ein Totalausfall ist, versorgen das Publikum auch nicht gerade mit Schauwerten, will das doch eigentlich etwas anderes sehen.

Zum Schluss, wenn Armstrong, dann den Übergabeort stürmt, den Abschluss des Deals vereitelt und Kimberly befreit, gibt es zwar noch einmal viel Geballer, aber bis auf einen gut gemachten, aber inszenatorisch fast komplett verschenkten Stunt, bei dem ein Auto an Zagarino vorbeifliegt, kann man trotz beidhändigem Geballer das Finale in die Tonne treten, weil die Gegnerhorden dämlich wie die Fliegen im Dutzend umkippen. Golan hatte wohl doch schon einiges verlernt.

Für den Genrefan lohnt sich dieses Nu Image – Produkt letztlich kaum, denn den uninspirierten Plot hat man in ähnlicher Form bereits zu oft gesehen und die Actioneinlagen sind wirklich nicht mehr als Hausmannskost. Von Shootouts bis hin zu den Autoverfolgungsjagden, aus denen immerhin ordentlicher, wenn auch unlogisch herbeigeführter Blechschaden resultiert, ist da einfach nichts, was in irgendeiner Weise positiv herausragt. Spektakuläre Momente fehlen komplett, die Explosionen sind ein Witz und der Plot selbst ist für ein B-Movie auch etwas zu kompliziert. Das Gedöns mit der russischen und amerikanischen Mafia sowie das Attentat hätte man zwecks Filmstraffung komplett fallen lassen sollen.
Da kann dann auch die prominente B-Setzung nicht mehr viel retten. Joe Lara, als Bösewicht stets brauchbar, zieht sich zwar noch solide aus der Affäre, aber vor allem ein paar Osteuropäer nerven in den Nebenrollen schon deutlich.


Fazit:
Der Bringer ist „Armstrong“ echt nicht, aber von Nu Image sollte wenig später noch Schlimmeres kommen. Kompletthalber kann der Genrefan mal hineinblicken, verpassen tut er jedoch wirklich nichts. Menahem Golan inszeniert hier ein unspektakuläres 08/15-B-Movie ohne nennenswerte Actionszenen, dafür mit einem keine Begeisterung entfachenden Standard-Plot, teilweise arg lächerlichen Dialogen und meist schwachen Darstellern.

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